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interview

„Druck kann auch positiv sein“

Luciano Aquino spricht vor dem heutigen Spiel über das Play-off, sein Umgang mit Druck, Fußball und ob er bleiben wird oder nicht.

Hand aufs Herz: Haben Sie zu Saisonbeginn wirklich gedacht, dass die Bulldogs zu diesem Zeitpunkt noch so große Chancen aufs Play-off haben?

LUCIANO AQUINO: Aber klar. Wir haben immer gesagt: Unser Ziel ist das Play-off.

Gesagt schon. Das muss ja das Ziel sein. Aber dass Sie so nah dran sind . . .

AQUino: Wir haben immer gewusst, dass wir es können. Die Spieler haben zu jedem Zeitpunkt der Saison daran geglaubt.

Nun kommt also Graz. Einerseits ein Pflichtsieg, andererseits ein unglaublich schwerer Gegner.

AQUino: Natürlich. Wollen wir unser Ziel erreichen, müssen wir gewinnen. Aber die Steirer sind am Boden, ich bin gespannt, wie sie auftreten. Wichtig wird sein, die ersten zehn Minuten gut zu überstehen und ein frühes Führungstor zu erzielen. Damit die Rollen gleich klar verteilt sind.

Und die Zuschauer sofort mitgehen. Die Besucherzahlen haben sich prächtig entwickelt, oder?

AQUino: Fans kommen freilich lieber, wenn man erfolgreich spielt. Was wir momentan tun. Aber wir hatten schon vor einem Jahr ein tolles Publikum, jetzt sind es noch mehr Menschen. Und sie sind laut. Das ist ein enormer Vorteil.

Wie groß ist der Druck, der auf Ihnen lastet?

AQUino: Druck ist allgegenwärtig. Man hat immer Druck, im Sport wie im Leben. Der Druck ist, immer das Beste zu geben und etwas daraus zu machen. Aber es fühlt sich schon anders an als vor einem Jahr.

Inwiefern?

AQUino: Mental ist es für uns Spieler ein großer Unterschied. Vor einem Jahr sind wir raus und haben einfach gespielt. Ohne große Erwartungen erfüllen zu müssen. Diese sind jetzt da, auch von unserer Seite.

Aber ich nehme an, ein Profisportler kann damit umgehen.

AQUino: Speziell ein kanadischer Eishockeyspieler. Schon mit 14 Jahren wird man in der OHL oder bei den Juniors von Agenten umringt und beobachten. Man wächst quasi mit diesem Druck auf.

Für Sie als alten Play-off-Hasen dürfte das sowieso kein Problem sein.

AQUino: Nein, Druck kann ja auch etwas Positives sein. Und jetzt wäre es wieder einmal Zeit, ein Play-off zu spielen.

Was ist so besonders am Saisonfinale? An was erinnern Sie sich gerne?

AQUino: Besonders ist die Stimmung und das Gefühl, alles erreichen zu können. Im Play-off ist alles möglich. 2008 mit Fort Wayne standen wir im IHL-Finale. Es wurde zum längsten der Geschichte. Erst im siebten Spiel, in der dritten Overtime, 23 Sekunden vor Schluss, erzielten wir den Siegestreffer. Vor 14.000 Zuschauern. Das war schon beeindruckend.

14.000 Menschen und ein Finalsieg? Das wird es hier in Dornbirn wohl noch länger nicht geben.

AQUino: 4000 Zuschauer sind 4000 Zuschauer. Das sind eine Menge Fans. Und die Stimmung ist toll. Es ist nicht die NHL, aber es macht großen Spaß.

Apropos: Verfolgen Sie eigentlich die NHL im TV?

AQUino: Ich muss gestehen, eigentlich nicht. Ich spiele seit ich vier Jahre alt bin Eishockey und habe schon sehr viele Matches gesehen und erlebt. Die NHL-Highlights gebe ich mir ab und zu. Aber ganze Spiele sehe ich mir nie an.

Bei den Olympischen Spielen dann aber schon, oder?

AQUino: Klar, so viel Kanadier bin ich schon. Eishockey bei uns ist wie Fußball bei euch. Aber sonst schaue ich lieber Football oder Fußball.

Sie mögen Fußball?

AQUino: Und wie. Als ich in Italien gespielt habe bin ich jeden zweiten Sonntag auf ein Spiel von Juventus Turin gefahren. Und in Ingolstadt war ich ab und zu bei Bayern München.

Und was hat Ihnen besser gefallen?

AQUino: Mir gefällt der italienische oder der brasilianische Fußball besser als der Deutsche.

Und wie ist das im Eis­hockeysport?

AQUino: Auch da gefällt’s mir hier besser. Die EBEL ist offensiver, in der DEL zählte die Defensive.

Für Sie als Top-Scorer vom Dienst sowieso.

AQUino: (lacht) eben.

Laut Plus/Minus-Wertung klappt’s ja mit der Defensive nicht so. -14 ist der zweitschlechteste Wert in Ihrer Mannschaft.

AQUino: Das mit der Plus/Minus-Wertung ist so eine Sache. Ers­tens habe ich schon oft ein Minus bekommen, obwohl ich gar nicht auf dem Eis stand. In Villach beispielsweise. Das passiert öfters. Zweitens haben wir diese Saison sechs oder sieben Empty-Net-Treffer kassiert, alles Minus. Dafür zählen die Powerplay-Tore nicht. Wenn ich drei Punkte in einem Spiel mache, aber am Ende -1 steht, dann ist etwas faul. In Deutschland hatte ich auch schon +18. Und ich wusste nicht, warum. Es kann also auch in die andere Richtung ausschlagen.

Kurzum: Sie halten nicht viel von dieser Wertung?

AQUino: Genau. Diese Statistik macht nicht viel Sinn.

Mit den Toreschießen klappt es dieses Jahr besser als vorangegangenes.

AQUino: Eigentlich ist mir egal, ob ich das Tor mache oder vorbereite. Ich war immer mehr der Spielmacher. Vergangene Saison hatten wir Kozek, der traf eh von überall. Heuer haben wir diese Last auf mehreren Schultern verteilt, was uns insgesamt stärker macht.

Wenn Sie jedes Jahr einen Schritt in dieser Größe nach vorne machen, wo steht der Dornbirner EC denn in drei Jahren?

AQUino: (lacht) Ich weiß nicht einmal, wo ich in drei Jahren bin. Ob ich überhaupt noch Hockey spiele. Wo immer mich das Leben hinträgt.

Wie groß sind denn die Chancen, dass Sie nächstes Jahr hier sind?

AQUino: Die sind groß, mir gefällt es hier. Aber noch habe ich mich nicht damit beschäftigt, erst nach der Saison.

Wie ist denn Ihr Deutsch mittlerweile?

AQUino: Es geht, vielleicht nehme ich im Sommer noch einen Kurs.

Das klingt jetzt so, als würden Sie hier bleiben.

AQUino: (grinst) oder zu einem anderen deutschsprachigen Klub wechseln?

Interview: MICHAEL PROCK

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