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Der Viehböck geht, sein Erbe bleibt

Wolfurt-Keeper Thomas Fetz beendet mit Ende der Saison seine Karriere. Der 37-Jährige ist nicht nur in Wolfurt eine Legende.

EMANUEL WALSEr

Wenn einer wie Thomas Fetz von der Fußballbühne abtritt, müssen zum Salut die richtig großen Geschütze aufgefahren werden. „Schließlich“, so Wolfurt-Coach Stipo Palinic, seit 20 Jahren Wegbegleiter und enger Freund von Fetz, „ist Viebi für Wolfurt das, was die Mona Lisa fürs Louvre ist. Er ist ein einzigartiges Unikat.“ Was ihn so einzigartig macht? „Er ist sportlich wie menschlich einfach top. Um einen wie ihn muss mich eigentlich jeder andere Trainer beneiden. Mir fällt beim besten Willen nichts Negatives zu ihm ein. Thomas könnte man auch für Predigten in der Kirche zum Vorbild nehmen.“ Heiligsprechungen gehorchen wohl einem ganz ähnlichen Wortlaut. Dabei steht der Wolfurt-Coach mit seiner Meinung bei weitem nicht alleine da. Ist vom „Viehböck“, respektive „Viebi“ – den Spitznahmen bekam er aufgrund seiner Ähnlichkeit mit dem Astronauten Franz Viehböck verpasst – die Rede, bleiben landauf landab die Superlative meist nicht aus. Deren kleinster gemeinsamer Nenner: Super Torhüter, sensationeller Typ. Wer ein so stolzes Erbe hinterlässt, der darf naturgemäß zufrieden auf sein sportliches Lebenserk zurückblicken: „Der Fußball hat mir unglaublich viel gegeben und mich auch als Mensch geprägt. Durch den Sport habe ich gelernt, nach Niederlagen wieder aufzustehen und stark zu blieben. Und das Schönste: Ich hatte immer Spaß an der Sache und habe über das Kicken jede Menge Freunde kennengelernt. Daher bin ich für die schöne Zeit einfach nur dankbar.“

Idealer Zeitpunkt

Auch wenn jedem Abschied eine gehörige Portion Wehmut innewohnt, so sieht Fetz doch den idealen Zeitpunkt gekommen, um die Tormannhandschuhe an den Nagel zu hängen: „Ich habe schon vor zwei Jahren angekündigt, dass mit Ende dieser Saison Schluss sein wird. Ich bin jetzt bald 38 – Spieler meines Jahrgangs sind in der Vorarlbergliga ja fast schon ausgestorben.“ Wer den Zeithorizont seiner Karriere kennt, der kann auch ganz bewusst Abschied nehmen. Das macht Fetz: „Ich nehme Spiel und Training jetzt sicherlich ein wenig intensiver wahr.“ Bei seiner Abschiedstournee durchs Vorarlberger Unterhaus folgt er einem ganz speziellen Ritual: „Egal, wo wir gerade spielen – nach der Partie gönne ich mir in aller Ruhe ein Bier und eine Wurst und plaudere mit alten Bekannten.“

Viel zu erzählen

Dabei dürfte ihm der Gesprächsstoff nicht so schnell ausgehen. Wer so lange dabei ist wie er, kann mit seinen Anekdoten ganze Bücher füllen. Gleich ob Drama oder Komödie, mit Happy End oder ohne – Fetz hat alle Facetten kennengelernt. Der sportliche Höhepunkt? „Ein Highlight war sicherlich das ÖFB-Cup-Spiel gegen Wiener Neustadt, das wir erst nach Elfmeterschießen verloren haben. Ich mag gar nicht daran denken, wie die Partie ausgegangen wäre, hätten wir in Bestbesetzung antreten können.“

Legendäre Pokalschlachten und Fetz – diese Kombination erlebte mehr als eine Auflage. Besonders zwei VFV-Cup-Halbfinalduelle haben sich einen Dauereintrag in seinem Langzeitgedächtnis gesichert: Der Triumph 2012 nach Elfmeterschießen über Bregenz als Höhepunkt, die Semifinalniederlage in Sulzberg (2007) als Tiefpunkt: „Über dieses Spiel rede ich heute noch nicht gern. Da gehen wir kurz vor Schluss in Führung und fangen uns, während wir noch am Jubeln sind, umgehend den Gegentreffer ein. Einfach unfassbar!“ Obwohl er mit Wolfurt meist eine gute Rolle spielte, blieb ihm ein großer Titel verwehrt. Ist seine Karriere also eine unvollendete? „Nein, ganz und gar nicht. Ich denke eigentlich nie darüber nach.“

Durfte er auch nie einen Meisterpokal in die Höhe stemmen, so hat er dem Fussball zumindest indirekt ein ungleich bedeutenderes Geschenk zu verdanken: seine Familie. „Vor zwölf Jahren habe ich meine Lebensgefährtin Claudia, die damals Masseurin beim FC Wolfurt war, kennengelernt. Mittlerweile haben wir zwei gemeinsame Kinder.“ Und so gibt’s zumindest drei Personen, die seinem Karriereende doch was Gutes abgewinnen können. Viele andere werden ihn zweifellos vermissen.

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