Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Einst Revoluzzer, jetzt Hausmann

Jan Boklöv ist in Falun als WM-Botschafter unterwegs. Der schwedische Entdecker des V-Stils hat mit dem Skispringen nichts mehr am Hut.

FALUN. Man muss schon zwei, wenn nicht sogar drei Mal hinschauen, bevor man ihn erkennt. Der gute Mann, der mit seinem um drei Nummern zu großen Anorak und einem ÖSV-Kapperl aus dem Jahre Schnee einen etwas verwahrlosten Eindruck macht, ist niemand Geringerer als Jan Boklöv. Zur Erklärung für alle jüngeren Leser: Der Schwede zeichnet für eine Revolution im Skispringen verantwortlich, erfand er doch Ende der 80er-Jahre den V-Stil.

Obwohl, das mit dem Erfinden ist so eine Sache, verdankte der heute 48-Jährige diese Entdeckung doch einem Skifehler während eines Trainingssprungs. „Passiert ist es 1985 hier in Falun auf der Normalschanze. Der Wind kam stark von vorne und stoppte mich in der Luft. Ich habe mich nach vorne geworfen, da haben sich die Ski gespreizt. Ich bekam plötzlich mehr Auftrieb und flog viel weiter als je zuvor“, lässt Boklöv auf Anfrage noch einmal die Vergangenheit aufleben.

Im Weltcup konnte die Jury mit dem neuen Stil des bis dahin höchstens durchschnittlichen Springers anfänglich nichts anfangen, erst nach und nach fand das „V“ Akzeptanz und wurde dann schnellstens von allen anderen Teams kopiert. Insgesamt brachte diese Novität dem Skandinavier fünf Siege, 1988/89 den Triumph im Gesamtweltcup sowie den Status einer Legende ein. 1993 musste er seine Karriere allerdings nach mehreren Verletzungen beenden. „Danach habe ich mich vom Skispringen zurückgezogen, bin mit meiner Frau nach Brüssel gegangen, habe dort zuerst als Kindergärtner gearbeitet und bin jetzt Hausmann“, erzählt der Blondschopf, der in Falun als WM-Botschafter auftritt.

Mit dem Skispringen hat der Mann aus Malmberget auch heute nichts mehr am Hut. „Das letzte Mal war ich vor zwei Jahren an einer Schanze – das ist jetzt eine fremde Welt für mich“, sagt Boklöv, der aber das Interesse der Journalisten an seiner Person doch sichtlich genießt.

Einen Skisprung-Boom konnte er mit seinem Höhenflug damals in Schweden nicht auslösen – der Sport liegt im Drei-Kronen-Land völlig am Boden. Ob er das denn nicht schade finde? „Wie gesagt, ich habe mit dem Skispringen nichts mehr zu tun“, lächelt Boklöv und stapft davon.

ALEXANDER TAGGER, FALUN

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.