interview

„Die EU ist eine tolle Sache“

Passend zur EU-Wahl spricht Altach-Spieler Felix Roth im „NEUE am Sonntag“-Interview über Politik, die EU und warum jeder wählen gehen sollte.

Ihnen eilt der Ruf voraus, dass Sie sich sehr für Politik interessieren. Ist dem so?

FelIX ROTH: Als Experte würde ich mich zwar nicht bezeichnen wollen, allerdings verfolge ich das politische Geschehen schon sehr aufmerksam und halte mich täglich über die diversen Medien auf dem Laufenden.

Ist Politik eigentlich auch in der Mannschaft ein Thema?

Roth: Dauerbrenner ist das Thema sicherlich keines. Doch kurz vor Wahlen kommt es schon mal vor, dass wir über Politik diskutieren.

Hat Ihre Fußballerkarriere Sie auch als politischer Mensch geprägt?

Roth: Auf jeden Fall. Als Fußballer durfte ich Menschen aus den verschiedensten Kulturkreisen kennenlernen. Wenn ich etwa mit Louis Mahop über dessen Heimat Kamerun oder mit Boris Prokopic über seine Kindheitserfahrungen in der damals noch sozialistischen Tschechoslowakei rede, ist das nicht nur interessant, sondern auch bereichernd. Aus der Vielfalt ergibt sich ja auch die Chance, von anderen zu lernen. Ich wage sogar zu behaupten, dass Fußballer in der Regel toleranter als der Bevölkerungsdurchschnitt sind.

Derzeit laufen ja die EU-Wahlen. Wie stehen Sie zu der Staatengemeinschaft?

Roth: Grundsätzlich ist die EU eine tolle Sache. Von der Zusammenarbeit profitieren ja letztlich nicht nur die Staaten, sondern jeder Einzelne von uns. Ich als in Öster­reich spielender deutscher Staatsbürger bin schließlich auch Nutznießer des freien Personen- und Warenverkehrs. Doch die EU ist nicht nur eine Wirtschaftsgemeinschaft, sondern vielmehr auch Garant für ein vereintes, stabiles, starkes und vor allem friedliches Europa. Denn Stabilität und Frieden sind auch auf unserem Kontinent keine Selbstverständlichkeit, wie sich derzeit etwa in der Ukraine zeigt.

In den vergangen Jahren wurde der europäische Gedanke durch die Finanz- und Wirtschaftskrise arg strapaziert. Glauben Sie, dass die EU gestärkt oder geschwächt aus dieser Krise hervorgehen wird?

Roth: Schwer zu sagen, zumal einige Länder immer noch wirtschaftlich schwächeln. Generell finde ich es aber gut, dass sich die Mitgliedsstaaten in schwierigen Zeiten solidarisch verhalten.

Sollte die Zusammenarbeit innerhalb der EU weiterhin verstärkt werden und die EU am Ende gar zu einem Bundesstaat nach amerikanischen Vorbild werden?

Roth: Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass die EU auch in Zukunft eine Gemeinschaft souveräner Staaten bleiben sollte. Fakt ist jedoch, das die Globalisierung längst Realität ist. Umso wichtiger ist es daher, dass sich die europäischen Länder auf einen gemeinsamen Konsens verständigen und diesen mittels der EU als übergeordnetes Organ auch umsetzen. Denn nur wenn wir als geeintes Europa auftreten, können wir auch in der Welt gestaltend Einfluss nehmen und letztlich das bewahren, was uns wichtig ist.

Was ist bewahrenswert, welche Werte machen Europa aus?

Roth: Ich denke, uns alle eint das Bekenntis zur Demokratie, zum friedlichen Miteinander, zur Vielfalt und nicht zuletzt zu einer sozial gestalteten Marktwirtschaft.

Wie bewerten Sie eigentlich den Fakt, dass es in fast allen euro­päischen Ländern Parteien gibt, die einen strikten Anti-EU-Kurs fahren?

Roth: Grundsätzlich ist es in einer Demokratie natürlich legitim, unterschiedlicher Auffassung zu sein. Man kann die EU befürworten oder auch nicht. Ich würde mir allerdings von allen Parteien wünschen, dass sie sich ihrer Verantwortung bewusst sind und die großen Themen in ihrer Komplexität ernst nehmen. Wahlkampf ist zwar legitim, doch ein Reim auf einem Plakat macht noch lange kein Argument…

Die Wahlbeteiligung dürfte sich gerade auf europäischer Ebene in Grenzen halten. Ist Nichtwählen auch ein politisches Statement?

Roth: Das ist es definitiv – allerdings ein bedenkliches. Leute, die nicht wählen, sind oft generell mit dem System unzufrieden und haben teilweise schon resigniert. Sich nicht am politischen Geschehen zu beteiligen ist im Grunde auch ein Akt der Hilflosigkeit. Und letzten Endes resultiert daraus auch die große Gefahr, dass diese Menschen dann von politischen Extremisten abgeholt werden.

Wieso sollten Menschen unbedingt bei den EU-Wahlen teilnehmen?

Roth: Erstens, weil die Demokratie ein hohes Gut ist. Und zweitens werden über die EU letzlich Entscheidungen getroffen, die uns alle angehen. Wahlen sind nun einmal eine Möglichkeit, sein eigenes Lebensumfeld aktiv mitzugestalten. Ich werde jedenfalls ganz sicher zur Wahl gehen.

Interview:

emanuel Walser

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