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Dem Druck gewachsen

Der spektakuläre 4:2-Sieg der Rheindörfler über Liefering zeigte vor allem eines: Die Altacher können dem Druck standhalten.

emanuel walser

Altach, Freitag, 21.47 Uhr: Soeben hat Daniel Luxbacher die Altacher mit 3:2 in Führung geschossen, ein kollektiver Schrei der Erlösung geht durchs Schnabelholz. Trainer Damir Canadi ist erst recht außer Rand und Band, er weiß gar nicht wohin mit seinen Emotionen. Da kommt ihm der Linienrichter gerade recht. Spontan wird dieser geherzt, Schlimmeres vermag der Mann mit der Fahne gerade noch zu verhindern: „Ich wollte ihn sogar abbusseln“, gesteht Canadi nach Spielende mit breiten Grinsen.

Weniger Glück hatte eine halbe Stunde zuvor ein Ordner. Für ihn gab’s kein Entkommen, Canadi drückte ihm nach Hannes Aigners zweitem Treffer im Überschwang der Gefühle einen fetten Schmatzer auf die Backe. Der gute Mann ließ die unverhoffte Liebkosung willfährig über sich ergehen. Zwei Szenen, die nicht nur zeigen, dass auch auf Fußballplätzen dann und wann Zeit für Zärtlichkeiten ist, sondern vor allem welch große Last von Canadi in diesen Momenten abfiel. Am Ende des Tages ist natürlich auch ein 4:2 gegen starke Lieferinger nicht mehr als drei Punkte wert, und selbstverständlich hat sich durch die Siege von Austria Lustenau und Kapfenberg am Status quo nichts geändert. Mögen Raum und Zeit auch variable Größen sein, für den Tabellenstand gibt’s schließlich keine Relativitätstheorie. Fakt ist aber auch, dass die Rheindörfler am Freitagabend nicht nur den Tabellenzweiten bezwungen haben, sondern darüber hinaus auch einem immensen Druck standhielten. Dieser war erstmals in dieser Saison nicht zu leugnen, zumal es die Ausgangslage wahrlich in sich hatte.

Viel Zeit zum Grübeln

Rückblende: Mit einer 0:3-Schlappe gegen Kapfenberg ging’s in die Länderspielpause. Zwei Wochen Zeit also, diese zu verarbeiten, die Wehwehchen zu kurieren und die Fehler zu analysieren. Aber auch zwei Wochen um sich mit der Pleite intensiv zu beschäftigen und ihr somit mehr Raum als nötig zu geben – Möglichkeit zur schnellen Wiedergutmachung bot sich ja keine. Dem nicht genug, wartete als nächster Gegner ausgerechnet Liefering. Gegen die Salzburger ging man am 4. Spieltag bekanntlich mit 1:5 baden, da heilt auch die Zeit nicht alle Wunden. Damit seine Spieler nicht allzu sehr der Grübelei anheim fallen, bemühte sich Canadi um die richtige Akzente im Training. Nicht ohne Hintersinn wurde etwa im Abschlusstraining der Spaßfaktor großgeschrieben: „Die Jungs sollen lachen, locker werden, bloß nicht zu viel nachdenken.“ Als am nächsten Tag das Spiel um 20.30 Uhr angepfiffen wurde, wussten die Spieler, dass es um viel geht. Lustenau und Kapfenberg hatten soeben ihre Auswärtsaufgaben souverän gelöst und rückten somit in Schlagdistanz zu den Altachern. Spätestens jetzt wurde der Sieg zum Muss.

Schnell ging man dank Aigner in Führung, fast ebenso rasch kassierte man den Ausgleich. Beim Stand von 1:1 drohte die Partie zu kippen. Liefering gewann immer mehr die Oberhand, die knapp 3500 Zuschauer verfolgten das Geschehen mit fast schon andächtigem Schweigen. In solchen Momenten kann eine Mannschaft schon mal unter der Last zusammenbrechen, nicht so die Altacher. Im Endeffekt auch eine Sache des Selbstvertrauens. Druck bedeutet letzten Endes ja immer auch Stress. Diesem wird je nach Situation nicht zu unrecht das Adjektiv „positiv“ oder „negativ“ beigefügt. Steht der Mensch vor einer harten Probe, stellt er sich – bewusst oder nicht – zwangsläufig eine Frage: Sehe ich mich der Aufgabe gewachsen? Hat er das Gefühl, überfordert zu sein, reagiert er je nach Persönlichkeitsprofil mit Rückzug oder neigt zu Überschlagshandlungen.

Ganz anders die Altacher am Freitag: Sie hielten dem Druck nicht nur stand, sondern ließen sich von diesem antreiben. Der Glaube an die eigene Stärke war immer präsent, just in den schwierigsten Phasen zeigte die Canadi-Elf Fußball vom Feinsten: Die Pässe kamen wie an der Schnur gezogen, die Flanken waren ebenso präzise wie der Tor­abschluss. Dann die Topleistung abzurufen, wenn’s um die Wurst geht – das nennt sich im Sport Siegermentalität.

Am Freitag haben die Altacher diese eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Lustenauer wie Kapfenberger werden’s registriert haben, nun ist es wieder an ihnen, Druck aufzubauen. Auch daran sind schon viele zerbrochen.

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