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schnorrawackler

Fad, fader, Formel 1

Unlängst ließ ich den jährlichen Gesundheitscheck über mich ergehen und hatte mich mental schon auf die bekannte Leier eingestellt: „Dein Blutdruck ist zu hoch, ernähre dich gesünder, mach ein bisserl Sport, lass es bei einem Feierabendbier bleiben.“ Und der Evergreen: „Reg dich nicht immer so auf!“ Doch anstatt zur üblichen Predigt anzustimmen, blickte mich der Arzt meines Vertrauens nach getaner Untersuchung nur ernsthaft an und erkundigte sich mit sorgvoller Miene nach meinem Befinden: „Wie geht’s dir? Ist eh alles in Ordnung?“ Ui, das war mir dann doch eindeutig zu mitfühlend. Die Panik stieg in mir hoch. War’s das jetzt? Dabei hatte ich noch so viel vor in meinem Leben, wollte mich doch unter anderem gesünder ernähren und Sport machen. Als Antwort brachte ich nur ein zögerliches Nicken zustande, um schließlich mit brüchiger Stimme fortzufahren: „Warum? Bin ich etwa krank.“ „So kann man das nicht sagen,“ meinte er nur verhalten optimistisch: „Dein Blutdruck ist allerdings viel zu niedrig.“ Zu niedrig?! Jetzt schauten wir beide etwas blöd aus der Wäsche. Aber zum Glück sammelte sich mein Arzt schnell wieder und fragte mich in gewohnter Professionalität: „Was hast du denn die letzten Tage so getrieben.“ Eine selten dämliche Frage. „Formel 1 geschaut natürlich. Erstes Training, zweites Training, Qualifying, Warm up und Rennen. Sonst war da nix.“ Eine Fährte legte ich meinem Dottore damit offenkundig nicht. Mit einer belanglosen Bemerkung versuchte er seine Ratlosigkeit zu umspielen: „Und wie war’s?“ Normalerweise lasse ich auf so eine Frage einen 30-minütigen Monolog über spektakuläre Überholmanöver, technische Details und Boxenstrategie folgen. Doch diesmal wollte ich einfach nicht in Fahrt kommen. Ja wie war’s eigentlich? So recht konnte ich mich gar nicht mehr erinnern. Trainings, Qualifying, sogar das Rennen schienen keinen bleibenden Eintrag in meinem Gedächtnis hinterlassen zu haben. Keine Highlights, keine Unfälle, einfach nichts. Nur Autos, die im Kreis fahren, das Heulen der Motoren, begleitet vom monotonen Gelaber der Kommentatoren. Brumm brumm, bla bla, brumm brumm, bla bla …

„Aufwachen!“ Jetzt war ich doch tatsächlich eingenickt. Mein Arzt aber blickte mich nur milde lächelnd an und nickte, als hätte er gerade eine Eingebung: „Dann war’s also ziemlich fad, oder?“ „Ja, todlangweilig“, gab ich eher beiläufig zur Antwort, galt mein Interesse doch ungleich Bedeutenderem: „Was ist nun mit meinem Blutdruck? Kann man das medikamentös behandeln?“ „Kann man, muss man aber nicht“, dozierte der Mann in Weiß siegessicher: „Ich denke, es reicht schon, wenn du beim nächsten Grand Prix auf die Trainings und Qualifying verzichtest – scheint ja ein ziemliches Narkotika zu sein, diese Formel 1.“

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