Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

„Eine WM im Winter wäre sinnvoller“

VFV-Präsident Horst Lumper spricht im Interview über die Spezies Schiedsrichter und warum die Fußball-WM in Katar im Winter ausgetragen werden soll.

Der Wettskandal ist aus den Medien verschwunden, Didi Berchtold ist wieder Trainer in der Akademie. Alles beim Alten?

Horst Lumper: Ja, eigentlich schon. Es hat eine Initiative von Eltern gegeben, für diesen Trainer. Sie stehen voll hinter ihm. Auch ich bin froh über die Entwicklung und wie es ausgegangen ist. Ich bin zuversichtlich, dass alles erledigt ist.

Sie sprechen aber von diesem speziellen Fall, oder?

LUMPER: Wetten wird immer ein Thema sein, das wird man nie wegbringen. Aber bei uns im Land, was die Akademie betrifft, ist das vom Tisch.

Was die Akademie betrifft?

LUMPER: Es gibt noch eine Geschichte, die kolportiert wird. Ein Name schwirrt noch umher. Aber das liegt lange zurück. Ansonsten hoffe ich, dass im Land alles erledigt ist. Ausschließen kann man das aber nicht.

Sollten die Wettanbieter in die Pflicht genommen werden?

LUMPER: Das wäre wünschenswert, ist aber nicht so einfach. Die Wettanbieter sind Weltkonzerne, oft mit Sitz in Asien. Zwar arbeiten FIFA und Interpol in dieser Sache zusammen, aber auch deren Einfluss ist begrenzt. Im Übrigen ist es nicht nur im Fußball ein Problem.

Wo noch?

LUMPER: Tennis beispielsweise war lange dafür bekannt. Dann spielt einer eben einmal nicht so gut. Null Risiko. Das ist viel einfacher als im Fußball mit elf Spielern pro Team. Wettbetrug ist ein Problem, das den ganzen Sport betrifft.

Hat der Fall Taboga dem österreichischen Fußball nachhaltig geschadet?

LUMPER: Nachhaltig glaube ich nicht. Fußball ist zu stark dafür. Die Einschaltquoten sind nicht gesunken, auch die Zuschauer gehen nach wie vor in die Stadien. Außerdem haben wir ja reagiert. Schlimm wäre es, wenn wir nichts getan hätten. Im Übrigen bin ich extrem froh, dass keine Schiedsrichter involviert sind. Das wäre noch einmal ein Stück schlimmer.

Gutes Stichwort zu einem anderen Thema. Im Eishockey beispielsweise gibt es einen Beauftragten, der Schiedsrichter beurteilt und auch nach einem Videostudium und Fehlleistung die Referees suspendieren kann. Wäre das etwas für die Fußball-Bundesliga?

LUMPER: Das gibt es bei uns auch. Robert Sedlacek ist der Beauftragte. Jeder Schiedsrichter wird beobachtet, nach objektiven Kriterien bewertet und kann auf- oder absteigen. Da gibt es klare Rankings, allerdings erfolgt ein Abstieg nicht schon nach einem schlechten Spiel. Das wäre unfair.

Der Fußball wird immer professioneller. Hat das Schiedsrichterwesen diese Entwicklung verschlafen?

LUMPER: Sie sprechen das alte Thema Profischiedsrichter an. In einigen Ligen gibt es welche, aber nicht viele. Ich weiß nicht, ob Profischiedsrichter besser pfeifen würden. Aber da bin ich kein Experte. Ich glaube, dass die Qualität der Schiedsrichter eh nicht schlecht ist.

Es gibt zahlreiche Kritiker.

LUMPER: Klar wird ständig kritisiert, das ist logisch. Ein Schiedsrichter kann auch einmal einen schlechten Tag haben. Aber etwas Dramatisches ist in den vergangenen Jahren nicht passiert. Und was auch einmal gesagt werden muss: Wir haben genug Schiedsrichter, können sehr viele Spiele besetzen. Das ist nicht selbstverständlich.

Unter Trainern und Spielern wird den Schiedsrichtern oft eine gewisse Arroganz vorgeworfen. Allgemein hängt an Schiedsrichtern das Vorurteil, nicht besonders kritikfähig zu sein.

