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ms Bludenz

Digitale Kompetenz fördern

Die Mittelschule Bludenz erhält am Freitag voraussichtlich als erste Schule Vorarlbergs eine eLSA-Zertifizierung. Das bedeutet, dass verstärkt digitale Medien im Unterricht pädagogisch sinnvoll eingesetzt werden.

susanne geissler

Es hilft nichts. Das passende Wort ist einfach „cool“. Der Musikunterricht an der Mittelschule Bludenz ist schlicht und ergreifend cool. Im Musikraum gibt es keine Tische. Große Lautsprecherboxen und ein Mischpult dominieren das Zimmer. An den Wänden hängen E-Gitarren. Eine Gruppe von Schülern aus der 3c-Klasse sitzt auf dem Boden und spielt gemeinsam „Für Elise“ von Ludwig van Beethoven – auf Tablets wohlgemerkt. Es ist eine Probe für eine Aufführung beim eLSA-Tag der offenen Tür. Dieser ist für Freitag, 9. Mai, angekündigt und soll den Besuchern verdeutlichen, was es heißt, eine eLSA-zertifizierte Schule zu sein. Die Mittelschule Bludenz erhält nämlich an diesem Tag voraussichtlich als erste Schule Vorarlbergs diese Auszeichnung.

Die Jugendlichen sitzen also im Kreis. Jeder hat einen der flachen, tragbaren Computer vor sich. Der Bildschirm der meisten zeigt eine Klavier-Tastatur, bei zweien sind es Gitarrensaiten. Darauf spielen sie nach einer einstudierten Reihenfolge entweder die Melodie oder passende Akkorde dazu. Die Tablets sind an die Lautsprecher angeschlossen. So entsteht ein lässiges, computerunterstütztes Konzert.

Verbesserung des Lernens

„Nur ein paar der Schüler können tatsächlich ein Musikinstrument spielen“, erklärt Schuldirektorin Beate Graß. „Aber mit dem Tablet können alle umgehen.“ Das ist Teil des eLSA-Konzeptes. ELSA bedeutet E-Learning im Schulalltag. Also die Nutzung der neuen Multimedia- und Internet-Technologien zur Verbesserung der Qualität des Lernens.

Computer im Musikunterricht so einzusetzen, dass mit deren Hilfe ein Konzert gespielt werden kann, trägt definitiv zur Erhöhung der Lernbereitschaft der Schüler bei. „Das Altbackene fällt einfach weg“, erklärt Musiklehrer Markus Muther. Der Pädagoge hat im Musik­raum auch eine eigene Karaoke-Anlage installiert. Die Schüler können sich über Youtube Musikvideos herunterladen. Muther blendet die Stimmen aus und die Kinder können nach Herzenslust zu ihrer Lieblingsmusik singen. „Das ist definitiv was anderes, als ‚Hoch auf dem gelben Wagen‘ trällern zu müssen“, sagt Direktorin Graß dazu. „Nicht, dass dieses bekannte Volkslied schlecht wäre. Es ist sogar wichtig und gehört auch in den Musikunterricht. Aber man findet zu den Kindern ganz sicher leichter Zugang, wenn man sie über ihren aktuellen Musikgeschmack abholt und dann an das andere heranführt.“ Muther zeigt den Erstklässlern zum Beispiel am Anfang des Jahres auch gern ein Video von Stomp, der berühmten Percussion-Band. „Dann sind sie so begeistert, dass sie von zu Hause Besen und alles Mögliche mitbringen, mit denen sie dann Rhythmen klopfen“, erzählt er weiter. Wenn die Kinder erst einmal „brennen“, ist es leicht, sie auch für trockenere Themen des Musikunterrichts zu interessieren.

Smartboards statt Tafeln

Ulrike Stocker, die Mathematiklehrerin, arbeitet in ihrem Unterricht an einem Smartboard. Das ist eine elektronische Tafel, die an einen Computer angeschlossen wird. Die Schüler der 2c lernen anhand der Projektion eines Würfels gerade dessen Dimensionen besser kennen. Sie können an dem Touchscreen zum Beispiel die Länge der Kanten durch Ziehen oder Zurückschieben mit dem Finger verändern. Dadurch ergibt sich ganz automatisch ein neues Volumen. Das ist äußerst anschaulich. Man kann sich auch die Dreidimensionalität viel besser vorstellen, weil man diese ja an die Tafel projiziert sieht. Übertragen wird das Ganze dann aber ganz normal durch Abschreiben der wichtigsten Punkte in ein Heft. „Man darf nicht glauben, eLSA würde bedeuten, dass man nur noch mit Computern arbeitet“, erklärt Stocker. „Es wird noch ganz herkömmlich von Hand geschrieben, im Kopf gerechnet und so weiter. Nur dort, wo sich E-Learning als bereichernde Ergänzung anbietet, wird dies eben eingesetzt.“

