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In der Höhle des Löwen

In Götzis hat Ringsport Tradition. Seit Jahren ist der KSV Vorarlbergs erfolgreichster Verein. In der Halle herrscht eine einzigartige Stimmung, was ein Besuch des Bundesliga-Kampfes gegen den Erzrivalen AC Wals zeigte.

LUKAS FLEISCH

Wo findet man hier bitte einen Parkplatz? Es ist ein scheinbar ganz normaler Samstag-Abend in Götzis, doch die Straßen im Umfeld der Mittelschule sind bis zur letzten Lücke zugeparkt. Aus allen Richtungen steuern Menschen hinein in die unscheinbare Sporthalle. Kann das wirklich sein?

Es kann! Denn es ist Heimkampf in der Ringer-Bundesliga für den KSV Götzis. Und wenn ihr KSV lädt, kommen die Götzner in Scharen! Ganz besonders wenn es um das Prestige-Duell gegen den Rekordmeister des AC Wals geht.

Elektrisierend

Schreitet man durch das Nadelöhr, welches den Halleneingang darstellt, merkt man schnell, man betritt gerade einen Hexenkessel. Schon im Foyer springt der Funken der Ringsport-Euphorie auf einen über. Erwartungsvolle Minen und emotionale Fachsimpeleien in jeder Ecke. Zu Dutzenden warten die kundigen Fans darauf, dass das Spektakel beginnt.

Geht man tiefer in den Rachen des Löwen, an den eigentlichen Ort des Geschehens, nimmt die elektrisierende Atmosphäre noch zu. Hautnah ist man den Athleten auf der zum Bersten gefüllten Tribüne. Angriffslustig tigern diese, eingesperrten Tieren gleich, über die gelb-rot-blaue Kampffläche. Die beiden Teams wärmen gemeinsam auf. Manch böser Blick wird ausgetauscht. Die Anspannung ist fast unerträglich.

Ansteckender Jubel

Und dann verschwinden sie in den Katakomben. Das Licht geht aus, die Ganze Halle versinkt in Dunkelheit. Nur die von Banden umringte Mattenfläche, durch einen Spot beleuchtet, tritt mystisch aus der Finsternis hervor und zieht alle Blicke magnetisch auf sich. Es beginnt! Die Gladiatoren betreten ihre Arena. Es herrscht Totenstille.

Ab dem ersten Kampf gibt es kein Halten mehr. Die Spannung entlädt sich in lauthalsem Jubel. Die Fans feuern ihr Team an. Rufen den Kämpfern zu. Von allen Seiten hagelt es taktische und technische Tipps. Auch bei den Sportlern kocht die Stimmung über. Nichts hält sie mehr auf ihren Plätzen.

Wenn sich die Ringer gegenseitig durch die Luft schleudern, kann man jede Erschütterung bis in den hintersten Winkel der Halle spüren. Die umherfliegenden Schweißperlen glitzern im Scheinwerferlicht wie kleine Kristalle. Man kann nur mitfiebern! Das taktische Geplänkel um den richtigen Griff, die blitzschnellen Abtaucher und die kraftvollen Ausheber ziehen einen in den Bann. Mit jedem Kampf wird man mehr zum Ringsport-Fan.

Nostalgische Fans

Der typische gummiartige Geruch der Matten scheint in einigen Ringern vergangener Generationen, die zuhauf in der Götzner Halle anzutreffen sind, einen nostalgischen Gemütszustand zu erwecken. „Wenn es meine Gesundheit zulassen würde, ich würde noch heute da unten auf der Matte stehen“, gesteht der 64-Jährige Alois Hartmann aus Klaus. „Da würde sich noch mancher dieser jungen Burschen anschauen“, sagt der eingefleischte Ringer-Fan selbstbewusst und lacht. Die 14 Kämpfe vergehen wie im Flug. Alle Konkurrenz scheint jetzt verflogen. Die Sportler umarmen sich, machen Witze, sind wieder Freunde. Es sind echte Sportsmänner. Wieder einmal hat es nicht gereicht gegen die bärenstarken Walser. Doch schon bald werden es die Götzner wieder versuchen. Vielleicht schon im Bundesliga-Finale am 16. November. Doch da hat auch noch eine weitere ringsportverrückte Gemeinde ein Wörtchen mitzureden. Denn ins Finale möchte auch der starke KSK Klaus. Diesen Samstag geht es im Derby um die Vorentscheidung. Die Parkplatzsuche ist garantiert und wird wohl noch schwieriger!

KSV Götzis – AC Wals 15:44

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