LUMPER: (lacht) Überspitzt formuliert: Schiedsrichter sind eine eigene Spezies. Nein, ernsthaft. Schiedsrichter werden geschult, auch in ihrem Auftreten. Es kann durchaus sein, dass sie sich mit Kritik schwertun, teilweise aber auch gewollt. Denn wenn sie sich jede Kritik zu Herzen nehmen, werden sie nicht mehr fertig.

Aber teilweise werden offensichtliche Fehler nicht eingestanden.

LUMPER: Glauben Sie mir, die Schiedsrichter ärgert ein Fehler sicher mindestens so wie den Zuschauer oder die betroffene Mannschaft. Auch ich ärgere mich dann, muss aber dem Schiedsrichter dann zugestehen, dass er es auf dem Feld vielleicht einfach anders gesehen hat. Der Blickwinkel ist ja auch ein anderer.

Da sollte doch auch der Torraumschiedsrichter Abhilfe schaffen.

LUMPER: Ganz ehrlich? Ich finde den Schiedsrichter am Fünfmeterraum überflüssig. Der macht gar nichts, rennt hin und her und irritiert die Spieler. Ich habe noch nie gesehen, dass er einen Schiedsrichter auf einen Fehler hingewiesen hat.

Wären technische Hilfsmittel eine Lösung? Zum Beispiel der Chip im Ball?

LUMPER: Das wär mir deutlich lieber. Wie beim Eishockey. Das ist klarer und ich erspare mir zwei Leute. Aber das kommt jetzt eh.

Zumindest bei der Weltmeis­terschaft.

LUMPER: Genau. Da geht das gut, weil alle Stadien hohe Anforderungen erfüllen müssen. In der Liga ist es schwerer. Es müssten alle die Möglichkeit haben, sonst ist es ungleich.

Was in einer Liga wie unserer gar nicht so einfach ist. Es wird ja schon über eine Rasenheizung diskutiert.

LUMPER: So ist es. Aber die Rasenheizungspflicht wurde schon beschlossen, die kommt fix. Der Zeitrahmen steht noch nicht.

Auch in Lustenau ist das Thema Infrastruktur aktuell. Nun wurde der Austria die Rute ins Fenster gelegt.

LUMPER: Ja, das ist schade. Wir haben lange Zeit die Idee eines Landesstadions forciert, hätten auch schon einen Platz ge­habt. Leider hat es nicht funktioniert, jetzt hat jeder sein eigenes Stadion, das zumindest so teuer ist.

Im Zuge der Olympischen Spiele gab es viel Kritik über die Vergabe. Auch die WM-Vergabe an Katar wird heftig diskutiert, schon alleine des Wetters wegen. Eine WM bei 40 Grad?

LUMPER: Ich glaube, es hat niemand eine große Freude mit einer WM bei diesen Temperaturen. Es ist einfach zu heiß, für die Zuschauer und die Spieler.

Was halten Sie von der Kritik am Umgang mit Menschenrechten?

LUMPER: Diese Kritik muss sein, da bin ich derselben Meinung. Aber dann muss dies für alle Sportarten gelten. Also kein Golf- oder Tennisturnier mehr in Dubai. Da regt sich komischerweise niemand auf.

WM in Winter?

LUMPER: Es wäre definitiv sinnvoller. Was aber mit viel Aufwand verbunden wäre, immerhin müssten alle Spielpläne überarbeitet werden. Aber über die Winterpause, das wäre eine gute Lösung.

In Vorarlberg ist die Winterpause ja nun vorbei, wie fast jedes Jahr klopft ein Team an der Bundesliga an. Glauben Sie, dass langfristig zwei Vorarlberger Vereine ganz oben spielen könnten?

LUMPER: Ja. Den FC Vorarlberg sehe ich nicht, das wird nicht funktionieren. Aber zwei Mannschaften, die sich pushen, das würde schon gehen. Auch in Innerösterreich liegen einige Bundesligavereine nah nebeneinander.

Werden wir nächstes Jahr einen Bundesligaverein in Vorarlberg haben?

LUMPER: Ja.

Interview: MICHAEL PROCK

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.