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Der EM-Zug ist für Lucas Mayer noch nicht abgefahren

Bregenz-Ass Lucas Mayer (30) hofft nach Sehnenplatteneinriss auf einen Einstieg in die EM-Hauptrunde am 18. Jänner.

Österreich startet heute Abend gegen Tschechien in die Handball-EM in Dänemark. Wenn kurz vor 18 Uhr die Bundeshymne erklingt, wird ein Akteur besonders feuchte Augen bekommen: Bregenz-Rückraum-Ass Lucas Mayer. Denn der 30-jährige Lustenauer kann das Großereignis nur vor dem Fernsehgerät mitverfolgen – zumindest vorerst. Ein Anfang Dezember gegen Margareten zugezogener Sehnenplatteneinriss im rechten Fuß zwingt den wurfgewaltigen Linkshänder zum Warten. Auch intensive medizinische Bemühungen reichten nicht aus, um die Verletzung zeitgerecht zu heilen. Mayers Ziel und Hoffnung: bis zum 18. Jänner, dem Beginn der Haupt­runde, fit werden und aktiv ins EM-Geschehen eingreifen.

Was waren Ihre ersten Gedanken, als es fünf Minuten vor Spielende gegen Margareten zur schmerzhaften Verletzung kam?

lucas mayer: Ich habe sofort an die EM gedacht und gewusst, dass es etwas Schlimmes ist und das Turnier wohl gelaufen ist. Ich habe einen Knall gehört und gespürt, dass da mehr kaputt ist als nur ein Band.

Wie ist Ihr aktuelles Befinden? Können Sie den Fuß wieder belasten?

mayer: Ich kann schon wieder Joggen und Krafttraining machen. Aber eine volle Belas­tung im Spiel wäre noch zu früh. Man sagt bei so einer Verletzung, dass es acht Wochen dauert, jetzt sind wir bei fünf angelangt. Es wird also knapp.

Wie bitter wäre für Sie eine Nichtteilnahme an der EM? Welche Vereinbarung haben Sie mit dem Teamtrainer?

mayer: Bitter ist das falsche Wort. Es ist der Traum jedes Sportlers. Ich war zwar schon einmal bei der EM und WM dabei, aber natürlich würde es sehr wehtun, sie jetzt zu verpassen. Mit der Vorrunde habe ich mich abgefunden, mein Ziel ist aber die Hauptrunde und damit der 18. Jänner. Mit dem Trainer ist vereinbart, dass ich mich alle zwei Tage melde und über den Verlauf berichte.

Auch wenn von den Ärzten grünes Licht kommt – ist es nicht in jedem Fall eine gesundheitliche Gratwanderung?

mayer: Sicher, wenn es kein Großereignis gäbe, würde ich mir länger Zeit lassen. Aber ich probiere alles, um die Zeit für die Genesung zu verkürzen.

Was können Sie abgesehen von Therapien zur Beschleunigung des Heilprozesses tun?

mayer: Ich habe gleich die Ernährung umgestellt, viel Nüsse und Fisch gegessen, keinen Alkohol getrunken. Eben auch von dieser Seite alles getan, was gut für die Sehnen ist.

Das Nationalteam wurde in den letzten Jahren durch die EM, WM zur verschworenen Truppe – wie haben die Teamkollegen auf Ihre Verletzung reagiert?

mayer: Kapitän Szilagyi hat mich gleich angerufen, auch andere Spieler und die Physios. Alle haben mir Mut gemacht – das baut natürlich auf. Ich war Ende Dezember beim Teamlehrgang in der Südstadt dabei, habe dort perfekte Physiotherapie bekommen und den Kontakt zum Team genossen.

Beim Vorbereitungsturnier letzte Woche gab es Siege gegen Russland und auch Deutschland – wie sehen Ihre Erinnerungen an den „Lieblingsnachbarn“ aus?

mayer: (lacht) Komisch, aber gegen Deutschland war ich bisher immer verletzt. Vielleicht klappt’s ja bei der WM in Katar 2015 mit einem Spiel gegen Deutschland – das wäre ein schöner Abschluss.

Wie schätzen Sie die Spielstärke Österreichs und die Chancen bei der EM ein?

mayer: Ich denke, die Jungs sind super drauf. Natürlich ist Vorbereitung das eine und die EM das andere. Alle Teams haben viel probiert. Sicher ist, dass uns die anderen Nationen nicht mehr unterschätzen.

Sollte es trotz aller Bemühungen nicht für eine Teilnahme reichen – werden Sie die Spiele dennoch vor Ort erleben?

mayer: Ich hätte die Möglichkeit, weiß aber nicht, ob ich das dann mache oder besser in Bregenz trainiere. Aber mein Ziel ist sowieso ein anderes, ich will als Spieler dabei sein.

Ein Blick zu Ihrem Verein Bregenz und Ihrer Einschätzung für den weiteren Verlauf der Meis­terschaft: Wie beurteilen Sie die Chancen in diesem Jahr?

mayer: Durch die Punkteteilung im Play-off sind wir nur zwei Punkte hinter Hard. Wenn alle fit bleiben, ist alles möglich.

Sie werden im Februar 31 Jahre alt – wie sehen Ihre sportlichen Ambitionen aus? Zieht es Sie noch ins Ausland?

mayer: Nein, dieses Thema ist erledigt. Meine Frau Angela und ich wollen eine Familie gründen, ein Haus bauen – mich zieht nichts mehr weg.

Abschlussfrage: Wie schätzen Sie die anderen Vorarl­berger Dominik Schmid (Hard) und Robert Weber (Magdeburg) ein?

mayer: Ich denke, dass Dominik gute Chancen hat, es in den 16er-Kader zu schaffen. Und Robert ist sowieso gesetzt. Schade für Marian Klopcic, dass er vorerst nicht dabei ist, ich hätte es ihm sehr gegönnt. Aber da setzt der Trainer auf die größere Erfahrung von Richard Wöss, der in der Bundesliga spielt.

Interview:
christian höpperger

ZUR PERSON

Lucas Mayer,

geboren am 16.02.1983

Größe: 185 cm

Gewicht: 87 kg

Familienstand: verheiratet mit Angela (29.6.2013)Wohnort: Fußach (Haus in Planung)

Vereine: 1993–2006 HC Lustenau, seither Bregenz HB (fünfmal HLA-Meister)

Nationalteam: 63 Einsätze/132 Tore

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