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interview

„Endlich wieder Rapid statt Hartberg“

Harri Dürr und Alexander Guem werfen einen Blick auf die abgelaufene Saison. Und wagen eine erste Prognose, was auf Altach, aber auch die Austria in der neuen Saison zukommt.

Herr Guem, Sie waren am Freitag im Schnabelholz. Was war das für ein Gefühl, als Ihre ehemaligen Mannschaftskollegen den Meisterteller bekamen?

Alexander guem: Ich habe mich sehr für die Spieler gefreut und mich natürlich daran erinnert, wie es damals bei mir war. Es ist ein wunderschönes Gefühl, den Meisterteller in den Händen halten zu dürfen. Du wirst von dem Gefühl überwältigt. An der Stelle gratuliere ich Altach herzlich zum Aufstieg. Ihr habt es verdient.

Herr Dürr, wie ist es Ihnen beim Anblick der Bilder von der Tellerübergabe ergangen?

Dürr: Mir ist bewusst geworden, wie extrem schade es ist, dass wir es mit der Austria in all den Jahren nie geschafft haben. Das wäre die Krönung gewesen. Altach ist ganz verdient Meister. Sie hatten den besten Kader und einen Trainer, der es verstanden hat, mit dem Kader umzugehen. Auch von mir die herzlichsten Glückwünsche.

So ein Aufstieg hat viele Väter …

Guem: Auf jeden Fall. Eine ganz wichtige Person ist aus meiner Sicht Präsident Johannes Engl. Er ist mit so viel Herzblut dabei, ist ein Visionär und immer positiv. Aber es stimmt auch, was Harri bezüglich des Kaders gesagt hat. Altach hatte in den letzten Jahren 13, 14 gute Spieler. In dieser Saison waren sie auf jeder Position doppelt besetzt.

Dürr: Mir hat imponiert, wie Altach mit der Favoritenrolle umgegangen ist. Der Verein hat ganz klar den Aufstieg als Ziel ausgegeben. Damit baust du Druck auf. Trainer Canadi hat es aber geschafft, dass die Mannschaft dieser Druck nicht hemmte. Er hat es sogar verstanden, dass dieser Druck die Mannschaft noch mehr antrieb. Ein Faktor war aber auch, dass Altach keinen echten Herausforderer hatte – wie in den Jahren zuvor mit dem WAC, der Admira oder wir mit Grödig. Altach ist im Frühjahr schon auch ins Straucheln gekommen, das dürfen wir nicht vergessen. Aber es war keine Mannschaft da, die Druck auf Altach ausüben konnte.

Guem: Diese Einschätzung teile ich voll und ganz. Kein Team konnte Altach unter Druck setzen. Trotzdem dürfen wir bei diesem Saisonrückblick die Austria nicht vergessen. Ihr zweiter Platz ist auch aller Ehren wert. Es ist schon ein Statement, dass Vorarlberg die Plätze eins und zwei in der Tabelle belegt.

Dürr: Das Trainergespann Helgi Kolvidsson und Hakan Karaosman haben das Maximum aus dieser Mannschaft herausgeholt. Natürlich kann man sagen, die Austria hätte aus den letzten Jahren lernen und einen breiteren Kader zusammenstellen müssen. Aber so ein Kader muss auch finanzierbar sein und Hubert Nagel ist keiner, der ein Risiko eingeht. Nur darum steht der Verein so gut da und ist gesund. Wenn du aber mit aller Macht aufsteigen willst, wäre es notwendig, mehr Risiko zu gehen.

Kann Altachs Aufstieg auch eine Chance für die Austria sein?

Dürr: Ich weiß, was Sie meinen. Natürlich ist mit Altach ein starker Gegner weg. Aber ich glaube nicht, dass es bei der Austria auch nur einen gibt, der froh über Altachs Aufstieg ist. Trotzdem hat sich Hubert Nagel als fairer Sportsmann gezeigt. Er hat anerkannt, was Altach geleistet hat und fair gratuliert.

Guem: Eine ganz große Geste war das Spalier stehen der Lustenauer. Das im eigenen Stadion zu machen war sicher nicht einfach. Ob Altachs Aufstieg eine Chance für die Austria ist, wird man sehen. Mit Innsbruck kommt ein attraktiver, im Moment noch schwer einschätzbarer Gegner aus der Bundesliga runter. Aus der Regionalliga steigen vielleicht Austria Salzburg und LASK auf. Die Austria wird in der neuen Saison also auf keinen Fall konkurrenzlos sein. Aber wenn sie ihren Kader verbreitern ist natürlich vieles möglich.

