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Bereit für neue Herausforderungen

Dieter Alge, der den FC Höchst 2013 in die Regionalliga West führte, sitzt am Samstag gegen Bregenz zum vorletzten Mal auf der Trainerbank. Er ist erst 48, hat aber schon eine bewegte Karriere hinter sich.

GÜNTHER BÖHLER

In drei Saisonen hat Dieter Alge den FC Höchst wieder zu einem Topklub in Vorarlberg geformt. Im Sommer will er sich nun neu orientieren, daher ist das letzte Spiel vor eigenem Publikum für ihn mit großen Emotionen verbunden. „Es waren drei tolle und erfolgreiche Jahre mit dem FC Höchst. Ich bin dem Klub dafür sehr dankbar“, sagt der scheidende Chefcoach. Dass der Gegner am Freitag knapp vor Saisonende SW Bregenz heißt, ist für ihn ein weiteres Highlight in dieser Saison: „Es geht für beide Teams noch um sehr viel. Unser Ziel ist der zweite Platz in der Ländle-Wertung der Regionalliga West“, erklärt der 48-Jährige.

Voller Emotionen ist auch der fußballerische Werdegang des gebürtigen Dornbirners, der im Alter von acht Jahren seine ersten Schuhe bei Admira Dornbirn schnürte. Dabei spielte es keine Rolle, dass sein Vater als Aktiver im Lager des FC Dornbirn zu Hause war. Da damals beide Mannschaften auf der Birkenwiese ihre Heimstätte hatten, herrschte neben einer gesunden Rivalität auch Verbundenheit. Auf seinem Weg bis in die Kampfmannschaft der Admiraner, die Anfang der 80er in der Westliga spielten, machte Alge nach der Jugendklasse einen einjährigen Abstecher ins Bundesnachwuchszentrum (BNZ). Günther Kerber lotste das Ausnahmetalent, das schon als 12-Jähriger beim Technikerwettbewerb der österreichischen Schülerliga aufgefallen war, in die Vorarlberger Talenteschmiede.

Begegnung mit Pezzey

Dieser Technikerwettbewerb zählt für Alge heute noch zu den erlebnisreichsten und auch schönsten Erinnerungen in seiner Jungkicker-Zeit. „Als Landessieger wurde ich im Bundesfinale Zweiter und durfte gemeinsam mit dem Sieger aus Wien zur Fußball-WM 1978 nach Argentinien.“ Und der Höchster Erfolgscoach kann sich noch genau erinnern, dass sein ehemaliger Lehrer und Betreuer Wolfgang Karlinger – er stand bis 2013 dem Förderverein des FC Dornbirn vor – leider nicht mitdurfte. „Wir haben die Spiele der Vorrunde besucht, natürlich auch jene der österreichischen Nationalmannschaft. Wir waren einige Tage im selben Hotel wie das ÖFB-Team und ich durfte mit Bruno Pezzey und Herbert Prohaska im Sport-am-Montag WM-Studio auftreten. Nach knapp drei Wochen endete der Trip mit einem dreitägigen Ausflug nach Rio de Janeiro. Dieses Erlebnis werde ich nie vergessen“, verrät der gelernte Lithograph, der neun Jahre später mit seinem nächsten persönlichen Highlight aufwartete. Eigentlich nicht verwunderlich, denn bei der IG Bregenz/Dornbirn schnupperte der Mittelfeldakteur in der Saison 1986/87 nicht nur erstmals Luft in der zweithöchsten österreichischen Spielklasse, sondern empfahl sich mit zehn Treffern auch für höhere Aufgaben.

Diese folgten durch ein zweijähriges Engagement beim FC St. Gallen (Nationalliga A), wo der damals 21-Jährige mit Größen wie Ivan Zamorano und Marco Tardelli (69-facher chilenischer und 81-facher italienischer Nationalspieler) in einer Mannschaft stand. Verschiedene Zeitungsausschnitte aus dieser Zeit zeigen, dass sich Dieter Alge in der Schweiz schnell einen guten Namen machte: So wurde etwa nach einem 2:0-Sieg gegen Luzern berichtet: „Grenzgänger Alge, der diesen Sommer von Bregenz/Dornbirn aufs Espenmoos kam, riss in seinem sechsten NLA-Einsatz keck den offensiven Part an sich.“

Mit Hütter im Duett

Die Grenzgänger-Regelung machte ihn jedoch nach zwei Jahren zum „Ausländer“ und da die Schweizer zu dieser Zeit vermehrt auf Südamerikaner setzten, kehrte Alge nach Österreich zurück. Von 1989 bis 1991 spielte er gemeinsam mit Adi Hütter beim LASK und in der Saison 1991/92 heuerte das Duo beim SCR Altach (Aufsteiger 2. Division) an.

Doch während der jetzige Salzburg-Coach Hütter nach dem Abstieg der Altacher seine Karriere beim GAK fortsetzte, entschied sich Alge früh für den Ausstieg aus dem Profibetrieb. „Ich habe mich damals für die sichere Seite entschieden. Obwohl ich wunderbare Zeiten in St. Gallen, Linz oder in Altach als Fußballer erlebte, habe ich den Schritt ins Berufsleben nie bereut“, erklärt Alge, der ab 1991 – daneben war er noch bis 2004 im Amateurbereich aktiv – sein fußballerisches Fachwissen als Redakteur im Medienbereich einbrachte. Nach seiner aktiven Karriere ging es übergangslos in den Trainerbereich. Für den dreifachen Familienvater war der Begriff Freizeit weiterhin ein „Fremdwort“.

Familienmensch Alge

„Fußball ist mein Leben. Er beinhaltet viele schöne Erlebnisse, aber auch Entbehrungen“, erzählt Alge mit funkelnden Augen. „Ganz wichtig ist die richtige Partnerin an der Seite zu haben, die diese Leidenschaft mit einem teilt.“ Und die hat der in Klaus wohnhafte Fußball-Lehrer schon in jungen Jahren gefunden. Birgit, mit der er seit 23 Jahren verheiratet ist, lernte er bereits als 18-Jähriger kennen. Auch seine Kinder Lisa-Maria (21) und Stefanie (20) sowie Sohn Philipp (18) teilten mit ihrem fußballverrückten Vater alle Höhen und Tiefen. So auch die Zeit, als sich vor zirka einem halben Jahr seine berufliche Laufbahn schlagartig änderte.

Visitenkarte abgegeben

Da sich aber bekanntlich hinter einer geschlossenen Türe immer wieder eine neue auftut, ist der Fußballexperte bereit für neue Herausforderungen. „Ich bin zuversichtlich, dass das Richtige kommt. Ich möchte mein gesamtes Know-how in meine neue Aufgabe einbringen“, erklärt Alge, der sich gut vorstellen kann in Zukunft hauptberuflich als Trainer oder Sportdirektor bei einem Klub zu arbeiten. Seine Visitenkarte dafür hat er jedenfalls in der diesjährigen Saison eindrücklich abgegeben. Westliga-Aufsteiger FC Höchst steht zwei Runden vor Ende der Meisterschaft vor dem FC Hard, FC Dornbirn und SW Bregenz.

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