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Zwei Großstadtjungs in der Provinz

Ismael Tajouri und Sasa Pantic kamen in der Winterpause neu zum SCR Altach. Die beiden Wiener haben sich bestens eingelebt.

Emanuel Walser

Sasa Pantic und Ismael Tajouri haben zumindest drei Dinge gemeinsam: Beide kommen aus Wien, ihr Leben dreht sich ausnahmslos um das runde Leder und sie wollen im Profifußball Karriere machen. So gesehen trifft’s sich gut, dass Altach nicht Wien ist: „Hier können wir uns ganz auf den Sport konzentrieren. Ablenkung gibt’s ja bei Weitem nicht so viel wie in der Großstadt.“

Wenngleich sie mit Vorarlberger Boden in jeglicher Hinsicht Neuland betraten, blieb das Schockerlebnis aus. Vielmehr kleidet Pantic sein erstes Fazit in fast schon euphorische Worte: „Ich fühle mich richtig wohl hier. In Altach läuft alles unglaublich professionell ab. Umfeld, Trainer und Mannschaft sind absolut top.“ Und Tajouri ergänzt: „So etwas wie das ‚Home of Balance‘, wo wir sowohl trainieren als auch regenerieren können, gibt’s z.B. nicht einmal in Wien.“

Viel von Vorarlberg gesehen haben die zwei Neo-Altacher freilich noch nicht: „Dafür bleibt uns sicher noch genug Zeit. Bis jetzt haben wir eigentlich nur trainiert.“ Es waren intensive Wochen, die beide hinter sich haben. Kein Abend, an dem sie nicht gerne ins Bett gegangen wären: „Aber so soll’s schließlich auch sein.“ Immerhin fand sich ausreichend Gelegenheit, die neuen Teamkollegen besser kennenzulernen. Lange Eingewöhnungsphase bedurfte es keiner: „Wir wurden von der Truppe sensationell gut aufgenommen.“

WG mit Teamkollegen

Zu Integrationsbeauftragten auserkoren waren vor allem Daniel Luxbacher und Boris Prokopic. Denn bis eine eigene Wohnung gefunden ist, findet Tajouri bei Luxbacher und Pantic bei Prokopic Quartier. Während sich Erstere schon aus Wiener Zeiten kennen, traf Pantic auf einen völlig Unbekannten: „Ich kannte Boris nur aus dem Fernsehen. Aber er ist ein super Typ.“

Das Zusammenleben gestaltet sich also komplikationslos, wohl auch, weil sich beide bestens ergänzen. Pantic hat ein geradezu symbiotisches Verhältnis ausgemacht: „Boris kann ausgezeichnet kochen, ich überhaupt nicht.“ Mit dem Zusatz wird sich auch Haubenkoch Pokopic abfinden: „Aber sonst bringe ich mich schon in den Haushalt mit ein. Bei mir muss es immer ordentlich sein.“

Dank Wiener Schmäh sind sie als Typen schon in Altach ankommen, ob sie allerdings auch sportlich eine Verstärkung sind, wird sich erst weisen müssen.

Keine Katze im Sack

Doch wer Damir Canadi und Georg Zellhofer kennt, der weiß: Die Katze im Sack gehört für gewöhnlich nicht zu ihrem Beuteschema. Über Pantic haben sich die Altacher im Probetraining ein genaues Bild gemacht und auch Tajouris Verpflichtung, wenngleich erst kurz vor Transferschluss fixiert, war alles andere als ein Schnellschuss: „Ich hatte schon im Sommer Kontakt zu Altach.“

Dass die beiden überhaupt auf dem Markt waren, hat im Übrigen seine Gründe. Pantic war vertragsfrei, weil er sich in Horn mit seinem Trainer „auseinandergelebt“ hat: „Ich habe mich mit ihm überhaupt nicht verstanden. Dazu kam, dass ich im Herbst auch noch meinen Grundwehrdienst abzuleisten hatte. Doch der Trainer hatte für meine Situation kein Verständnis. Und so habe ich meinen Vertrag aufgelöst.“ Um so mehr weiß er zu schätzen, was er an Canadi hat: „Er redet mit den Spielern und gibt ihnen das nötige Vertrauen. Das macht uns alle stärker.“

Bei Tajouri ist der Fall etwas anders gelagert. Durfte er unter Peter Stöger noch mit der Kampfmannschaft von Austria Wien mittrainieren, sah er unter Nachfolger Nenad Bjelica keine allzu rosige Perspektive. Ironie des Schicksals: Kaum war die Tinte unter dem Vertrag mit Altach getrocknet, wurde Bjelica bei der Austria beurlaubt. Nun sitzt ausgerechnet Tajouris großer Förderer Herbert Gager im Chefsessel. Der 19-Jährige nimmt’s freilich gelassen: „Ich werde meinen Weg in Altach gehen und bin nach wie vor überzeugt, dass es der richtige ist.“ Dieser soll in noch weit führen, am liebsten nach Spanien: „Der Tika-Taka-Fußball taugt mir einfach.“

Dabei hat der junge Mann ohnehin schon einiges von der Welt zu Gesicht bekommen, seine Biografie verdient sich das Adjektiv „außergewöhnlich“. Als Sohn eines libyschen Diplomaten lernte er schon als Kleinkind, Umzugskisten zu packen. Die Stationen seines noch jungen Lebens: In Bern geboren, dann nach Libyen übersiedelt, schließlich in Wien sesshaft geworden und nun also in Altach gelandet. Und wer weiß: Vielleicht ist er ja gekommen, um zu bleiben. Damit das Schnabelholz allerdings zur Endstation Sehnsucht taugt, muss zumindest ein Stammleiberl her.

Und so haben die zwei Neuen in Altach noch eine vierte Gemeinsamkeit: Der nächste Schritt soll sie in die Startelf führen. Für Pantic könnte es übrigens schon morgen gegen Kapfenberg so weit sein. Durch den Ausfall von Andreas Lienhart ist der Posten des Rechtsverteidigers vakant. Für diesen ist der 21-Jährige wohl mehr als nur eine Option.

Zur Person

Ismael Tajouri

Geboren am:
27. März 1994

Geburtsort: Bern

Vereine: AKA Austria Wien, Austria Wien Amateure

Position: Mittelfeld (Linksaußen)

Staatsbürgerschaft: Libyen (österreichische Staatsbürgerschaft soll demnächst folgen)

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