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Get on Top: Ein Kletterer will hoch hinaus

Lukas Köb (21) startet dieses Jahr in seine dritte Weltcupsaison. Der Musikfan konnte 2013 schon ein kräftiges Ausrufezeichen setzen, genug hat er noch lange nicht.

MICHAEL PROCK

Bunt wie in einem Kinderzimmer, kühl wie in einer Lagerhalle und staubig wie in einer Ziegelei. Klingt nicht nach dem Fleckchen Erde, das zum Verweilen einlädt. Doch das täuscht. Eine Kletterhalle ist durchaus ein beliebter Versammlungsort allerlei sportbegeisterter Menschen. Einer, der davon ein Lied singen kann, ist Lukas Köb. Er besucht Kletterhallen nicht nur ab und zu, er tourt von einer zur Nächsten. Denn der Dornbirner ist Vorarlbergs bester Profi-Kletterer und auf dem besten Weg, sich in der Weltspitze zu etablieren.

Lukas Köb ist 21 Jahre alt und wohnt derzeit in Innsbruck – dem Klettermekka Österreichs. Wer an die Weltspitze will, landet zwangsweise in der Alpenstadt. Größen wie Anna Stöhr und Jakob Schubert haben dort ihre Zelte aufgeschlagen. Köb wusste früh, was zu tun war: „Schon lange vor der Matura war mir klar, dass ich nach Innsbruck muss, wenn ich was erreichen will.“ Maturiert hat Köb in der HAK Bregenz, aufgewachsen ist er im Dornbirner Oberdorf. Einmal pro Monat besucht er seine Heimat. Dort ist er ein gern gesehener Gast: „Man freut sich immer, wenn ich nach Hause komme.“

Das Wort Heimat kommt dem Dornbirner schwer über die Lippen. Köb ist Cosmopolit, seine Heimat ist die Welt. Oder wie es seine Lieblingsband, die Red Hot Chili Peppers, ausdrückt: „I know, I know for sure. That life is beautiful around the World.“ Eine Weltcupsaison dauert in der Regel von Juni bis September und besteht aus acht Wettkämpfen. Geklettert wird in Tirol, in China, in den Vereinigten Staaten, in Slowenien, eben auf dem ganzen Globus. In der kletterfreien Zeit ruht sich der Weltenbummler nicht etwa aus. Nein, vergangenen Dezember reiste er drei Wochen durch Thailand. The life is beautiful around the World.

Königsdisziplin

Lukas Köb schlüpft in seine Gummischuhe. Er schnallt sich den Beutel mit dem Magnesiumkarbonat um und stellt sich vor die Wand: „Wie soll ich raufklettern?“, fragt der 21-Jährige. Es ist Fototermin, kein Wettkampf. Der Fotograf überlegt: „So wie immer.“ Nichts leichter als das. Wieselflink kraxelt der Profi die Kletterwand empor. Scheinbar mühelos angelt er sich von Griff zu Griff, lächelt und redet dabei: „Soll ich mal so hängen bleiben, fürs Foto?“ Anstrengung? Fehlanzeige. „Das ist wie, wenn ein Marathonläufer mal gemütlich eine Stunde joggen geht“, erklärt Köb und grinst. Dann lässt er los und seilt sich wieder nach unten ab.

Köbs Disziplin ist der Vorstieg, auch Lead oder Schwierigkeitsweltcup genannt. „Es ist die Königsdisziplin“, erzählt er. Daneben gibt es Bouldern und Speedklettern, die jüngste der drei Disziplinen. Der Vorstieg ist die älteste Disziplin, beim ersten Weltcupbewerb 1991 flog Köb noch mit den Mücken. Das Ziel beim Vorstiegklettern: So schnell wie möglich eine bestimmte Route zu absolvieren. Wichtig dabei ist die Zwischensicherung – das Seil wird an Karabinern in der Wand befestigt.

