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Am Schnabel der Welt

Kleine Geschenke…

von Harald petermichl

Gerne wird im Fußball, wenn es es durch individuelle Fehler, durch Versagen einzelner Mannschaftsteile oder durch totalen Stromausfall im Kollektiv zu ärgerlichen Gegentoren kommt, von „Geschenken“ gesprochen, die man dem Gegner gemacht hat und die dieser, entsprechende Grundfertigkeiten vorausgesetzt, „gerne angenommen“ hat. So auch beim nur spesenmäßig erfolgreichen Auftritt des SCR Altach am vergangenen Samstag im zehnten Wiener Gemeindebezirk. Nachdem durch die Niederlage aber nichts wirklich Dramatisches passiert ist, außer dass ein ehemaliger Deutscher Meister aus Hütteldorf in der Tabelle am Überraschungsaufsteiger vorbeigezogen ist, nutzen wir die Gelegenheit, uns etwas genauer mit dem Phänomen des Schenkens im Fußball zu beschäftigen.

Schenken ist, den gängigen Definitionen nach, „die freiwillige Übertragung des Eigentums, ohne dafür eine Gegenleistung zu verlangen“. Das ist erst mal sehr nett, kann aber bei genauerer Betrachtung durchaus einen gewissen sozialen Druck auf den Beschenkten ausüben, seinerseits dem Schenkenden verpflichtet zu sein. Selbstverständlich ist das alles juristisch klar geregelt, nämlich in den §§ 938–942, 944 und 945 ABGB, wonach der Schenkende „einen Schenkungswillen haben und in Schenkungsabsicht handeln“ muss.

Stutz. Das hieße konsequenterweise, dass jeder noch so kleine Patzer, der dem Gegner zum Torerfolg verhilft, in der festen Absicht fabriziert wird, den Sportkameraden in der andersfarbigen Tracht eine Freude zu machen, gleichwohl verbunden mit der hinterhältigen Absicht, derart hohen sozialen Druck aufzubauen, dass die gegnerischen Angestellten nicht umhin kommen, in der Nachspielzeit noch den einen oder anderen unhaltbaren Volleyschuss in die Maschen des eigenen Gehäuses zu hämmern, um am Restwochenende ihr Dasein nicht mit dem Hautgout der moralischen Verwerflichkeit fristen zu müssen.

Derlei soll in fernen Ländern schon vorgekommen sein, es könnte aber, ohne jemandem zu nahe treten zu wollen, auch im noblen Bestreben begründet gewesen sein, einem sich in schlecht beleuchteten Wettbüros herumtreibenden entfernten Verwandten eine Freude zu machen; das ist aber ein eigenes Thema. Ohnehin hat der eine oder andere Angestellte aus der Austria-Defensivabteilung zumindest beim Anschlusstreffer zum 3:2 alles Menschenmögliche versucht, sich für die zuvor erhaltenen Geschenke zu revanchieren, bevor am Ende doch die Einsicht gesiegt hat, dass man es mit dem Altruismus im Fußball auch übertreiben kann. Irgendwie verständlich.

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