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Was von den EYOF bleibt

Ein selektiver Rückblick auf die zurückliegenden Europäischen Olympischen Jugendspiele. Ein Rückblick auf die Euphorie, die Triumphe, die Helfer und das, was uns die EYOF lehrten.

Hannes Mayer

die EYOF 2015 in Vorarlberg und Liechtenstein sind Geschichte. Fast ganz Europa war in der Region zu Gast, nach fast ganz Europa gingen die Bilder aus der Region mit den sportlichen, ambitionierten, aber immer fairen Wettkämpfen in acht Disziplinen. Rund 25.000 Zuschauer lockten die Jugendspiele an, aus EOC-Kreisen war zu vernehmen, dass noch nie so ein großes Publikum die EYOF-Bewerbe verfolgte. Das Konzept der länderübergreifenden Austragung ist vollends aufgegangen.

Viele regionale, nationale und internationale Größen aus Sport, Kultur, Wirtschaft, Politik und Sportpolitik besuchten die EYOF-Wettkämpfe. Doch für die Magie in dieser Woche waren vor allem die jugendlichen Teilnehmer verantwortlich. Viel zum Gelingen der Jugendspiele beigetragen hat ein 17-Jähriger aus Bartholomäberg: der Skirennläufer Pascal Fritz. Seine Goldmedaille im Riesentorlauf am ersten Wettkampftag entfachte eine Welle der Euphorie, von der die gesamten Spiele getragen wurden. Nicht nur deshalb ist Fritz, zumindest aus heimischer Sicht, der Sportler dieser EYOF. Zwei Goldmedaillen heimste der Montafoner ein und ließ dabei vieles von jenem Stoff aufblitzen, aus dem Champions gemacht sind. Im Riesenslalom behielt er als Halbzeitführender im Hundertstelkrimi mit seinen Konkurrenten die Nerven und schaffte das, was im Weltcup nur die Allerwenigsten beherrschen: als Führender nach dem ersten Durchgang das Rennen zu gewinnen. Fritz erinnert sich: „Als ich vor dem zweiten Durchgang mit dem Lift rauf zum Start gefahren bin, saß ein Kollege neben mir. Er meinte: Ich möchte jetzt nicht in deiner Haut stecken. Aber ich habe die Sache von der anderen Seite gesehen. Ich sagte mir, dass ich der einzige Läufer bin, der im zweiten Durchgang nichts aufholen muss.“ Fritz steckte auch sein Ausscheiden im Slalom am Donnerstag weg. Ein Aus, das er in Kauf genommen hatte, weil er als Elfter nach dem ersten Durchgang volles Risiko gegangen war – um es vielleicht doch noch in die Medaillenränge zu schaffen. Am letzten Wettkampftag trug Fritz im Teambewerb sowohl im Viertelfinale als auch im Finale als Schlussläufer die Last der Verantwortung auf seinen Schultern – und sorgte zwei Mal dafür, dass das rot-weiß-rote Team jubeln konnte. Erst über den Halbfinaleinzug, dann über Gold.

Jetzt geht’s erst los

Der möglicherweise emotionalste Augenblick dieser EYOF war, als die Göfnerin Katharina Liensberger am Mittwoch Bronze im Slalom holte. Tags zuvor war sie nach ihrem achten Platz im Riesentorlauf bitter enttäuscht und wurde unter anderem von ihrer Oma aufgebaut. Doch nicht nur ihre Familie und ihre Freunde glaubten an sie, auch Trainer Gert Ehn und vor allem: sie selbst. Als Fünfte nach dem ersten Durchgang griff sie an und schaffte den Sprung auf Platz drei.

Der Gefühlssturm, der danach bei der Göfnerin frei wurde, zog alle in ihrer Nähe in den Bann. 24 Stunden zuvor war Liensberger noch den Tränen nahe und brachte kaum ein Wort heraus. Jetzt wirkte sie wie von einer Last befreit. Wer sich je gefragt hat, wie schwer die eigenen Erwartungen auf den Schultern eines Sportlers wiegen, bekam in diesem Augenblick die Antwort. Aus Liensberger sprudelten die Schilderungen auf herzlichste Weise nur so heraus. Und auch beim Teambewerb lieferte sie mit ihrem gewonnen Lauf im Achtelfinale sowie ihrem Teamgeist einen wichtigen Beitrag zur Goldmedaille.

Ex-Abfahrtsweltmeister Michael Walchhofer resümiert: „Die Erfolge sind für Pascal Fritz oder Katharina Liensberger Meilensteine in ihren Karrieren, die ihnen auch eine gesteigerte Wahrnehmung im ÖSV bringen. Aber“, so der dreifache Abfahrts-Weltcup-Sieger weiter: „Länger als einen Augenblick dürfen sie sich nicht über ihre Erfolge freuen. Sie haben noch nichts erreicht, jetzt fängt es erst an. Sie müssen hart an sich weiterarbeiten. Dass sie hier bei den EYOF funktionierten, heißt nämlich noch lange nicht, dass sie es in den Weltcup schaffen. Wenn sie sich dessen bewusst sind und ihre Medaillen als Antrieb nehmen, dann haben die EYOF ihren sportlichen Sinn erfüllt.“

Immer ein Lächeln

Doch die Magie der EYOF bestand eben nicht nur aus sportlichen Höchstleistungen, dramatischen Entscheidungen mit lachenden und traurigen Gesichtern. Magie versprühten auch die 1200 freiwilligen Helfer. Wie zum Beispiel Judith Hoch und Marion Real – um dieser abstrakten Zahl „1200“ zwei Gesichter zu geben. Die beiden waren bei der Rennen in Malbun/Liechtenstein Mädchen für alles und behielten auch dann ein Lächeln auf den Lippen, wenn viele andere ob der wetterbedingten Verschiebungen, der ausgefallenen Kaffeemaschine oder den ausbleibenden Startlisten ungeduldig, ja gar schroff wurden.

Die EYOF 2015 in Vorarlberg und Liechtenstein sind Geschichte. Sie waren Werbung für die Region, Werbung für den Sport, Werbung für die Jugendlichen und Werbung für die Gemeinsamkeiten. Sie waren aber auch Werbung für Ehrgeiz, Fairness, Völkerver­sändigung, Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit. So gesehen müssen die EYOF gar nicht vorbei sein. Sie dauern so lange an, wie wir diese Werte leben.

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