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interview

„Tamira ist zu keinem Opfer bereit“

Dieses Wochenende findet in Bregenz die Generalversammlung des Österreichischen Tennisverbands statt. Wir haben uns mit ÖTV-Präsident Ronnie Leitgeb (53) getroffen.

Herr Leitgeb, Sie weilen anlässlich der Generalversammlung des ÖTV sowie der dazugehörigen Gala in Vorarlberg. Wie zufrieden sind Sie mit dem Verlauf der Generalversammlung?

Ronnie Leitgeb: Sehr. Ich bin ja im letzten Jahr mit einem Drei-Jahres-Masterplan angetreten. Jetzt galt es für mich den Nachweis zu erbringen, dass ich erste Erfolge vorweisen kann. Und ich kann sagen: Wir sind auf einem sehr guten Weg. Einer meiner Ziele war es, das Präsidium zu verjüngen. Heute kann ich sagen, dass ich als Präsident der Älteste im Präsidium bin, die beiden Vize-Präsidenten sind Anfang 40. Das sind Meilensteine im Funktionärswesen.

Um was ging es heute konkret?

Leitgeb: Wir haben zum Beispiel bei dem Länderkuratorium, das ist sozusagen der Aufsichtsrat des ÖTV, die Weichen für die Zukunft gestellt.

Steht dem österreichischen Tennis eine Talsohle bevor, wenn Jürgen Melzer zurücktritt?

Leitgeb: Zunächst einmal hoffe und glaube ich, dass Jürgen noch einige Zeit auf seinem derzeitigen Level spielen kann. Aber natürlich wird es irgendwann eine Zeit nach Jürgen geben. Und auf diese Zeit sind wir bestens vorbereitet. Wir verfügen mit Gerald Melzer, Dominic Thiem und Michael Linzer über drei Nachwuchsspieler, die ante portas stehen. Dahinter haben wir mit Lucas Miedler einen Spieler, der davon überzeugt ist, dass er absolut eine Profikarriere machen wird. Haben Sie die Zeit und den Platz, um auf die Zyklen des Spitzensports einzugehen?

Selbstverständlich.

Leitgeb: Bezogen auf eine ganze Nation wird es immer Zyklen geben. Zyklen, in denen Spitzenspieler wie Thomas Mus-ter oder Jürgen Melzer in der Weltspitze spielen und Zyklen, in denen sich junge Spieler an die Weltspitze herantasten. Wenn man bedenkt, dass Österreich in einer Weltsportart wie Tennis in den letzten 30 Jahren so viele prominente und erfolgreiche Vertreter hatte, dann ist das sensationell. Sie brauchen doch nur nach Schweden zu blicken. Die hatten eine Hochzeit mit vielen Spitzenspielern. Aber aktuell haben sie viel größere Probleme als wir.

Ist der Österreicher ein geborener Spitzensportler?

Leitgeb. Das ist ja fast schon eine philosophische Frage. Der Österreicher an sich ist nicht mehr und nicht weniger ein geborener Spitzensportler als Sportler aus anderen Nationen. Aber, und ich glaube darauf zielen Sie ab, der unbändige Wille ist beim Österreicher vielleicht nicht so verhanden wie bei anderen. Weil bei uns die Komponente des sozialen Aufstiegs fehlt.

Anders gefragt: Viele österreichische Spitzensportler wie aktuell Marcel Hirscher, Markus Rogan oder früher Hermann Maier, Thomas Muster oder Marc Girardelli waren kein Ergebnis von gezielter Nachwuchsarbeit, sondern sind durch eeigenen Ehrgeiz an die Spitze gekommen.

Leitgeb: In Sachen Verbandsarbeit ist viel vom jeweiligen Verbandspräsideten abhängig. Ein Peter Schröcksnadel hat eine klare Linie, aber am Ende will er eben den Erfolg des ÖSV sehen. Deshalb kann ein Hirscher innerhalb des ÖSV auch seine Individualität genießen. Es geht heute mehr denn je darum, die Verbandsarbeit mit der Eigeninitative von Sportlern zu verbinden. Das leben wir jetzt auch im ÖTV.

Inwiefern?

Leitgeb: Wir haben es geschafft, mit Persönlichkeiten wie Günter Bresnik, Hakan Dalbho, Michael Oberleitner, Gerald Mild und Gilbert Schaller das Kompetenzzentrum im österreichischen Tennis aufzubauen. Davor sind alle fünf in ihrem eigenen Orbit herumgeschwirrt. Jetzt konnten wir die Kräfte bündeln. Auch Thomas Muster ist mit im Boot.

Nicht mit im Boot ist Tamira Paszek, die entgegen der Abmachung ihre Fed-Cup-Teilnahme abgesagt hat.

Leitgeb: Zunächst einmal möchte ich betonen, dass wir beim ÖTV nie eine Türe für Tamira zugeschlagen haben. Wir haben ihr im Gegenteil alle Türen geöffnet und für sie erfolgreich darum gekämpft, dass sie an den Olympischen Spielen teilnehmen konnte. Leider hat sie sich nicht an ihr Versprechen gehalten, das sie bei einer Sitzung der Fed-Cup-Spielerinnen in Australien gegeben hat. Da hat sie nämlich zugesagt, in den nächsten Jahren dem Fed-Cup-Team zur Seite zu stehen.

Mein Eindruck ist, dass Sie dieser Wortbruch persönlich enttäuscht hat.

Leitgeb: Das stimmt. Da ist eine menschliche Enttäuschung entstanden. Aber das ist ja nur ein Teilaspekt. Viel größer ist für mich das Unverständnis, dass Tamira nicht bereit ist, für ihr Land zu spielen und ein Minimum an Opfer zu bringen. Aber das muss sie mit sich selber ausmachen.

Hatten Sie seit Ihrer öffentlich geäußerten Kritik Kontakt mit Tamira Paszek?

Leitgeb: Nein, der hat sich nicht ergeben. Wir haben ihr damals einen Brief als Einladung zum Fed-Cup geschrieben. Nach ihrer völlig unerwarteten Absage ersuchten wir sie, im Sinne dessen, was sie ihren Kolleginnen zugesagt hat, zu entscheiden. Wie sich gezeigt hat, ohne Erfolg.

Interview: Hannes mayer

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