Das ist in der MS Bludenz eigentlich fast in jedem Fach so. So sieht es das Konzept von
eLSA auch vor. Die Kinder erlernen den Umgang mit den neuen Technologien hauptsächlich im Informatikunterricht. Aber natürlich ergibt es sich in jedem anderen Fach auch von alleine, dass deren Funktionsweise bei der Verwendung automatisch mitgelernt wird.

Nicht alles, was mit den neuen Technologien möglich ist, ist auch gut. Das wird den Schülern ebenso vermittelt. „Es wird zum Beispiel bewusst auf die Gefahren der neuen Medien eingegangen“, ergänzt Sarah Holzer. Die Deutsch- und Sportlehrerin bespricht mit den Schülern zum Beispiel die Problematik von Datenschutz und Privatsphäre bei der Verwendung von Social Media wie Facebook und Co. Es gibt auch Safe-Internet-Days, an denen auf diese Dinge speziell, sogar mit Einbindung des Supros, eingegangen wird.

Digitale Grundkompetenz

„Uns ist es einfach darum gegangen, das, was die Kinder in ihrem Lebensumfeld sowieso haben, auch zu nutzen. Und eine digitale Kompetenz quasi zur Grundkompetenz werden zu lassen“, erklärt Direktorin Graß zusammenfassend. Informatikunterricht hat an der MS Bludenz außerdem schon eine lange Tradition. Es gibt diesen seit fast 20 Jahren. Heute unterrichten drei fix angestellte Informatiklehrer. Sarah Holzer, die Deutschlehrerin, hat zum Beispiel Medienpädagogik in Innsbruck studiert. Im Lehrkörper ist also viel technologisches Fachwissen vorhanden. Das braucht es auch. Denn Voraussetzung der Verwendung dieser Methoden im Unterricht ist logischerweise die Eigenbeherrschung durch die Lehrenden. Dass das Eigenkönnen nicht bei allen gleich war und ist, ist klar. „Es ist auch nicht allen Kollegen leicht gefallen, sich so viel damit auseinanderzusetzen“, erzählt Graß. Nötigenfalls wird den Pädagogen eine Zeitlang ein eBuddy zur Seite gestellt. Also ein Kollege, der sich gut auskennt. Es bleibt jedem Lehrer aber auch ein Stück weit selbst überlassen, inwieweit er die neuen Technologien in seinen Unterricht einbaut.

ELSA bietet Schülern und Lehrern vielseitige Nutzungsmöglichkeiten. Es gibt zum Beispiel auch ein digitales Klassenbuch. Oder den Kindern wird gezeigt, wie sie mit speziellen Apps auf ihren Smartphones jederzeit Vokabeln lernen können. Mit einem eigenen Programm haben sich die Schüler der 2c mit Schülern in Italien, Estland, Lettland, Polen und Frankreich vernetzt und tauschen nun in einem fächerübergreifenden Projekt im Rahmen des Deutschunterrichts Rezepte für Mittagessen mit ihnen aus.

Die 2c-Klasse wird als sogenannte KidZ-Klasse, also „Klassenzimmer der Zukunft“ geführt. Das bedeutet, dass der Einsatz des digitalen Unterrichts in jedem Fach erfolgt und auch wissenschaftlich begleitet wird. „Es wird erforscht, wie sich der verstärkte Einsatz digitaler Unterrichtsmethoden auf die Schüler auswirkt“, erklärt Graß. Bundesweit tauschen sich die beteiligten Schulen dabei über ihre Erfahrungen aus. „Es soll durchaus auch ein kritisches Hinterfragen sein“, betont Graß. Denn schlussendlich sollen ja alle profitieren. Am meisten natürlich die Schüler.

eLSA-Zertifizierung
ELSA bedeutet E-Learning im Schulalltag. Eine eLSA-Zertifizierung einer Schule erfolgt vom Bundesministerium für Unterricht und Frauen nach einem mehrjährigen Prozess. Sie garantiert. Die Nutzung der neuen Multimedia- und Internet-Technologien zur Verbesserung der Qualität des Lernens durch Erleichterung des Zugangs zu Ressourcen und Dienstleistungen sowie des Gedankenaustauschs und der Zusammenarbeit in Echtzeit.“ (http://elsa20.schule.at)

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