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Der Koloss von Lustenau tritt ab

Der 36-jährige Austrianer Jürgen Patocka hat gestern mit einem Einsatz gegen Vienna seine Karriere beendet. Patocka über seinen Abschied, seine Karriere und seine Pläne.

Wie fühlt es sich an, dass Ihre Profikarriere nun beendet ist?

JÜRGEN PATOCKA: Ein Lebensabschnitt von mir ist heute zu Ende gegangen. Aber es ist weit weniger emotional, als ich dachte. Ich durfte noch mal 40 Minuten spielen, was mich sehr gefreut hat. Dass wir gewonnen haben, ist natürlich sehr schön – wobei der Sieg sehr, sehr, sehr glücklich war. Normalerweise geht irgend ein Ball rein. So sind wir Zweiter. Ein schöner Abschluss.

Spüren Sie gar keine Wehmut?

PATOCKA: Nein, überhaupt nicht. Irgendwann kommt der Moment, da heißt es, aufzuhören. Ich hatte eine wunderschöne Zeit und durfte heute meine Profikarriere dort beenden, wo sie begonnen hat: in Lustenau. Dafür bin ich überaus dankbar.

Wie und wann sind Sie zum Fußball gekommen?

PATOCKA: Ich habe mit sechs Jahren in meiner Heimatortschaft Untersiebenbrunn zu spielen begonnen und bin im neunten Lebensjahr zu Rapid in die U10 gekommen. Ich war dann acht Jahre bei Rapid im Nachwuchs und spielte ein halbes Jahr bei der U21. Aber weil Rapid damals eine starke erste Mannschaft hatte, entschloss ich mich, zum FAC in die Regionalliga zu wechseln. Mit dem Ziel, wieder zurück zu kommen.

Wie sah zu jener Zeit Ihre Lebensplanung aus?

PATOCKA: Ich habe eine Lehre als Feinmechaniker gemacht und war acht Jahre bei meiner damaligen Firma. Dann kam das Angebot von Austria Lustenau.

Wie leicht oder schwer war es, das Angebot anzunehmen?

PATOCKA: Es war schon schwer. Ich fragte mich: „Willst du es riskieren?“ Meine Firma hat mir dann die Entscheidung erleichtert. Mein Chef sagte zu mir, dass ich nach einem Jahr wieder zurückkommen kann, wenn ich es in Lustenau nicht schaffen würde.

Sie haben es geschafft …

PATOCKA: Ich wurde von der Mannschaft sehr gut aufgenommen und habe mich sofort wohl in Vorarlberg gefühlt. Mir gefallen die Berge, die Natur und ich habe schon bald gesagt, dass ich es mir vorstellen könnte, hier sesshaft zu werden. In meinem dritten Jahr habe ich meine jetzige Frau kennengelernt.

Fast zeitgleich bekamen Sie das Angebot von Bundesligist Mattersburg. Wieder so eine Wende …

PATOCKA: Stimmt. Aber meine Freundin sagte, wenn das mein Ziel sei, soll ich es machen.

Ihre Karriere hat dann richtig Fahrt aufgenommen. Sie spielten Europa League mit Mattersburg, wurden Nationalspieler und sogar ihr großer Traum erfüllte sich: Rapid hat sie zurückgeholt.

PATOCKA: Trainer Peter Pacult hat mich angerufen und sagte, dass er mich unbedingt will. Ich war natürlich überwältigt. Rapid hatte damals mit Martin Hiden, Hannes Eder und Mario Tokic sehr starke Innenverteidiger. Ich habe mich trotzdem durchgesetzt, machte 35 Saisonspiele und ich bin in meinem ersten Jahr bei Rapid gleich Meister geworden. Es war also ein perfektes Jahr. Es folgte Europa-League-Gruppenphase, Champions-League-Quali, das Nationtalteam …

… und als Krönung die Nominierung zur Euro 2008.

PATOCKA: Wir waren mit dem vorläufigen 30-Mann-Kader auf Trainingslager in Sardinien. Dort hat dann Teamchef Pepi Hickersberger den endgültigen 23-Mann-Kader benannt. Es war ein ganz knappes Rennen zwischen mir und Francky Schiemer. Hickersberger hat sich für mich entschieden. Ich bin zwar nicht zum Einsatz gekommen. Aber bei einer Heim-EM dabei zu sein, war und ist unbeschreiblich. Ich werde diese Zeit nie vergessen.

Eine Anekdote aus Ihrer Karriere bitte …

PATOCKA: Ich hatte mal meine Vorderzähne nach einem Ellenbogencheck verloren und trug ein Provisorium. Wir spielten das Wiener Derby und ich merkte, wie das Provisorium nach jedem Kopfball lockerer wurde. Irgendwann ist es mir rausgefallen und ich musste es während des Spiels suchen. Der Ball war in der gegnerischen Hälfte, ich hab es gefunden und hielt es für die restlichen paar Minuten bis zur Pause in der Hand. In der zweiten Halbzeit spielte ich ohne Provisorium, was bedeutete, dass ich nicht lachen durfte. (lacht)

Wie geht’s weiter bei Ihnen?

PATOCKA: Ich habe den Ehrgeiz, auch als Trainer Karriere zu machen. Wie es konkret weitergeht, wird sich sehr bald zeigen. Ich werde die ganzen Lizenzen machen und alles von der Pike lernen.

Mit einem Wort: Ihre Karriere war …?

PATOCKA: … traumhaft!

Interview: Hannes Mayer

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