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Rambo macht den Schneckerl

Er ist der Gottvater aller Experten: unerreicht in der Präzision der Analyse, ein rhetorisches Naturtalent und Stegreifartist ersten Ranges. Sie werden‘s bereits erraten haben: Die Rede ist von Herbert „Schneckerl“ Prohaska, Jahrhundertfußballer, Trainerguru und nicht zuletzt fleischgewordener Bildungsauftrag des ORF, insbesondere seine Verdienste um die Kasuslehre können nicht genug gewürdigt werden. Mögen auch all jene, die sich dem Hochamt der deutschen Sprache verpflichtet fühlen, noch so spotten, ich jedenfalls wage zu prognostizieren: Am Endes des Tages wird Herbert Prohaska der Mann sein, der dem Dativ mit den Akkusativ versöhnt hat! Zumindest über seine Qualitäten als Fußballer gab und gibt es unter Sehenden sowieso keine zwei Meinungen, Spieler seines Formats sucht man heutzutage vergebens. Messi hin, Cristiano Ronaldo her – nennen Sie mir einen, der schlicht brillant ist, ohne dabei ins Schwitzen zu kommen? Eben! Und ja, ich schäme mich nicht zu gestehen: Ich bin ein Fan. Ich habe dem Herbert auch die Treue gehalten, als ihn die gesamte Fußballnation nach dem Trauma von Valencia (0:9 gegen Spanien) mit Schimpf und Schande gen Orkus jagte. Lauter ahnungslose Kleingeister, allesamt unfähig, die visionäre Kraft seiner Fußballphilosophie zu erkennen! Dabei genügt ein simpler Blick auf die damalige Mannschaftsaufstellung, und man kann sich der Schlussfolgerung nicht verweigern: Mit dieser Nudeltruppe war einfach nicht mehr drinnen! Oder wie Prohaska höchstselbst sagen würde: „Eigentlich haben wir uns ganz gut aus der Atmosphäre gezogen.“ Und wer war damals als Blinder unter den Einäugigen dabei? Genau – ein gewisser Anton Pfeffer. Jener Pfeffer also, der gestern auf ATV (der Privatsender überträgt die ÖFB-Auswärtsspiele) seinen Auftritt als Experte hatte, ergo den Prohaska machte. Seinem Beinamen „Rambo“ machte er fraglos alle Ehre, noch selten hat jemand im Hauptabendprogramm die Sprache von Schiller und Goethe so brutal verballhornt wie er. Schon mit dem ersten Satz ließ er keinen Zweifel daran, wohin die Reise geht: „Mit diesem Rückenwind, den der Junge an den Tag gelegt hat, erwarte ich mir einiges.“ Seine Fachkompetenz hielt er ebenfalls nicht zurück: „Ein Heimspiel sagt von der Papierform her aus, dass die Heimmannschaft im Vorteil ist.“ Kein Zweifel: Der Mann hat Kultpotenzial.

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