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interview

Sportlicher Erfolg, aber nicht um jeden Preis

Der HC JCL BW Feldkirch zieht sich mit Saisonende aus der höchsten Spielklasse der Damen (WHA) zurück. Der scheidende Obmann Franz Füchsl spricht über den Ausstieg, fehlende ­Sponsoren, das Problem mit dem Nachwuchs und die Gründe für seinen Rücktritt.

Ein Mitgrund für den Ausstieg aus der WHA ist die finanzielle Lage. Wie steht es um den Verein, ist ein Konkursverfahren anhängig?

Franz Füchsl: Nein, dem Verein geht es finanziell ausgezeichnet. Aber damit das so bleibt, haben wir diese Maßnahme gesetzt. Es fallen mit Saisonende Sponsoren weg, darunter auch der Hauptsponsor, und wir sind ein Amateurverein mit einem verhältnismäßig geringen Budget. Die Teilnahme an der WHA reißt finanzielle Löcher auf, von denen ich mir im Moment nicht vorstellen kann, wie wir die stopfen sollen.

Sprich, der Rückzug aus der obersten Spielklasse ist eine Vorsichtsmaßnahme?

Füchsl: Es ist eine Maßnahme, damit der Verein auch weiterhin auf gesunden Füßen steht. Wir können unmöglich in eine Saison starten, in welcher wir dermaßen finanzielle Belastungen haben. Wenn wir das tun würden, wären wir in spätestens zwei Jahren kein gesunder Verein mehr.

Seit wann ist der Vereinsführung bekannt, dass der Spielbetrieb in der ersten Liga nicht aufrecht zu erhalten ist?

Füchsl: Unser Hauptsponsor hat uns zum Ende des vergangenen Jahres mitgeteilt, dass er diese Aufgabe nach auslaufen des Vertrages im Sommer nicht mehr übernehmen kann.

Die Entscheidung kam aber dann doch für viele überraschend und sehr plötzlich.

Füchsl: Das wirkte vielleicht nach außen hin so, aber wir wollten, bevor wir die Meldung publik machen, mit den Betroffenen das Gespräch suchen. Das waren in diesem Falle natürlich die Damen der ersten Mannschaft. Die Planungen und Entscheidungen waren aber nicht kurzfristig. Wir haben bereits vor ein paar Monaten begonnen, uns über die Situation Gedanken zu machen und eventuelle Szenarien durchzugehen.

Wie haben es die Spielerinnen aufgenommen?

Füchsl: Sie waren natürlich überrascht, weil sie zu recht meinen, wir wären ein gesunder Verein. Das stimmt, wir stehen finanziell gesichert da und haben keine Probleme. Aber die angekündigten Schritte sind notwendig, um das auch für die Zukunft zu sichern.

Habt ihr noch laufende Verträge mit Spielerinnen?

Füchsl: Wir zahlen nur Fahrtkostenzuschüsse und Aufwandsentschädigungen. Daher haben wir längerfristig keine Verträge mit Spielerinnen.

Gab es Versuche, andere Sponsoren zu finden?

Füchsl: Im Raum Feldkirch ist es sehr schwierig, weil hier nicht viele Wirtschaftsbetriebe angesiedelt sind, die in Betracht kommen. Die große Wirtschaftsfläche liegt zwischen Bregenz und Dornbirn und somit nicht in unserem Bezirk. Wir hatten immer schon Probleme, Sponsoren an Land zu ziehen, und auf den Erfahrungswerten beruhend, kann ich mir kaum vorstellen, dass wie Phönix aus der Asche ein potenter Sponsor auftaucht und uns unterstützt.

Kann der Vorarlberger Verband nicht finanziell aushelfen?

Füchsl: Als Vizepräsident des Verbands kenne ich die Lage natürlich sehr gut und man darf nicht vergessen, dass wir ein kleiner Verband mit acht Vereinen sind. Wir haben überhaupt kein Geld und kämpfen selber um gewisse Finanzierungsmöglichkeiten für Nachwuchsmodelle. Der Verband kann da keine Unterstützung geben.

Sollte sich ein Geldgeber finden, würdet ihr dann in der WHA weitermachen?

Füchsl: Wir von der Vereinsführung sind zu allen Seiten offen. Es ist eine frühzeitige Bekanntmachung unserer geplanten Maßnahmensetzung, wobei wir immer ein offenes Ohr haben. Sollten sich die Rahmenbedingungen ändern, dass wir ohne Probleme weiter planen können, dann wären wir sehr glücklich. Doch das Problem ist tiefergehend und nicht nur finanzieller Natur.

Du sprichst die personelle Situation an.

