Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Grau und wie ein Bikini

Nach seinem Anzug-Malheur 2012 auf dem Kulm erklärt Gregor Schlierenzauer die „zweite Haut“.

ALEXANDER TAGGER

Die Erinnerung von Gregor Schlierenzauer ist noch so frisch, als wäre es erst gestern passiert. Bei seinem bislang letzten Sprung auf dem Kulm 2012 hatte der Tiroler als Zweiter noch die Chance auf den Tagessieg. Doch dann passierte das Malheur: „Mir war beim Anzug der Reißverschluss gerissen. Ich habe dann versucht, ihn provisorisch zusammenzupicken, aber mir war klar, dass ich damit nicht durchkommen werde“, blickt der Stubaier zurück. Und so war es dann auch. FIS-Kontrolleur Sepp Gratzer bat Schlierenzauer nach dessen Sprung zum Anzugs-TÜV und wurde disqualifiziert.

Engere Anzüge

Am 10. Jänner hebt der Überflieger erstmals seit dieser Panne wieder auf der größten Naturflugschanze der Welt ab. Was sich seit damals bei den Anzügen geändert hat? „Die Weite wurde von plus sechs auf plus zwei Zentimeter reduziert. Die Reißverschlüsse dürfen jetzt drei Zentimeter hinausschauen – damit ist die Spannung geringer“, klärt Schlierenzauer auf.

Pro Saison benötigt der 52-fache Weltcupsieger bis zu 20 Anzüge. Die maßgeschneiderte, aus Schaumstoff bestehende „zweite Haut“ beläuft sich auf 350 Euro pro Stück. „Doch die Kosten übernimmt der Verband“, sagt der seit gestern 24-Jährige, der in seiner Freizeit lieber auf Jeans als auf Anzüge setzt. Die von der FIS streng reglementierten Anzüge bestehen aus sechs Lagen, „wobei sich die oberste am ehesten mit einem Bikinistoff vergleichen lässt“. Maximale Luftdurchlässigkeit: 40 Liter.

Schlierenzauer hat sich übrigens selbst schon als fleißiges Schneiderlein erwiesen und Anzüge genäht. „Es ist definitiv ein Vorteil, wenn man sich dabei auskennt“, sagt der dreifache Kulm-Sieger, der mit 215,5 m aus dem Jahr 2009 auch den Schanzenrekord hält.

Bemerkenswert: Auch die Farbe des Anzugs spielt eine Rolle. In mentaler Hinsicht („Ich springe meistens mit einem grauen, weil ich damit sehr erfolgreich war“) und auch, weil – man möchte es gar nicht glauben – sich jede Farbe mit ihrer Pigmentierung auf die Stoffeigenschaften auswirkt. „Das kann auch einen minimalen Einfluss auf die Schnelligkeit haben“, sagt Helga Starl, langjährige Schneiderin der Springer und Kombinierer.

Die Stoffe erhält die Oberösterreicherin aus Redlham von Schöller zugeliefert – im Jahr näht die Firma „Starl“ 600 Skisprung-Anzüge mit über 400 verschiedenen Schnitten aus insgesamt 16 Farben. Wie viel Zeit das Nähen eines „Federkleides“ in Anspruch nimmt? „Rund vier Stunden.“

Aber nochmals zurück zu Schlierenzauer. Seine Prognose für den Heimweltcup? „Es ist das erste Skifliegen der Saison – da muss man schauen, wo man steht. Die Dichte ist sehr groß, der kleinste Fehler wird bestraft.“ Und die Chancen auf einen neuen Schanzenrekord? „Sehr schwierig, weil schon der damalige Rekord nur sehr, sehr schwer zu stehen war.“

Artikel 2 von 11
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.