Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Vorarlbergs magische Hände

Martin Hämmerle (30) ist Physiotherapeut beim Sportservice in Dornbirn. Doch seine Arbeit umfasst mehr. Viel mehr.

MICHAEL PROCK (Text),

Klaus Hartinger (Fotos)

Was haben Handorgelspieler und Physiotherapeuten gemeinsam? Starke und geübte Hände. Kann eine Person beides, müssen deren Hände beinahe schon magische Kräfte besitzen. Es gibt so jemanden tatsächlich: Martin Hämmerle, zuständig für Reha und Physiotherapie beim Sportservice in Dornbirn. Seine Klienten: Markus Schairer, die Hämmerle-Brüder, Altachs Meister-Mannschaft und viele mehr.

Ein ganz normaler Dienstag in Dornbirn. In der Kraftkammer der Landessportschule herrscht Hochbetrieb. Ringer, Skifahrer, Laufsportler, Turner, Radfahrer, Fußballer, alle sind sie hier. Es ist Mittag, auch die Kantine ist stark frequentiert. Alessandro Hämmerle (Snowboardcross) und Marcel Mathis (Ski-Alpin) genießen das Mittagsmenü. An den Büroräumen vorbei führen die Treppen ins zweite Obergeschoss. Das Reich der Physiotherapeuten. Bei Martin Hämmerle wird gerade gearbeitet – beziehungsweise Alpin-SnowboardGesamtweltcupsieger Lukas Mathies bearbeitet. Er liegt auf der Liege, sein Gesichtsausdruck ist weder schmerzverzerrt noch entspannt. Grob sei Hämmerle nicht, aber „Physio sollte ja nicht fein sein“, erklärt der Montafoner. Sein Therapeut pflichtet ihm bei: „Wir streicheln die Sportler ja nicht“, sagt er und grinst.

Mit „wir“ meint Hämmerle sein Team, also neben ihm Manuel Hofer und Bea Kresser. Martin Hämmerle ist ein bescheidener Mensch. Ihm ist wichtig, dass sein Team nicht zu kurz kommt, immer wieder spricht er von „wir“ und „uns“ und erklärt die verschiedenen Aufgabengebiete. Bescheiden müsste er nicht sein, erst 30 Jahre alt, kann er schon einige Erfolge auf seine Fahnen heften.

Von klein auf war seine Karriere vorgegeben. Seine musikalische. Der begabte junge Dornbirner nahm Gesangsunterricht und war begeisterter Akkordeon-Spieler. Logischer Schritt nach der Unterstufe: Der Wechsel in den musischen Zweig des Gymnasiums Dornbirn-Schoren. Mit 16 packte ihn erstmals das Sportfieber. Mountainbiken hatte es ihm angetan. Und wenn, dann richtig: Schnell schaffte er den Sprung ins Junioren-Nationalteam, wurde mehrfacher Nachwuchs-Staatsmeister. Zwar blieb er der Musik erhalten, wie er erzählt: „Es ist immer noch mein liebstes Hobby und auf einer Stufe mit Sport“, beruflich wollte er im Sportbusiness bleiben. Er war Kaderathlet des Landes Vorarlberg, absolvierte seinen Präsenzdienst im HLZ. Trotzdem war Hämmerle gleich klar, dass er sich lieber dem Handwerk widmen will. Und nichts vereint Handwerk und Sport besser als Physiotherapie. Dem Abschluss der Schule in Landquart folgten die üblichen Praktika und eine Anstellung in Götzis. Das ist vier Jahre her.

Neues Trainingskonzept

Martin Hämmerle sitzt an seinem Schreibtisch. Der Raum ist Büro und Praxis in einem. Auf dem Tisch stapeln sich Ordner und vollgeschriebenes Papier. Im Eck steht ein Skelett, wie man es aus dem Biologieunterricht der Schule kennt. Gegenüber befindet sich eine Liege, auf der vorhin noch Lukas Mathies lag. Eine klassische Physiotherapie-Praxis ist das nicht. Hämmerle wollte mehr: „Zwischen der Sportmedizin und der klassischen Physiotherapie klaffte eine Riesenlücke. Ich wollte die beiden Themengebiete verbinden, daraus ein Training entwickeln, das dem Sportler schon bei der Verletzungsprophylaxe hilft.“ Die Idee dazu kam ihm kurz nach Eintritt ins Berufsleben.

Mit seinem Konzept, Trainingslehre und Physiotherapie zu verbinden, wurde er beim Land Vorarlberg in persona Martin Kessler vorstellig. Dieser holte ihn gleich an Bord, zusammen setzten sie das Konzept um. „Kessler war mein Mentor, ohne ihn wär der Sportservice nicht da, wo er jetzt ist. Er ist ein Visionär“, schwärmt Hämmerle.

Auch Adi Hütter, damals neuer Coach beim SCR Altach, war angetan von den Ideen des jungen Physiotherapeuten. Zusammen entwickelten sie ein Ausdauer- und Fitnessprogramm für die Mannschaft. Diese Zusammenarbeit sei unter Damir Canadi noch enger geworden, erklärt der in Schwarzach wohnhafte Dornbirner: „Canadi vertraut mir, wir stehen in regem Austausch.“ So darf sich Hämmerle, nicht nur weil er bei den Heimspielen als Physio selbst auf der Bank sitzt, als Mitarchitekt des Altacher Wiederaufstiegs fühlen. Auch an den Erfolgen der Vorarlberger Snowboarder oder Liechtensteins Ski-Ass Tina Weirather trägt er großen Anteil. Und alle sind ihm ans Herz gewachsen. Wenn Schairer fährt, sitzt er vor dem Fernseher, wenn Altach Meister wird, ist er dabei, wenn Weirather leidet, leidet er mit.

Und sie alle schätzen und vertrauen ihm. Ihm, Martin Hämmerle, dem Mann mit den magischen Händen.

ZUR PERSON

Martin Hämmerle, geboren am 29. Juni 1983 in Dornbirn.

Beruf: Bereichsleiter Phy­siotherapie und Massage im Sportservice Dornbirn

Hobbys: Sport (zum Beispiel Skibergsteigen, auch Wettkämpfe), Musik.

Privat: Verheiratet, keine Kinder, wohnt in Schwarzach.

Seine „Kunden“ sind die Vorarlberger Kaderathleten und die Kooperationspartner des Sportservice. Die Profimannschaften (Fußball, Handball) zum Beispiel zahlen voll für Hämmerles Leistungen.

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.