Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

interview

„Die Konkurrenz weiß jetzt: Achtung, mit dem Schairer ist zu rechnen!“

Sportservice-Mitarbeiter Martin Hämmerle begleitet Markus Schairers Genesungsprozess mit Rat und Tat. Im Interview spricht er über dessen sensationelles Comeback bei den X-Games, mutige Snowboarder und den Weg nach Sotschi.

Herr Hämmerle, Sie wissen um Markus Schairers körperlichen Zustand, wie kaum ein anderer. Wie sehr hat es Sie überrascht, dass er bei seinem ersten rennmäßigen Einsatz nach über einem Monat Pause gleich eine Qualifikationsbestzeit hinknallt?

Martin Hämmerle: Natürlich ist das ein Hammer. Aber Markus hat im Vorfeld auch alles dafür getan. Er ist ein unbekümmerter Kopf, der nie mit seinem Schicksal haderte, sondern seinen Fokus nur auf das große Ziel Olympia ausgelegt hat. Wir haben versucht, den Genesungsprozess auf der ganzen Linie zu unterstützen und die Selbstheilungskräfte des Körpers zu fördern. Die therapeutischen Maßnahmen beinhalteten etwa Massagen, eine spezielle Salbentherapie, Akkupunktur oder Lymphdrainagen. Drei bis vier Stunden täglich war Markus mit den Therapiemaßnahmen beschäftigt.

Wann fiel die Entscheidung, nach Aspen zu den X-Games zu fliegen?

Hämmerle: Sehr kurzfristig, wir haben uns nicht unter Druck gesetzt. Da sich in der vergangenen Woche sein körperlicher Zustand konstant verbesserte, haben wir uns am Samstag für eine Teilnahme entschieden.

Viele haben ihm davon abgeraten. Sie auch?

Hämmerle: Nein. Nachdem die Entscheidung in ihm gereift war, habe ich diese auch voll mitgetragen. Das Schlechteste, was ich als Therapeut hätte tun können, wäre ihn zu verunsichern. Wer so in der Öffentlichkeit wie Markus steht, hat ohnehin schon genügend Einflüsterer, die mit 1000 Ratschlägen und Wundermittelchen daherkommen. Daher ist es wichtig, ein seriöser Partner zu sein und das gemeinsam definierte Ziel konsequent zu verfolgen.

Wie groß war das Risiko, dass die Bänder nicht standhalten? Besonders beim Start ist Belastung ja extrem…

Schenk: Das Risiko beim Start war überschaubar. Dr. Schenk hat einen super Job gemacht, zudem ist Markus perfekt austrainiert. Das Risiko auf der Strecke ist allerdings nur schwer kalkulierbar. Niemand kann einschätzen, was etwa nach einem Sturz auf die Schulter passiert. Daher war es auch eine Vernunftsentscheidung, das Rennen auszulassen. In der Qualifikation hast du ja den Kurs für dich alleine, während bei den Finalläufen noch fünf andere Fahrer mitmischen.

Schwere Verletzungen belasten auch die Psyche. Oft fährt noch lange die Angst mit…

Hämmerle: Diese Gefahr sehe ich bei Markus nicht, das Selbstvertrauen passt. Snowboardcrosser scheinen ohnehin keine Angst zu kennen. Man muss sich Rennen ja nur mal anschauen – es ist schon extrem, mit welchem Mut sich die Fahrer den Parcours hinunterstürzen.

Wie fällt das Fazit des Aspen-Trips aus?

Hämmerle: Es ist genau so gelaufen, wie wir es uns gewünscht haben. Markus hat sich noch einmal das Gefühl fürs Rennen geholt und gesehen, dass er nach wie vor super auf dem Brett steht. Das gibt Selbstvertrauen und neue Motivation für die nächsten zwei Wochen. Und die Konkurrenz weiß jetzt: Achtung, mit dem Schairer ist zu rechnen!

Wie schaut der Fahrplan bis Sotschi aus?

Hämmerle: Jetzt kommt die eigentlich entscheidende Phase. Einerseits ist die Heilung noch lange nicht abgeschlossen, andererseits will zusätzliche Substanz aufgebaut werden. Daher heißt‘s jetzt noch einmal zwei Wochen Vollgas geben. Bei Olympia geht‘s schließlich nicht um die Plätze, sondern nur um Edelmetall!

Sie scheinen mit ihrem Schützling richtiggehend mitzufiebern. Täuscht der Eindruck?

Hämmerle: Ganz und gar nicht! Wenn man so viel Zeit miteinander verbringt, entsteht nicht nur ein vertrauenvolles, sondern auch freundschaftliches Verhältnis. Ich lebe natürlich voll mit. Und da in Aspen alles nach Plan gelaufen ist, gönne ich mit heute auch noch ein Gläschen Rotwein (lacht).

Interview: Emanuel Walser

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.