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schnorrawackler

(K)ein Grund zur Scheidung

Das Letzte, was Frau Anni H. von ihrem Mann zu hören bekam, waren ein paar knappe Worte des Abschieds: „Mutti, ich geh’ mal kurz aufs Hallenmasters.“ Drei Tage ist das schon her und in Frau H. brodelte es mittlerweile bedenklich. Freilich: Die Ehe hätte nicht 20 Jahre gehalten, würde sie nach jedem „ich bin mal kurz“ die Stoppuhr auspacken. Doch irgendwann findet auch die Geduld der gutmütigsten Ehefrau ihr Ende. Nachdem schon der geplante Wellnessurlaub aus fadenscheinigen Gründen („Nach der ganzen Völlerei über die Feiertage fühle ich mich zu dick für die Badehose“) ins Wasser fiel, soll’s wenigsten mit der versprochenen Schneeschuhwanderung („Ich will im neuen Jahr sowieso mehr Sport machen“) an Dreikönig klappen. Große Sorgen machte sich Frau H. ohnehin nicht, in gut 20 Jahren Ehe lernt man schließlich auch, die Zeichen richtig zu deuten: Das verdächtige Gepoltere in der Nacht („Er ist da!“), die zerknitterte Couch („Er hat ein schlechtes Gewissen!“), die angebrochene Aspirinschachtel neben der Abwasch („Er ist verkatert!“) machten Frau H. sicher: Der werte Gatte lebt noch. Zu später Stunde heimgekehrt und am frühen Morgen wieder von dannen geschlichen. „Na warte Bürschchen“, dachte Frau H. bei sich, „dich schnapp’ ich mir! Also auf zu diesem ominösen Masters.“ Als sie nach einigem Nachfragen endlich die Eingangstür zur Hofsteighalle aufstieß, traf sie gleich doppelt der Schlag. Zum Einen war sie auf dieses Binnenklima nicht vorbereitet („Da sollte man dringend mal lüften.“), zum Anderen lief sie ihrer besten Freundin, der Irmi, gleichsam direkt in die Arme: „Ja, Anni, glaub ich’s denn, du auch hier? Komm, setz dich zu uns!“ Anni traute ihren Augen nicht, da saßen sie wie an der Perlenschnur gezogen: die Irmi, die Uschi, die Marie und die Heidi. Nach dem ersten „Weißt du schon das Neueste“ war’s um Frau H. geschehen – Widerstand zwecklos, die Mission („Ehemann an den Ohrwascheln heimzerren“) kann warten. Schnell wich der Kaffee einem Gläschen Sekt und unaufhaltsam zerrannen beim munteren Wetttratschen die Stunden. Irgendwann streifte Frau H’s. Blick einen, den sie schon fast vergessen hätte – ihren Mann. Mit bestimmter Geste zitierte sie ihn zu sich. Nach kurzer Schockstarre kam dieser wie ein reuiger Sünder herbeigetröppelt, sichtlich um das bemüht, was er für einen unwiderstehlichen Hundeblick hielt. Doch Frau H. kannte kein Erbarmen: „Jetzt hör’ mal zu, Freundchen. Nächstes Mal nimmst du mich mit oder ich lass’ mich scheiden!“

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