Verzicht nicht schlimm

Ohne Fleiß kein Preis. Seit sein Bruder ihn im Alter von sechs Jahren mit dem Klettervirus infizierte, legt der Dornbirner einen unbändigen Trainingswillen an den Tag, Kompromisse waren nie Thema: „Das Klettern war mir immer wichtig. Es ist meine Leidenschaft, da fällt es nicht schwer, auf etwas anderes zu verzichten. Ich habe nie das Gefühl, einen Kompromiss einzugehen.“ Ein konkretes Beispiel hat er auch: „Ich kann noch oft genug Silvester feiern, ich werde ja nicht ewig klettern.“

Ans Karriereende denkt der 21-Jährige allerdings noch nicht. Er hat erst gerade seine zweite Weltcup-Saison hinter sich und steht am Anfang seiner Karriere. Zwar ist sein Trophäenschrank schon gut gefüllt – Juniorenstaatsmeister, Sechster bei der Juniorenweltmeisterschaft, Alpencupsieger, nur um ein paar Beispiele zu nennen – an die Weltspitze tas­tet er sich aber erst langsam heran. Sein Ziel für vergangenes Jahr war ein Top-15-Platz, was ihm im russischen Perm auch gelang. Nun will er an seiner Konstanz arbeiten, denn Rang 15 folgte eine Platzierung fernab der Top 30. „Beim Vorstieg können zwei Sekunden schon 20 Plätze bedeuten. Ich muss konstanter werden.“

Ein weiteres Ziel: Die Trainingsleistungen im Wettkampf umzusetzen. „Das ist vielleicht eine Kopfsache, aber im Training klappt es oft besser“, erzählt er. Mit einem Mentalcoach hat er bereits daran gearbeitet. Doch nach einem Jahr beendete Köb die Zusammenarbeit: „Ich bin nicht der Typ für so etwas. Das war nichts für mich.“

Großer Musikfan

Setzt er seine Trainingsleis­tung um und stellt sich die Konstanz ein, kann er sich an der Spitze festsetzen. Der logische nächste Schritt wäre eine Top-10-Platzierung.

Lukas Köb blickt zur Kletterwand. Er denkt kurz nach und wechselt plötzlich das Thema: „Ich habe übrigens noch eine zweite Leidenschaft. Ich würde mich durchaus als Musikfanat bezeichnen.“ Ein Blick in seinen Twitter-Account bestätigt das: Er postet Fotos vom Toten-Hosen-Konzert, diskutiert mit der Kulturredaktion einer Tageszeitung über deren Techno-Verständnis, teilt ein Interview von Noel Gallagher oder lässt die Welt wissen: „Starting the day with Fleedwood Mac.“ Seine absoluten Favoriten sind aber die Red hot Chili Peppers. Die hört er vor einem Wettkampf oder beim Lernen für sein Wirtschaftswissenschaftsstudium an der Uni Innsbruck.

Vor fast genau drei Jahren war an derselben Stelle folgendes Zitat von Lukas Köb zu lesen: „Ich will so schnell wie möglich im Weltcup Fuß fassen.“ 36 Monate später hat er seine zweite Saison hinter sich und mit Rang 15 schon an der Weltspitze angeklopft. Das Ziel ist noch lange nicht erreicht, es geht weiter nach oben. An der Kletterwand wie in er Karriere. Frei nach den Chili Peppers: Get on Top.

ZUR PERSON

Lukas Köb, geboren am 15. März 1992 in Dornbirn.

Wohnort: Innsbruck

Beruf: Student (Wirtschaftswissenschaften)

Hobbys: Musik, Reisen

Privat: Zwei ältere Brüder

Verein: ÖAV-Dornbirn

Homepage: www.lukas-koeb.at

Twitter: @lukaskoeb

Größte Erfolge: 15. Platz Weltcupbewerb, 6. Rang Juniorenweltmeisterschaft 2011, Juniorenstaatsmeis­ter 2009

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