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„Wir dürfen uns nicht auf der Euphorie ausruhen“

Altach-Geschäftsführer Christoph Längle spricht im NEUE am Sonntag-Interview über erreichte und zukünftige Ziele des Vereins.

Herr Längle, seit Mittwoch ist der Aufstieg fixiert. Haben Sie den Erfolg schon realisiert?

Christoph Längle: Wir haben den Titel ja quasi in Etappen abgefeiert, da blieb kaum Zeit zur Reflexion. Was mich aber besonders freut ist, dass sich die Welle der Euphorie nicht nur auf den Verein beschränkt, sondern ganz Vorarlberg erfasst hat. Toll, wie viele Menschen sich mit uns freuen!

Fünf Jahre ließ sich Altach mit der Rückkehr in die Bundesliga Zeit. Wieso hat in dieser Saison geklappt, was vorher nicht gelang?

Längle: Ich denke, wir sind viel strukturierter an das „Projekt Aufstieg“ herangegangen und haben aus den Fehlern der Vergangenheit die richtigen Lehren gezogen. Entscheidend war die Weichenstellung im Winter 2012: Mit der Hinzunahme von Georg Zellhofer haben wir auch die Sportliche Leitung in professionelle Hände gelegt, zudem ist uns mit der Verpflichtung von Damir Canadi ein Volltreffer gelungen. Und letzlich hatten wir in den entscheidenden Situationen auch jenes Glück, dass uns in der Vergangenheit oft fehlte. Abseits vom Sportlichen hat sich in der alltäglichen Vereinsarbeit aber nicht viel verändert.

Können Sie den fünf Jahren Erste Liga auch etwas Gutes abgewinnen?

Längle: Ganz ehrlich? Ich kann dieser Zeit nur wenig Positives abgewinnen. Die letzten Jahre waren für den gesamten Verein eine Zerreißprobe, vom finanziellen Kraftakt ganz zu schweigen. Ein rascherer Wiederaufstieg wäre mir 100 Mal lieber gewesen. Auf eines dürfen wir aber sehr stolz sein: Andere Vereine hätte es zerrissen, wir haben den Kraftakt aber bewältigt und sind unserer Philosophie treu geblieben. Dafür wird uns in ganz Österreich großen Respekt gezollt. Es ist schließlich kein Zufall, dass wir in den vergangenen fünf Jahren immer zum bestgeführtesten Erste-Liga-Verein gewählt wurden. Auch deshalb haben wir uns heuer den Meistertitel mehr als nur verdient.

Sie haben den finanziellen Kraftakt angesprochen. Wie steht‘s derzeit um die Vereinsfinanzen?

Längle: Obwohl wir heuer viel an Punkteprämien zu zahlen hatten, werden wir am Ende der Saison ausgeglichen bilanzieren. Der Verein ist wirtschaftlich gesund, für genaue Zahlen ist es allerdings noch zu früh.

Wird es in der Bundesliga wirtschaftlich einfacher werden?

Längle: Ich glaube ja. Um professionell Fußball spielen zu können und ein dementsprechendes Umfeld zu gewährleisten, ist ein Budget von 3,5 bis vier Millionen Euro nötig. In dieser Größenordnung haben wir uns auch in den letzten Jahren immer bewegt. Allein unsere Sponsoreinnahmen belaufen sich in etwa auf zwei Millionen Euro – diese werden in der Bundesliga sicherlich noch steigen. Dazu kommen eine Million Euro mehr an Fernsehgeld und die zu erwartenden Zusatzeinnahmen im Bereich Zuschauer und Catering. Wir werden in der Bundesliga ein Budget in der Größenordnung von 5,5 Millionen Euro stemmen können – damit sind wir absolut konkurrenzfähig. Für den Aufwand aller Personalkosten kalkulieren wir in etwa mit 3,5 Millionen Euro. Damit bewegen wir uns auf dem Niveau von Vereinen wie Wolfsberg, Wr. Neustadt, Admira oder Innsbruck. Doch gleich ob Erste Liga oder Bundesliga – die Herausforderung, nicht mehr auszugeben als man einnimmt, bleibt natürlich bestehen.

Wie will Altach im Konkurrenzkampf mit den angesprochenen Vereinen punkten?

Längle: Es hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass wir eine attraktive Adresse sind. Bei uns werden die Gehaltszahlungen seriös und pünktlich abgewickelt, zudem müssen wir uns auch in Sachen Zuschaueraufkommen nicht verstecken. Es gibt jede Menge Spieler, die liebend gern in Altach kicken würden. Doch bezüglich Transfers setzen wir uns nicht unter Zeitdruck. Canadi und Zellhofer haben aber längst eine Liste erstellt, auf welcher Position wir Bedarf haben und welche Spieler dafür in Frage kommen. Diese Liste wird jetzt in Ruhe abgearbeitet. Wie schon im vergangenen Jahr ist es auch heuer unser Ziel, dass der Kader schon zum Trainingsauftakt am 11. Juni komplett ist.

