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„Das ist die Härte des Sports“

Ernst Vettori, sportlicher Leiter des ÖSV, zieht eine WM-Zwischenbilanz und spricht über einen Generationenwechsel, versäumte Chancen und die Schlierenzauer-Krise.

Dass man im Team-Bewerb der Kombinierer und dem Mixed-Team der Springer leer ausgegangen ist, war vom Verband so wahrscheinlich nicht eingeplant?

ERNST VETTORI: Sagen wir einmal so – es war sicher nicht unser Tag. Bei der Kombi gab es natürlich eine Hoffnung, da wir für unsere Verhältnisse starke Läufer am Start hatten. Wenn der Rennverlauf passt, kann da schon etwas herausschauen. Doch schon nach dem ersten Wechsel war leider klar, dass da nichts zu holen ist. Und bei den Springern war die Geschichte mit dem ersten Sprung vom Michl (Michael Hayböck, Anm.) leider auch schon mehr oder weniger erledigt.

Dabei war gerade das Kombinierer-Team bei den letzten Großereignissen stets eine Medaillen-Bank, oder?

VETTORI: Wir können momentan nicht sagen, dass wir in der Mannschaft sicher eine Medaille machen. Dazu ist die Konkurrenz derzeit zu stark.

Oder wir zu schwach? Woran liegt es?

VETTORI: Erstens haben wir keinen so außergewöhnlichen Kombinierer wie den Felix Gottwald mehr in der Mannschaft, zweitens findet im Team momentan ein Umbruch statt. Die Jungen haben tolle Leistungen gezeigt, doch kann man nicht davon ausgehen, dass sie auf Anhieb alles niederrennen.

Also ein Generationenwechsel, der jetzt vollzogen ist.

VETTORI: Vollzogen ist er noch nicht, denn wir haben mit einem Bieler oder Denifl ja noch arrivierte Athleten im Team. Ziel ist es, dass wir einen schlagkräftigen Mix aus jung und alt finden.

War es ein Fehler, Mario Stecher daheim zu lassen?

VETTORI: Es war alles andere als eine einfache Entscheidung. Aber es zählen nun einmal die Ergebnisse, und ich hätte mir nichts mehr gewünscht, als dass der Mario so wie etwa Lukas Klapfer einmal vorne reingelaufen wäre. Das war aber nicht der Fall. Und entscheiden mussten die Trainer, denn dafür sind sie da. Ich bin niemand, der sie überstimmt.

Im Nachhinein ist es natürlich leicht gesagt, doch hat man im Mixed-Team mit der Nominierung von Hayböck statt des weit erfahreneren Schlierenzauer nicht einen Fehler gemacht?

VETTORI: Na ja, Hayböck ist im Weltcup vor dem Gregor und war es auch im Einzelbewerb. Außerdem war er Tournee-Zweiter und zeigte zuletzt wieder einen Aufwärtstrend. Und dann kam er plötzlich hier in Falun mit der Schanze überhaupt nicht zurecht. Es tut mir sehr leid für ihn – er hat ja nichts verbrochen. Aber das ist die Härte des Sports, das bleibt dir nicht erspart.

Waren unsere Springer in dieser Saison zu früh in Topform?

VETTORI: Man kann bei den Springern die Form nicht so wie bei den Langläufern auf einen gewissen Zeitpunkt hintimen. Und wenn wir nicht schon bei der Vierschanzentournee erfolgreich sind, ist das für Österreich ganz schlecht. Trotzdem haben wir uns auf das WM-Springen auf der Normalschanze so sorgfältig wie möglich vorbereitet und Gott sei Dank ja auch eine Medaille gemacht. Jetzt heißt es, auf der Großschanze zuzuschlagen. Obwohl das auch nicht einfach wird.

Haben Sie schon die Sorge, dass diese WM für Österreich goldlos enden könnte?

VETTORI: Mit goldlosen Weltmeisterschaften muss man sowieso leben. Nur wenn man gar keine Medaille macht, ist es richtig schlecht. Da muss man schon die Kirche im Dorf lassen. Denn kein Gold heißt nicht, dass man keinen Erfolg hatte. Manchmal hat man einen Gold-Lauf, manchmal ist man über jede Bronzene froh.

Trotzdem, bis jetzt ist es aus österreichischer Sicht wohl eine WM zum Hadern, oder?

VETTORI: Und trotzdem ist es aber auch nicht schlecht gelaufen. Wir haben zwei Medaillen gemacht. Auch wenn die Danie (Daniela Iraschko-Stolz, Anm.) vom Leistungsvermögen her sicher hätte Gold holen können. Bei den Kombinierern wussten wir hingegen, dass es schwer wird.

Auch wenn man mit Bernhard Gruber den Zweiten im Gesamtweltcup ins Rennen schickt und der am Ende dann Zehnter wird?

VETTORI: Ja, das ist sicher nicht schönzureden. Leider kamen auch unsere Kombinierer mit der Normalschanze nicht zurecht.

Also wäre es aus österreichischer Sicht wohl am besten, man würde die Schanze sprengen.

VETTORI (lacht): Ja, ich war bei der WM 1993 hier nach dem ersten Durchgang auch Vierter und bin dann auf den zehnten Platz zurückgefallen.

Welche Konsequenzen zieht man nun aus dem bisherigen Abschneiden für die noch kommenden Bewerbe?

VETTORI: Wir haben in beiden Disziplinen ein klares Konzept für die Großschanze und werden das konsequent durchziehen. Außerdem darf man nicht alles schlechtreden. Immerhin sind wir im Gesamtweltcup in allen drei Disziplinen (Herren- und Damen-Skispringen sowie Kombination, Anm.) ganz vorne dabei.

Noch kurz zu Schlierenzauer. Inwieweit kann ihm der ÖSV bei seiner Krise helfen?

VETTORI: Indem man sein richtig fleißiges Arbeiten unterstützt.

Verkopft er sich nicht zu viel?

VETTORI: Das gehört dazu. Man muss nur aufpassen, dass er sich nicht verrennt. Er hat derzeit zu kämpfen, aber er wird es schaffen, wieder zurückzukommen.

INTERVIEW:

ALEXANDER TAGGER, FALUN

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