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Ein fast historischer Bauchfleck

So schnell kann’s gehen: Tausende Fans erlebten auf der Planai ein österreichisches Debakel und den Sensationserfolg eines russischen Steirers.

MICHAEL SCHUEN

Marcel Hirscher wäre am liebsten gleich direkt abgebogen und aus dem Zielraum hinausgefahren, als nicht eine „1“ auf der Anzeigentafel aufschien, sondern zwei – „11“ stand da zu lesen. Und Hirscher schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Platz 14 war es am Ende, so schlecht war Österreich seit 2006 nicht mehr, als im ersten Slalom von Alta Badia kein einziger Österreicher in der Rangliste aufgeschienen war. Und in Schladming war es im 18. Rennen überhaupt erst das dritte Mal, das kein Österreicher am Podest war.

Damals war übrigens auch kein Russe im Klassement zu finden, im Gegensatz zu dieser Saison, in der ein gewisser Alexander Choroschilow in jedem Slalom unter die ersten Zehn fuhr. Der Sprung ganz nach oben war eine Frage der Zeit – und gelang just im vielleicht wichtigsten Weltcuprennen der Saison: Der 30-Jährige distanzierte die Konkurrenz, legte schon in Lauf eins bei dichtem Schneefall eine Fabelzeit in den Schnee und fuhr im zweiten Lauf sicher zum Sieg – 1,44 Sekunden Vorsprung hatte er am Ende. Eine Zeit, mit der er den „angesagten“ Favoriten einiges an Rätseln mit auf den Weg zur WM gab.

So wie auch Marcel Hirscher, der „einfach schlecht Ski gefahren ist“, wie er erklärte. Natürlich, da war die leichte Grippe, die ihn nach Kitzbühel erwischt hatte. Und der dichte Schneefall im ersten Lauf, wegen dem Hirscher kurz den Skistock losließ, um sich die Brille zu putzen – so etwas kostet Zeit.

„Bald wieder anknüpfen“

„Auf Eis geht alles super,“, analysierte Hirscher, „aber irgendwie habe ich die Form verloren. Und auf Naturschnee (und davon gab es an diesem Abend genug), wenn es nicht knackig ist, dann tue ich mir einfach schwer. Da wartet Arbeit.“ Zumal Hirscher bei der WM in Vail wohl eher Verhältnisse wie in Schladming erwarten als knackiges Eis. „Da wartet Arbeit. Ich muss schauen, dass ich wieder ins Fahren komme, sonst bin ich dort nur zum Zuschauen dabei.“

Nicht nur er – wenngleich man auf Hirscher hoffen darf, wie er selbst meinte: „Ich werde nicht lockerlassen und nach ein paar Tagen Pause arbeiten. Und dann, glaube ich, kann ich schon bald wieder anknüpfen.“ Wenngleich Hirscher dafür eventuell auch den Plan, bei der WM in der Kombination zu starten, aufgeben wird: „Im Moment kann ich mir nicht vorstellen, am Freitag in den Flieger zu steigen.“ Bei den anderen Österreichern ist selbst die Hoffnung auf eine Leistungsexplosion verwegen.

Eine Explosion, die Choroschilow gelungen ist – ein Jahr nach den verpatzten Olympischen Spielen in seiner Heimat. „Darüber mag ich aber nicht reden, da lief einfach alles falsch.“ Aber Choroschilow, der während des Winters in Ramsau wohnt, arbeitete mit seinem slowenischen Trainer Jani Hladnik noch härter. „Heuer habe ich auch das Selbstvertrauen gefunden, ich weiß, dass ich schnell sein kann.“ Endlich bewies der Hobby-Maler und Jung-Papa, der aus Kamtschatka stammt, aber schon lange in der Nähe von Moskau lebt, dass er es auch in zwei Läufen kann.

Und für seine Leistung erntete er Bewunderung: „Gewaltig“, meinte Felix Neureuther, den nur die Abgebrühtheit des Russen wunderte: „Hätte ich hier mein erstes Rennen gewonnen, wäre ich nackt durchs Ziel gelaufen vor lauter Auszucken.“

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