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Auf den Spuren von Roman Sebrle

Im Götzner Möslestadion bestritt der Klauser Thomas Walser (23) vergangenen Samstag seinen ersten Siebenkampf. Der Nicht-Leichtathlet berichtet für die NEUE von seiner Grenzerfahrung.

Aufgezeichnet von
Lukas Fleisch

Ehrfürchtig betrete ich am Samstagmorgen das legendäre Götzner Möslestadion. Wo sich Jahr für Jahr die Leichtathletik-Weltspitze trifft, soll ich also heute selbst nach Rekorden jagen. Von meinem ehemaligen Turnlehrer ließ ich mich breitschlagen am Erlebnismehrkampf der Sportgemeinschaft Götzis teilzunehmen. Seit 13 Jahren organisiert der Verein diesen einzigartigen Wettkampf für Hobbysportler. Hobbysportler? Einige der Anwesenden scheinen das Ganze aber ziemlich ernst zu nehmen. Muskelbepackte Riesen und drahtige Pferdelungen überall! Ich ahne Böses. Sieben Disziplinen gibt es an nur einem Tag zu bewältigen. Die meisten davon kenne ich nur aus dem Fernsehen. Auf was habe ich mich da bloß eingelassen!

Los geht’s

Nach einem kurzen Aufwärmen lässt der Stadionsprecher meinen Adrenalinpegel das erste Mal in die Höhe schnellen: „Thomas Walser, Lauf zwei“. Nervös stelle ich mich in meinen Startblock. 100 Meter gespickt mit vielen Hürden liegen vor mir. Ich bin kaum bereit, da höre ich schon den ohrenbetäubenden Knall der Pistole. Wie von allen Sinnen verlassen renne ich los. Kaum aufgerichtet stehe ich vor der ersten Hürde. Der Rhythmus stimmt, ich komme gut drüber. Nummer zwei, drei, vier. Jetzt werden die Schritte länger, die Hürden scheinen immer höher. Mein Knie schrammt an einer Latte, das war’s mit dem Rhythmus. Irgendwie stolpere ich ins Ziel. Erst jetzt blicke ich das erste Mal um mich. Ich habe den Lauf gewonnen. Wie war dass denn passiert?

Kurze Pause und schon geht es mit dem Hochsprung weiter. „Zum Glück bin ich ziemlich groß, denn technisch bin ich eine Wildsau“, denke ich mir. Mit der Eleganz eines Kartoffelsacks werfe ich mich also über die Stange. Bei 1,65 Metern ist Schluss. Das Kreuz tut mir jetzt noch weh!

Erste Müdigkeit

Disziplin Nummer drei: Kugelstoßen! Düster erinnere ich mich an meine Schulsport-Tage. Angleiten, drehen, stoßen. Leichter gesagt, als getan. Beim letzten Versuch schaffe ich 11,28 Meter. Weit entfernt von den Top-Leistungen von über 15 Metern. Langsam macht sich die Müdigkeit bemerkbar.

Der gefürchtete 200-Meter-Lauf bewahrheitet sich als Tortur. Wie ein Wahnsinniger renne ich über die heiße Tartanbahn. Mein Vordermann setzt sich spielerisch von mir ab und hinter mir höre ich schnelle Schritte näher kommen. Ich will einen Gang hinauf schalten, es geht nicht. Als Laufzweiter rette ich mich ins Ziel. Wären es nur zehn Meter mehr gewesen, ich glaube ich wäre auf der Strecke liegen geblieben. Ich bin fix und fertig und brauche dringend eine Pause.

Davon wollen die Organisatoren nichts hören. Weitsprung steht als nächstes auf dem Programm. Also nehme ich Anlauf, setze an und springe ab. Der war weit. „Versuch ungültig“, ruft ein Kampfrichter hinter mir. Verdammt, übertreten! Auf ein Neues gehe ich an meinen Ausgangspunkt. Diesmal klappt es besser. Zwar nicht ganz so weit wie vorher, aber immerhin gültig.

Noch zwei Disziplinen, ich habe keine Lust mehr. Meine Muskeln tun weh, meine Lungenflügel brennen und jede Bewegung ist eine Qual. Hoffentlich kommt jetzt keine Ausdauerdisziplin.

Entspannter Speerwurf

Speerwurf, Gott sei Dank! Was ich nicht wusste, Speerwerfen kann unglaublich frustrierend sein. Denn ohne die richtige Technik, bringt man das Wurfgerät keine 25 Meter weit. Zum Glück gibt mir ein erfahrener Sportler ein paar Tipps. Trotzdem bin ich weit entfernt von den Spitzenleistungen von rund 50 Metern.

Der Hammer am Ende

Ein bisschen erholt und durchaus motiviert geht es nun an die letzte Herausforderung. Als ich erfahre was diese ist, kehrt sich meine Vorfreude schlagartig in einen panikartigen Fluchtreflex um, den ich nur schwer unterdrücken kann. 800-Meter-Lauf, die meistgefürchtete aller Leichtathletik-Disziplinen. Also stelle ich mich mit weichen Knien an den Start, warte auf den Knall und jogge los. Ein paar kleine, sehnige Läufer ziehen davon. Ich klemme mich dahinter. Die längste Zeit halte ich das Tempo. Dann biegen wir auf die Zielgerade ein. Meine Vordermänner verlängern ihre Schritte. „Ja gibt’s denn dass“, denke ich mir. „Noch ein paar Meter, dann bist du im Ziel, bleib dran.“ Falsch gedacht! Das war erst die erste Runde. Ich bin den Lauf zu schnell angegangen. Das Brennen in meinen Oberschenkeln wird unerträglich, vor meinen Augen sehe ich nur noch Sternchen. Ich kann mich nicht erinnern, wie ich es ins Ziel schaffe. Das waren die längsten zweieinhalb Minuten meines Lebens.

Erst nach ein paar Minuten bin ich wieder unter den Lebenden. Langsam realisierte ich, dass es vorbei war. Das Glücksgefühl ist kaum zu beschreiben. Götzis, ich komme wieder!

Erlebnismehrkampf

Leistungen Thomas Walser

100 Meter Hürden: 16,14 sek

Hochsprung: 165 cm

Kugelstoßen: 11,28 m

200 Meter: 24,97 sek

Weitsprung: 5,72 m

Speerwurf: 34,22 m

800 Meter: 2:31,03 min

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