Kampf gegen den Komplex

Maria Scharapowa spielt im Finale der Australian Open nicht nur gegen Serena Williams, sondern auch gegen einen in 15 Niederlagen gereiften Komplex.

Maria Scharapowa würde gut daran tun, sich im Melbourne Park mit Tomas Berdych auf ein feines Kaffeepläuschchen zu treffen. Dort könnte sie dann versuchen, dem Tschechen sein Rezept, welches ihm im Viertelfinale der Australian Open zum ersten Sieg über Rafael Nadal nach 17 Niederlagen in Serie verhalf, zu entlocken. Denn auf die Russin wartet im samstägigen Damen-Finale eine ähnlich unlösbar anmutende Aufgabe. So stolzierte ihr Gegenüber, Serena Williams, bei den letzten 15 Aufeinandertreffen jeweils als Siegerin vom Platz und überließ Scharapowa dabei nur drei Sätze.

Das bislang packendste Duell lieferten sich die Nummern eins (die wird Williams auch bei einer Niederlage gegen die Sibirerin bleiben) und zwei der Weltrangliste vor zehn Jahren in Melbourne. Da kämpfte sich Williams im Semifinale zu einem 2:6, 7:5, 8:6-Triumph und feuerte damit den Startschuss für ihren Siegeslauf gegen Scharapowa ab.

Da stellt sich die Frage, ob im mit Spannung erwarteten Endspiel überhaupt etwas für die um sechs Jahre jüngere Blondine spricht, oder ob sie sich die Mühe gleich sparen und stattdessen Urlaub im australischen Sommer machen sollte? Denn Williams bestreitet in Melbourne zum sechsten Mal ein Finale – in den ersten fünf holte sie stets den Titel. Eine Tatsache, die Scharapowas Williams-Komplex weiter füttern dürfte.

Kein Spaziergang

Aber: Im Gegensatz zu vergangenen Jahren konnte die nicht jünger werdende Amerikanerin heuer nicht mehr so sorglos ins Endspiel spazieren. So gab die 18-fache Grand-Slam-Siegerin in den bisherigen sechs Matches 40 Games ab (um acht mehr als Scharapowa). Die Russin, die sich nicht nur als bestverdienende Sportlerin, sondern auch immer wieder mit frühen, unerklärlichen Niederlagen einen Namen gemacht hat (in der zweiten Runde entging sie einer solchen gegen Alexandra Panowa erst nach Abwehr von zwei Matchbällen), präsentierte sich wiederum ab dem Beinahe-Aus so konstant wie selten zuvor (48:15 Games).

Für Scharapowa ist es ihr zehntes Grand-Slam-Finale. Und es wäre ein guter Zeitpunkt, das zehnjährige Niederlagen-Jubiläum gegen Williams zu verhindern. Jedoch muss sie dafür nicht nur ihre Gegnerin, sondern auch ihren Komplex bezwingen.

ALEXANDER TAGGER

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