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Nur Altach kann verlieren

Das heutige Derby (18.30 Uhr) zwischen dem SCR Altach und dem FC Lustenau verspricht ein reizvolles Duell zu werden.

Emanuel walser

Wenn der Tabellenvierte auf den Tabellenfünften trifft, klingt das nur mäßig nach Spektakel. Und dennoch: Das Spiel SCR Altach gegen den FC Lustenau ist inhaltsreicher, als die Verpackung aussagt.

Die Ausgangslage:

Während der FC Lustenau bislang im Frühjahr durchaus zu überzeugen wusste, wurden die Altacher trotz sichtbarem Aufwärts­trend nicht immer den eigenen Ansprüchen gerecht – es fehlt schlicht die Konstanz.

Starke Phasen, in denen sich die Handschrift Canadis andeutet, weichen immer wieder den festgefahrenen alten Mus­tern: Das Spiel der Altacher ist zu statisch, es fehlt an Ideen und Tempowechseln. Dennoch: Die individuelle Qualität der Rheindörfer ist nicht zu leugnen. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis ein Rädchen ins andere greift.

Die Taktik:

Auf der taktischen Klaviatur spielt Canadi eigentlich alle Stückerl, gegenwärtig ist er allerdings in seinem Repertoire noch eingeschränkt.

Der Grund liegt auf der Hand: Canadi ist noch zu kurze Zeit in Amt und Würden, der Kulturwechsel ist zwar eingeleitet, aber längst noch nicht vollzogen. „Ich sage ganz offen: Der FC Lustenau ist als Mannschaft in seiner Entwicklung weiter als wir. In Altach habe ich zwar die individuell besseren Spieler zu Verfügung, das stärkere Team sind wir deshalb aber noch lange nicht.“

Anschauungsmaterial zur These findet Canadi auf dem Rasen zuhauf: „Es fehlt an längeren und zwingenden Ballstaffetten, wir finden kaum kreative Löungen. Viel zu oft schlagen die Spieler in ihrer Hilflosigkeit die Bälle einfach hoch nach vorne. Und wir haben viel zu wenige schnelle Umschaltphasen im Spiel.“

Anders der FC Lustenau: Der Übergang von Balleroberung zur eigenen Offensivaktion ist meist ein direkter, etliche Tore fußen auf diesem Grundmuster. Keine Frage also, wie man die Punkte aus Altach entführen will: überfallsartig. Das Problem: Niemand kennt die Blau-Weiße Art zu spielen besser als Canadi, taktisch wird ihn Daniel Madlener – selbst wenn er wollte – wohl nicht überraschen können. Aufgrund des dünnen Kaders ist in Lustenau ein Plan B ohnehin nur theoretischer Natur.

Das Personal:

Mit Aydogdu wird beim FC Lustenau einer fehlen, der eigentlich nicht zu ersetzen ist: Wenngleich im Frühjahr nicht immer in Galaform, garantiert allein seine Präsenz auf dem Platz, was dem Altacher Spiel teilweise abgeht: kreative Lösungen und kluge Pässe in die Tiefe.

Im Schnabelholz hingegen ist man von den personellen Sorgen des Herbstes neuerdings befreit, der breite Kader bietet nicht nur Alternativen, sondern garantiert auch den Konkurrenzkampf.

Definitiv wieder in die Startelf zurückkehren wird der zuletzt gesperrte Hannes Aigner, die eine oder andere Personalrochade (Innenverteidigung, Mittelfeld) ist zu erwarten, zumal sich in Linz nicht viele für ein Stammleiberl empfohlen haben.

Die Psychologie:

Der FC Lustenau hat allerspätestens nach dem Senat-5-Entscheid (Zwangsabstieg) wirklich nichts mehr zu verlieren. Jedes einzelne Spiel ist für Trainer und Mannschaft eine dankbare Gelegenheit, auf sich aufmerksam zu machen. Und eines ist gewiss: Drei Punkte gegen den Liga-Krösus Altach würden ein großes Echo garantieren.

In Altach dagegen wäre alles andere als ein Sieg eine herbe Enttäuschung, die Logik der gewachsenen Altacher Ansprüche wird auch Canadi nicht außer Kraft setzen können. Eine Niederlage gegen den FC Lustenau könnte mitunter genügen, um das zarte Pflänzchen „Aufbruchsstimmung“ platt zu treten.

Das Fazit:

Die Ausgangslage verspricht ein Spiel der großen Emotionen. Lassen es die Platzverhältnisse zu, erwartet die Fans ein packender Fight.

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