Meiner Meinung nach ist es schwerer aufzusteigen, als sich in der Bundesliga zu halten.

Guem: Auf jeden Fall. Beim Aufstieg muss immer alles passen. In der Bundesliga reicht’s, wenn du nicht Zehnter wirst. Ich kann nicht verstehen, warum es keine Relegation zwischen dem Neunten der Bundesliga und dem Zweiten der Erste Liga gibt.

dürr: Bei der Liga glaubt man, dass es zwei Mannschaften aus der Erste Liga nicht schaffen, in der Bundesliga mitzuspielen. Dabei hat die Qualität der Bundesliga enorm nachgelassen. Heute bist du nur noch gegen Salzburg chancenlos. Alle anderen kannst du schlagen.

guem: Früher gab es vier, fünf Mannschaften, gegen die nichts zu holen war. Jetzt reicht fast immer Normalform, um gewinnen zu können.

Was sagen Sie zur alljährlichen Posse um die Lizenzen? Erst bekomen ein, zwei Vereine die Lizenzen nicht …

guem: … und dann kriegen sie die Lizenz gegen Auflagen oder bekommen Punkte abgezogen. Ich verstehe das nicht. Wenn du gegen die Bedingungen verstößt und das teilweise immer wieder, kannst du doch nicht die Lizenz bekommen. Das gibt‘s nur bei uns. Ich kann ein Lied davon singen, ich war mal mit Altach Leidtragender. Als Steyr die Lizenz doch noch bekam und drei Monate später Pleite war.

Dürr: Es ist jedes Jahr das selbe Theater. Am Ende kriegen immer alle die Lizenz.

guem: Eigentlich sind diejenigen die Blöden, die seriös und vernünftig wirtschaften. Traurig.

Welche Rolle wird Altach nächste Saison spielen?

Guem: Es wäre vermessen zu glauben, dass Altach unter die ersten Fünf kommen muss. Was in dieser Saison Grödig oder zuvor die Admira geschafft hat, ist eine Ausnahme. Es kommt auch drauf an, wen sie holen. Ich sehe sie auf Platz sieben, acht.

Dürr: Wie schon angesprochen glaube ich nicht, dass die Teams aus der zweiten Tabellenhälfte viel besser als Altach sind. Sie müssen sich aber in jedem Mannschaftsteil verstärken.

Guem: Altach wird auf jeden Fall einen Innenverteidiger holen, der die Chefrolle übernimmt. In der abgelaufenen Saison war Canadi durchwegs auf der Suche nach einem Partner von Benedikt Zech in der Innenverteidigung – Zech ist für mich übrigens der Aufsteiger der Saison. Mal hat Pöllhuber neben ihm gespielt, mal Neuhold, zuletzt Netzer. Außerdem müssen sie einen Stürmer holen, der neben oder statt Hannes Aigner spielen kann. Auch der ein oder andere Perspektivspieler muss und wird kommen.

Wie schwer würde es Altach treffen, wenn Canadi ginge?

GUEM: Ich glaube, sein Abgang würde keinen großen Unterschied ausmachen. Weil es keinen Umbruch gibt und Altach im Hintergrund schon intensiv an drei, vier Neuzugängen arbeitet. Der Kader steht also. Abgesehen davon bin ich der Meinung, dass Canadi bleibt.

DÜRR: Die Frage ist, ob er eine Ausstiegsklausel hat oder nicht.

Guem: Ich lese immer wieder, dass er in diesem Jahr noch nicht geht. Die Frage ist aber, ob er im nächsten Jahr wieder so eine Chance bekäme. Austria Wien ist einfach eine andere Dimension. Als Meistertrainer zu Austria Wien gehen hätte was.

So oder so: Vorarlberg hat wieder einen Bundesligisten.

GUEM: Endlich wieder Rapid statt Hartberg, Salzburg statt Vienna. Wichtig für die Zuschauerentwicklung wäre, dass Altach einen guten Saisonstart hinlegt. Natürlich kommt es auch aufs Wetter an.

Dürr: Wenn Altach gut spielt, kommen die Zuschauer auch wenn es schneit.

GUEM: Ja, stimmt schon. Mein Sohn ist Rapid-Fan. Jetzt kann er sie endlich spielen sehen.

DÜRR: Ah! Ein Grün-Weißer.

Guem: Ja, aber er darf die Farben nie tragen. (lacht)

Interview: Hannes mayer

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