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schnorrawackler

Im Namen des Cupgesetzes

Das Strafgesetzbuch als Regelwerk sollte hinlänglich bekannt sein. Jeder hat sich daran zu halten. Von Politikern erdacht, kennen Richter und Anwälte dieses Buch wie ihre eigene Westentasche. Doch es gibt andere, man möchte sogar sagen wichtigere, Gesetze. Gesetze, auf die Politiker keinen Einfluss haben, die in Stein gemeißelt sind: die Cupgesetze. Viel zitiert, doch nie durchleuchtet. Das Regelwerk gilt als Strohhalm, an den sich vermeintliche Außenseiter gerne klammern. Denn es besagt, dass sie gegen große Favoriten nicht chancenlos sind. Der Cup hat nämlich eigene Gesetze.

Wie in einem Zivilprozess stehen sich auch im Cupspiel zwei Parteien gegenüber. Deren Anwälte, im Fachjargon Trainer genannt, verfügen in der Regel über eine gute Fachkenntnis. Entscheiden dürfen sie allerdings nicht alleine, denn ein Fußballspiel ist wie ein Schwurgericht: Es braucht Geschworene.

Deren Anzahl und Verteilung ist im CGB (Cupgesetzbuch) klar geregelt. Jeder Anwalt darf elf Geschworene nominieren, die schon während der, in der Regel 90-minütigen, Verhandlung spielentscheidend eingreifen dürfen. Wenn nicht sogar müssen. Ein Urteil fällt nicht einstimmig, im Normalfall sind elf dafür und elf dagegen. Entscheidend ist eine Torwertung, welche die von Geschworenen erzielten Treffer zusammezählt. In Prozessen gegen höherklassige Gegner gewinnen aber meist Teams mit starken defensiven Geschworenen. Am Ende entscheiden sie meist über den Ausgang des Verfahrens.

Wie in der Justiz fungieren auch auf dem Platz – wo bekanntlich immer die Wahrheit liegt – Richter als Hüter des Gesetzes. Die Komplexität des Fußballsports erfordert gleich mehrere. Linienrichter sorgen dafür, dass sich die Geschworenen im Rahmen des Gesetzes bewegen. Überschreiten sie eine Grenze, wedelt der Richter elegant mit einer Seite aus dem CGB. Den Vorsitz hat ein sogenannter Schiedsrichter inne. Er muss den Überblick über den Gerichtssaal behalten, und passt ihm etwas nicht, greift er zur Pfeife – ein Werkzeug, das im Lichte des Hammers der Justitia geradezu kultiviert anmutet. Bei internationalen Gerichtshöfen bewachen Torrichter die Geschworenenbänke, am Stadtgericht Herrenried beispielsweise (siehe Bericht links) aber nicht. Auch Zeugen werden geladen – sie kommen allerdings freiwillig und zahlen meist sogar Eintritt, um dem Prozess beizuwohnen. Und egal wie heiß es ist, viele Zeugen kleiden sich auch im Hochsommer mit einem Schal.

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