Was wird bezeihungsweise soll sich in den kommenden Jahren bezüglich der Infrastruktur im Schnabelholz tun?

Längle: Bis auf eine kleinere Nachjustierung in Sachen Flutlicht gibt’s von Seiten der Bundesliga für die kommende Saison keine Auflagen. Im Jahr darauf müssen wir aber eine 1000 Lux starke Anlage garantieren, ab 2016 ist eine Rasenheizung und ein erneuerter Kabinenbereich verlangt. Unsere Umkleiden sind mittlerweile 25 Jahre alt und das ist ihnen auch anzusehen. Doch auch über die Lizenzauflagen hinaus gibt es noch jede Menge Verbesserungsbedarf. Oberste Priorität hat für uns, die Fantribüne schon im Sommer provisorisch zu überdachen. Wir suchen derzeit eine Übergangslösung und führen bereits intensive Gespräche. Mittelfristig wollen wir ein gänzlich überdachtes Stadion mit durchgängingen Tribünen schaffen. Die Pläne hierfür liegen längst in der Schublade. Für die Erste Liga war unsere Infrastruktur allemal ausreichend, doch wollen wir tatsächlich bundesligareif werden, muss sich diesbezüglich noch viel tun. Selbstverständlich sind wir als Verein bereit, unseren Beitrag zur Verwirklichlung zu leisten. Allerdings werden auch wir nicht ohne öffentliche Unterstützung auskommen. Ich bin mir aber bewusst, dass derartige Projekte intensive Gespräche und eine gewisse Vorlaufzeit verlangen. Daher wollen wir auch niemanden unter Druck setzen. Eines sei an dieser Stelle betont: Wir reden hier nicht von einem Palast, sondern von einer Heimstätte, die uns Bundesliga-Fußball ermöglicht.

Der Aufstieg ist also auch eine große Chance, sich als Verein weiterzuentwickeln?

Längle: Vollkommen richtig. Ich denke unser Aufstieg ist für den Vorarlberger Fußball insgesamt eine einmalige Chance. Wir dürfen jetzt nur nicht den Fehler machen, uns auf der Aufstiegseuphorie auszuruhen. Das gilt nicht nur für den sportlichen Bereich, sondern auch für die gesamte Vereinsstruktur. In Sachen Finanzen und Marketing sind wir mit Christoph Begle und Werner Grabherr bereits hervorragend aufgestellt, jetzt haben wir noch einen neuen Mitarbeiter für den Vertrieb eingestellt. Zudem werden wir im Sommer ein Online-Ticketing-System installieren, damit die Fans ohne großen Aufwand zu ihren Eintrittskarten kommen. Ziel kann es nur sein, uns in allen Bereichen substanziell zu verbessern und uns so langfristig in der Bundesliga zu etablieren. Ganz entscheidend wird dabei der Faktor Zeit sein. Jedes Jahr Oberhaus-Fußball hilft uns weiter.

Wird sich in der Bundesliga auch die Vereinsphilosophie verändern? Wollen sie den Klub in Vorarlberg neu positionieren?

Längle: Zum einen sind wir sehr stolz darauf, Altacher zu sein. Das Image des Dorfvereins wollen wir uns selbstverständlich erhalten. Darüber hinaus wollen wir aber auch ganz Vorarlberg vertreten. So sitzen in unserem Aufsichtsrat beispielsweise nicht nur Altacher, sondern auch Leute von außerhalb. Altach ist durch die zentrale Lage inmitten des Rheintals geradezu prädestiniert, ein Verein für alle Vorarlberger zu sein. Ähnlich wie in der Wirtschaft, wo sich derzeit ein starker Trend hin zu „Ländle-Produkten“ feststellen lässt, möchten auch wir Vergleichbares schaffen. Der schönste Erfolg wäre sicherlich, wenn wir ins Schnabelholz nicht nur ein Eventpublikum locken könnten, sondern langfristig viele Fußballfreunde aus ganz Vorarlberg zu echten Altach-Fans werden würden.

Schlussfrage: Wo soll der Verein in fünf Jahren stehen?

Längle: Hätten wir uns in fünf Jahren im gesicherten Mittelfeld der Bundesliga etabliert, wäre dies sportlich sicherlich ein schöner Erfolg. Infrastrukturell hoffe ich, dass wir bis dahin ein komplett überdachtes Stadion haben und professionelle Trainings- und Spielbedingungen gewährleisten können. Und wer weiß: Vielleicht schafft‘s auch der eine oder andere Altach-Spieler ins Nationalteam. Das Wichtigste ist aber, dass der Verein auch in Zukunft als Gemeinschaftsprojekt funktioniert und wirtschaftlich gesund bleibt.

Interview: Emanuel Walser

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