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Der Handball verkaufte sein Gesicht

Im WM-Finale gegen Frankreich wird für Katar heute (17.15 Uhr) nichts zu holen sein. Aber die „Supermoderne des Sports“ definiert Katar immer neuer.

GERALD POTOTSCHNIG

Bis Mittwoch konnte es den Deutschen ja herzlich egal sein, was die reichen Männer aus der Wüste mit ihrer Kohle anstellen“, schrieb die Tageszeitung „Die Welt“. Aber spätestens nach dem Mittwoch, da war im Handball nichts mehr, wie es zuvor einmal war.

Als Österreich drei Tage zuvor, mit einem Bein schon im Viertelfinale, von Katar aus der WM geworfen wurde, sagte Teamchef Patrekur Johannesson zynisch lachend: „Ich glaube, Katar wird Weltmeister.“ Ernst genommen hat ihn keiner. Inzwischen hat Torhüter Thomas Bauer in einem „Welt“-Interview gesagt, er sei sich „noch nie dermaßen betrogen vorgekommen“.

Gekaufte Pfiffe . . .

Die Deutschen und inzwischen auch Polen wissen, was Bauer meinte. „Wir sind Gäste hier und man muss aufpassen, was man sagt. Aber jeder, der ein bisschen Ahnung vom Handball hat, der weiß, was ich meine“, sagte der deutsche Tormann Silvio Heinevetter. Und die Polen, im Semifinale als haushohe Favoriten an Katar gescheitert (29:31), applaudierten dem Schiedsrichter-Duo aus Serbien hämisch lachend und demonstrativ.

Mit knapp 100 Millionen Euro hat sich die arabische TV-Station Al Jazeera die Fernsehrechte und damit die Handball-WM für Katar gekauft. Al Jazeera hat seinen Firmensitz in Doha, gegründet wurde der Sender vom Vater des heutigen Emirs von Katar, Tamim bin Hamad Al Thani (34). Zehn der Handballer von Katar sind im Land, für dessen Nationalteam sie spielen, selbst nur Gäste. Sie haben bereits für das frühere Jugoslawien, für Frankreich, Spanien und Kuba, für Bosnien, Serbien und Montenegro Länderspiele absolviert. Nur sechs der Katarer sind in Katar auf die Welt gekommen.

. . . gekaufte Stars

Nationaltrainer Valero Rivera Lopez (62), vor zwei Jahren noch Weltmeister mit Spanien und zuvor mit 70 Titeln in 22 Jahren beim FC Barcelona erfolgreichster Klubtrainer aller Zeiten, sprach über das „Angebot seines Lebens“, das er von Katar erhalten habe. Von einem jährlichen Grundgehalt von einer Million Euro ist die Rede.

Jeder Teamspieler erhält für jeden Sieg 100.000 Euro. Sieben Mal hat Katar bereits gewonnen. Und für das Semifinale zahlt der Emir von Katar jedem Einzelnen zusätzlich eine Lebensrente von 175.000 Euro pro Jahr. Gegen den Ex-Weltmeister, Europameister und Olympia-Sieger Frankreich ist Katar heute im Finale zwar krasser Außenseiter. Aber „Katar definiert die Supermoderne des Sports neu“, schreibt die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Da nimmt man ein vorübergehend verkauftes Gesicht des Handballs schon hin.

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