Füchsl: Ja, es haben vor der Saison acht Spielerinnen aus der ersten Mannschaft beschlossen, ihre WHA-Karriere zu beenden und sind in die zweite Mannschaft gewechselt. Das sind acht Spielerinnen, die uns im Kader fehlen und die nicht von heute auf morgen zu ersetzen sind. Die Basis in der WHA, und da spreche ich von jedem WHA-Verein, ist der eigene Nachwuchs. Diese Eigengewächse werden dann durch ein paar auswärtige Spielerinnen verstärkt. Bei uns ist es aber seit der vergangenen Saison so, dass mehr auswärtige bei uns spielen als eigene. Diese sind zwar auch Amateure und spielen zu günstigen Konditionen für uns, aber uns fehlt der Unterbau.

Woran liegt das?

Füchsl: Die eigenen Spielerinnen sind nicht mehr bereit, die Mühen des Meisterschaftsbetriebs auf sich zu nehmen. Unter Mühen verstehe ich unter anderem die Auswärtsfahrten. Jedes zweite Wochenende wird geopfert, denn der nächstgelegene Gegner, Dornbirn ausgenommen, ist im Raum Wien/Niederösterreich oder in der Steiermark angesiedelt. Da ist der Aufwand für die Mädchen in dem Alter zu hoch, was ich auch absolut verstehen kann. Sie sind bereits im Jugendalter nicht mehr bereit, diese Strapazen unter diesen Voraussetzungen auf sich zu nehmen.

Das Problem, junge Nachwuchshoffnungen an die erste Mannschaft heranzuführen, hat nicht nur Feldkirch, sondern ist auch bei anderen Vorarlberger Vereinen zu beobachten. Hat der Handballboom in Vorarlberg abgenommen?

Füchsl: Das sehe ich überhaupt nicht so. Der Handball boomt nach wie vor. Wir sind aber aufgrund der geografischen Lage benachteiligt. Ein Jugendlicher in einem Wiener Verein hat im Jahr zwei weitere Fahrten in den Westen, wir müssen die 650 Kilometer nach Wien und Umgebung fast jedes zweite Wochenende auf uns nehmen. Die Jugendlichen sind im Schulalter und haben in der Schule oder im Beruf schon große Belastungen. Lehrlinge zum Beispiel müssen sich nicht selten frei nehmen, um überhaupt ihren Sport ausüben zu können. Unsere Jugendspieler haben den viel größeren Zeitaufwand. Ein Spiel im Osten bedeutet eigentlich ein kaputtes Wochenende für die Jungen.

Nicht nur Feldkirch zieht sich aus der WHA zurück, sondern auch Du legst deine Ämter als Obmann des Verein nieder. Was sind die Gründe?

Füchsl: Ich möchte klarstellen, dass mein persönlicher Rücktritt nicht für die Vorgangsweise des Vereins entscheidend war. Ich werde im nächsten Jahr 61 und bin schon seit vielen Jahren als Obmann tätig. Jetzt ist die Zeit gekommen, dass junge Kräfte neuen Schwung in den Verein bringen.

Gibt es schon Kandidaten für Deine Nachfolge?

Füchsl: Ich habe den Fehler gemacht, dass ich zu viele Aufgaben auf meine Funktion als Obmann konzentriert habe. Dadurch wirkt die Tätigkeit im ersten Moment vielleicht ein bisschen abschreckend. Es muss also eine Aufgabenteilung geben, und wir müssen es auf viele Schultern verteilen. Dennoch wird es jemanden brauchen, der die Verantwortung am Ende übernimmt. Die Position ist aber noch vakant und ein Nachfolger steht definitiv noch nicht fest.

Deine Zeit als Obmann endet mit dem Austritt aus der WHA. Das ist nicht gerade der Ausstieg, den man sich nach so langer Zeit im Verein wünscht.

Füchsl: Das ist richtig, aber ich fühle mich eher verpflichtet, einen gesunden und funktionierenden Verein zu hinterlassen und nicht einen, der sportlich um alles in der Welt den Erfolg zu Lasten der Wirtschaftlichkeit sucht. Ich möchte, dass der Verein weiterhin auf die Jugendarbeit setzt, was uns im männlichen Nachwuchs ganz hervorragend gelingt. Die eigene Jugend ist das Kapital für jeden Verein.

Wirst Du neben Deinem Amt in Feldkirch auch Deine Funktion als Verbandsfunktionär mit Saisonende ruhen lassen?

Füchsl: Nein, das hat damit nichts zu tun. Das Präsidium wurde im vergangenen Jahr für die nächsten drei Jahre bestätigt, und dieser Verpflichtung werde ich auch nachkommen.

Interview: Sebastian Rauch

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