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Gregor muss nur sein Vertrauen wieder neu aufbauen

Es ist die Frage, die im Springerzirkus derzeit sehr viele beschäftigt: Wie kann der Sieger von 53 Weltcupspringen plötzlich sein Sieger-Gen verlieren? Die Antwort ist immer dieselbe: Wenn es Gregor Schlierenzauer selbst wüsste, würde er es natürlich sofort ändern. Das Problem ist: Eine Zauberformel gibt es im Spitzensport nicht – und schon gar nicht in einem feinfühligen Sport wie dem Skispringen. Ich denke, bei Gregor hat der Leistungsabfall vor allem damit zu tun, dass er in seiner Karriere eigentlich schon alle Ziele erreicht hat. Da fällt dann etwas die Spannung ab, wenn auch nur im Unterbewusstsein.

Jedes Jahr kommt dasselbe Prozedere, viele Dinge werden zur Routine. Der erste Saisonhöhepunkt war die Vierschanzentournee, aber Tourneesieger ist er schon, sogar zweifacher. Jetzt steht die Weltmeisterschaft in Falun vor der Tür, und Weltmeister ist er ebenfalls. Auch auf dieser Ebene können sportliche Ziele verloren gehen.

Dazu kommt, dass Gregor vor den Olympischen Spielen in Sotschi mehr denn je unternommen hat, um Olympiasieger zu werden. Das ist schiefgegangen. Seitdem verzettelt er sich meiner Meinung nach zu sehr in Materialfragen. Früher hat er einfach auf sich und auf sein Material vertraut, ist hingegangen, gesprungen – und hat gewonnen. Ich denke, er muss nichts neu erfinden. Skispringen hat viel mit dem richtigen Gefühl zu tun. Das muss er sich jetzt wieder aufbauen und Vertrauen gewinnen.

Ein Beispiel: Als Stefan Kraft in Oberstdorf gemerkt hat, dass er im Weltcup zu den Siegspringern gehört, wurde die Tournee für ihn auf einmal zum Selbstläufer. Er hatte plötzlich alles auf seiner Seite: die Euphorie, die Sicherheit und das nötige Selbstvertrauen. Genauso war es zum Beispiel ja auch beim russischen Skifahrer Alexander Choroschilow, als er beim Nachtslalom in Schladming triumphieren konnte. So etwas kommt nicht, wenn man einfach einmal mit den Fingern schnipst, das entsteht erst mit dem Erfolg. Eine Tatsache, die auch mit den Höhenflügen von Peter Prevc oder auch Kamil Stoch bestätigt wird.

Zu so einem Höhenflug wird auch Gregor ganz sicher wieder ansetzen. Ich bin aber überzeugt davon, dass ÖSV-Cheftrainer Heinz Kuttin vor der WM die richtigen Schritte gesetzt hat, um alles aus ihm herauszuholen. Und aus eigener Erfahrung weiß ich eines besonders gut: Einen Gregor Schlierenzauer darf man nie abschreiben. Es reicht ein Aha-Erlebnis und schon springt er wieder um den Sieg mit.

Thomas Morgenstern (28), dreifacher Olympiasieger und achtfacher Weltmeister.

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