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emanuel walser

Timur Bas ist das, was man einen Hünen nennt. „Ich bin 1,99 Meter groß“, sagt er und wirkt dabei alles andere als glücklich. Liegt’s daran, dass er sich dauernd den Kopf anstösst und nur selten Kleidung in passender Größe findet? Weit gefehlt, vielmehr ist Gegenteiliges der Fall: „Von mir aus könnten’s gerne noch ein paar Zentimeter mehr sein.“ Denn Timur Bas ist Basketballer und als solcher kann man gar nicht groß genug sein. Besonders dann, wenn man so hoch hinaus will, wie der junge Dornbirner. Vorarlbergs Top-Talent unter den Korbjägern hält mit seinen Ambitionen nicht hinterm Berg: „Ich möchte einmal professionell Basketball spielen.“

Derzeit leistet er in der HTL Dornbirn als Kantinenhelfer den Zivildienst ab. Seine Berufung hat er darin zwar nicht gefunden, dankbar ist er für die Stelle aber dennoch: „Ich fange um sechs Uhr in der Früh an und bin um drei Uhr nachmittags mit der Arbeit fertig. So bleibt mir genug Zeit fürs Training.“ Kaum ist die Schürze abgelegt, geht’s auch schon in die Kraftkammer. Vier Tage die Woche à 2 Stunden verbringt er dort im Schweiße seines Angesichts, danach folgt meist das Mannschaftstraining der Dornbirn Lions.

Einen unerwarteten Nutzen hat die ganze Schinderei immerhin schon abgeworfen. Nicht zuletzt seines gestählten Körpers wegen wurde Bas im vergangenen Jahr zum Mister Vorarlberg gekürt. Es war väterliche Autorität und nicht die Eitelkeit, die ihn zur Teilnahme an der Fleischbeschau bewogen hat: „Mein Dad hat zu mir gesagt: ,Hol dir das Auto‘.“ Gesagt, getan. Eine gewisse Attraktivität scheint den Männern der Familie Bas in die Wiege gelegt, Timurs Onkel wurde anno 1992 immerhin zum zweitschönsten Mannsbild im Ländle gewählt. Geblieben sind dem 19-Jährigen nicht nur das Auto, sondern auch die Witzeleien seiner Teamkollegen: „Immer heißt’s ,Mister da‘ und ,Mister hier‘. Aber damit habe ich ohnehin gerechnet.“

Ziel Amerika

Der kurzzeitige Wirbel um seine Person, respektive sein Äußeres, ließ ihn allerdings ziemlich unbeeindruckt. Man nimmt es dem sympathischen Riesen ab, wenn er sagt: „Ich bin ja eigentlich überhaupt nicht der Typ für so etwas. Aber lustig war’s irgendwie schon.“ Priorität hatte immer der Sport und das soll auch weiterhin so bleiben. Bas weiß schon ganz genau, wo’s nach dem Zivildienst hingehen soll: „Ich möchte unbedingt an ein amerikanisches College.“

Dort will er einerseits studieren – noch heißt das Hauptfach „Irgendwas“ – vor allem aber möchte er in Übersee als Basketballer reifen. Der Traum von Amerika reifte in ihm schon in ganz jungen Jahren. Mit dreizehn wurde er erstmals in eine Nachwuchsnationalmannschaft eingeladen, der Moment der Nominierung blieb ihm bis heute unvergessen: „Als Kind spielst du ja nur der reinen Freude wegen Basketball. Als ich dann von der Nominierung erfuhr, hab’ ich’s erst gar nicht glauben können. Das war ein unglaublich emotionaler Augenblick.“ Damals deutete sich an, was mit 15 schließlich Gewissheit wurde: „Als wir mit Dornbirn Meister geworden sind, habe ich für mich selbst erkannt: Da geht was!“

Leistungsträger der Lions

Trotz seiner Jugend ist er bei den Lions neben den Legionären einer jener Spieler, für welche die Amerikaner die Bezeichnung „Go to Guys“ kennen. Ein Führungsspieler also, der in kritischen Situationen Verantwortung übernimmt. Mag die 2. Bundesliga auch nicht zur ganz großen Bühne taugen, verborgen blieb das Talent des Dornbirners keineswegs. Angebote von anderen Vereinen gab’s in den vergangenen Jahren genug, sogar die Nachwuchsabteilung des deutschen Bundesligisten Ulm hat einmal heftig angeklopft. Letztlich war es die Vernunft, die Bas zum Bleiben bewegte: „Ich wollte unbedingt vorher die Matura abschließen. Mir war das Risiko einfach zu groß.“

Viele Förderer

Freilich, den Konjunktiv hat er seit damals einige Male strapaziert: „Ich denke öfters darüber nach, wo ich jetzt stehen würde, wenn ich damals nach Ulm gewechselt wäre.“

Doch auch in Dornbirn fühlt er sich gut aufgehoben. Er weiß zu schätzen, was er an den Lions hat: „Der mannschaftliche Zusammenhalt ist top. Und ich habe vielen im Verein sehr viel zu verdanken. Angefangen von Markus Mittelberger, der mich schon im Sportgymnasium trainiert hat, über meinen alten Coach Cüneyt Tuerk bis hin zu unserem Mentalbetreuer. Ohne sie wäre ich nicht da, wo ich jetzt stehe.“ Und so hat er mit den Lions in dieser Saison auch noch einiges vor. Ziel ist ohne Wenn und Aber die Finalteilnahme. Selbstläufer wird das selbstverständlich keiner, Bas weiß um das Erfolgsrezept: „Das aktuelle Spiel ist immer das wichtigste. Wenn du im Sport zu weit nach vorne schaust, hast du schon verloren.“ Mit dieser Einstellung könnte er es noch weit bringen.

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