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schnorrawackler

Sieger der Münchner Herzen

Das war ein beschissenes Wochenende“, denkt er und zieht sich seine rote Decke mit dem Champions-League-Pokal über den Kopf. Er hat sich in den kleinsten Raum seiner großen Villa in Straßlach zurückgezogen. Die Läden sind unten. Er will mit der Welt nichts zu tun haben. „Diese blöde Welt, die nicht weiß, was ich kann“, ärgert er sich. Eine Träne kullert über die Wange, bleibt kurz an der Narbe hängen und tropft auf das rote Leintuch, das mit der Meis­terschale bedruckt wurde. Er beginnt wieder zu weinen. „Warum nur? Mia san doch mia?“, entweicht es dem kleinen Mittelfeldspieler in einer Mischung aus bayrisch und französisch.

Franck Ribéry hatte sich wirklich Chancen ausgerechnet. Doch nicht nur er. Ganz München war überzeugt, dass der Franzose die Auszeichnung zum Weltfußballer verdient hätte. Sogar in ganz Deutschland stand man mit dieser Meinung nicht alleine da. Wie auch in der benachbarten Alpenrepublik, von der er dachte, die haben keine Ahnung von Fußball. Das muss Kumpel David eingefädelt haben. Kurz um: Ribérys gesamtes Umfeld war davon überzeugt, dass er den Titel bekommt. Und irgendwann sogar der Franzose selbst. „Franz, Uli, Kalle, alle haben mir versichert, dass der Weg nur über mich führen kann“, schießt es dem heulenden Franzosen durch den Kopf. Er vergräbt sein Gesicht in das mit der DFB-Cup-Trophäe bedruckte Kissen. Sogar Landsmann Platini hat für Ribéry lobbyiert. Und das, obwohl Ribérys sexuelle Vorlieben in der Heimat nicht nur auf Zustimmung stoßen. Anders als hier in München. Hier darf man alles, ob Steuern hinterziehen oder Minderjährige lieben.

Freilich, Zweifel waren immer da. Ronaldo spielt seit Jahren in einer Überform, beim wahrscheinlich größten und traditionsreichsten Klub der Welt. In der Liga des amtierenden Welt- und Europameisters. Im Nationalteam ruft er ebenfalls seine Leistungen ab und ist technisch kaum zu toppen. Wenn überhaupt, dann nur von einem gewissen Lionel Messi. Aber der gewinnt diese Auszeichnung eh andauernd. Und was ein Zlatan Ibrahimovic leistet, sollte auch einmal honoriert werden. Dass Titel alleine nicht reichen, war Ribéry auch klar. Dann hätte das komplette Team die Auszeichnung verdient.

Der Frust verdrängt nun jegliche rationale Argumentation. Ribéry knipst das Licht an und blickt auf den leeren Fleck an der Wand, der für das Bild der Weltfußballer-Trophäe reserviert ist. Er brüllt: „Fifa, Mafia!“ Dann rafft er sich auf, greift zum Telefonhörer, wählt und spricht: „Hallo Jupp. Ich wollte dir noch zum Titel bester Trainer des Jahres gratulieren.“

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