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schnorrawackler

Sportkommentator mit Bildungsauftrag

Geht’s Ihnen so wie mir? Können Sie’s auch kaum erwarten, bis die Fußball-WM am Zuckerhut endlich losgeht? Ich will ehrlich sein: Natürlich freue ich mich nicht zuletzt auf spannende Spiele und spektakuläre Tore. Und selbstverständlich werde ich auch nicht gerade in dem Moment, in welchem eine brasilianische Sambatänzerin auf der Tribüne mit ihren Hüften wackelt, den Sittenwächter in mir entdecken. Doch wissen Sie worauf ich mich am meisten freue? Wenn ich mich ob der Logorrhö so mancher Sportkommentatoren vor Lachen biegen muss. Als Appetizer auf das, was kommen wird, seien ein paar Bonmots aus der Vergangenheit gereicht. Besonders grottesk wird’s meist dann, wenn sich Sportkommentatoren ihres Bildungsauftrags besinnen: „Auch ein paar Schwarze spielen für Deutschland. Auch Deutschland hatte ja viele Kolonien in Afrika“, klärte etwa Kommentator Kiyoshi Inoue während der Fußball-WM 2006 die japanischen Fersehzuschauer auf. In dem Mann scheint ohnehin ein Historiker zu wohnen: „Hier in Dortmund sieht man noch deutlich, dass hier früher das kommunistische Ostdeutschland war.“ Daraufhin der Ko-Kommentator: „Ist das wirklich schon Ostdeutschland?“ Inoue ließ sich nicht beirren und packte seinen ganzen Wissensfundus aus: „Ja, der Fluss Rhein war früher die Grenze. Wer da rüber wollte, wurde erschossen. Es gab nur eine Brücke, bei Remagen, die ist jetzt wieder aufgebaut.“ Ganz in seinem Element, hielt er erst inne, als er zwei europäische Spitzenpolitiker auf der Tribüne erspähte: „Der Mann, an den sich Angela Merkel da kuschelt, ist der italienische Präsident – Romano Berlusconi. Schon im Zweiten Weltkrieg arbeiteten Deutschland und Italien zusammen.“ Doch auch deutschsprachige Kommentatoren bewegen sich mitunter jenseits der Political Correctness. Heribert Faßbender, öffentlich-rechtlicher Fernsehdino, erklärte einst seinen Landsleuten die Welt: „Die Saudis sind übrigens Asienmeister, obwohl das ebensowenig Asiaten sind wie die Türken Europäer. Die Saudis haben ja gar keine Mandelaugen, wie man das von Asiaten erwartet. Das sind eher Araber statt Asiaten.“ Dass man Fragen der ethnischen Herkunft auch eleganter lösen kann, bewies Marcel Reif, der nicht umsonst als Sprachartist gilt: „Die Spieler von Ghana erkennen Sie an den gelben Stutzen.“ Zum Schluß ein Satz Reifs, der so schön ist, dass man ihn am liebsten siezen möchte: „Je länger das Spiel dauert, des­to weniger Zeit bleibt.“ Tja, so ist das wohl. Gott, wie ich mich auf die Weltmeisterschaft freue!

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