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Der schwere Gang des Gregor S.

Heute geht’s bei der Nordischen WM in Falun auf die Großschanze. Gregor Schlierenzauer wartet auf das Aha-Erlebnis, das ihn aus der Krise führt.

ALEXANDER TAGGER, FALUN

Wer hätte geahnt, dass jener Jungspund, der als 16-Jähriger im März 2006 in Oslo im Weltcup debütierte, einmal der beste Springer aller Zeiten werden würde? Und wer hätte geahnt, dass der 53-fache Weltcupsieger jemals in eine Krise stolpern könnte? Eine Krise, die bereits in der vorangegangenen Saison mit dem Knackpunkt Olympia in Sotschi ihren Anfang nahm und sich heuer ungebremst fortsetzt. In den bisherigen 20 Weltcupkonkurrenzen schaffte er es nur zwei Mal aufs Podest. Bei der WM in Falun verirrte er sich auf der Normalschanze auf Platz 22, für das Mixed-Team wurde er erstmals seit Bestehen dieses Bewerbs nicht berücksichtigt. Nein, diese Ergebnisse sprechen nicht die gewohnte Erfolgssprache Gregor Schlierenzauers.

Gesicherte Krone

Dabei kam die Entwicklung der letzten Monate dem Stubaier entgegen. Im öffentlich ausgefochtenen Kampf mit Ex-Cheftrainer Alex Pointner ging der 25-Jährige als Sieger hervor, mit dem Rücktritt von Erzrivale Thomas Morgenstern verabschiedete sich zudem der letzte Kontrahent, der Schlierenzauer die Krone innerhalb des ÖSV hätte streitig machen können. Und trotzdem – auf den Schanzen dieser Welt ist Schlierenzauer derzeit nur noch ein Schatten seiner selbst.

Die Gründe dafür sind vielfältig. So gestand der Tiroler erstmals, hinsichtlich Materialentwicklung (vorrangig bei der Bindung) gewisse Dinge verschlafen zu haben. Ebenso schwer wiegt die für den Siegertypen ungewohnte Situation, sich mit einer Krise auseinandersetzen zu müssen. Ein Zustand, der für Schlierenzauer in seiner herausragenden Karriere völliges Neuland ist und mit dem er nur schwer umgehen kann.

Mentaler Schranken

So hat es den Anschein, als würde sich der ehrgeizige Tüftler in seiner Fehlersuche bei Technik und Material in Kleinigkeiten verzetteln. Da er für sich bis dato aber noch nicht die richtige Lösung gefunden hat, legt sich nun neben all den anderen Problemen als logische Konsequenz auch noch ein mentaler Schranken quer. Für den im Springer-Zirkus oft zitierten Flow, also die notwendige Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, die einen Flieger in dem sensiblen Sport zum Erfolg trägt, eine tödliche Mischung.

Schwierige Jahre

Doch der Kämpfer Schlierenzauer steckt nicht auf, spricht stattdessen von einer interessanten, wenn auch mitunter anstrengenden Herausforderung. „Dieser Kampf kostet viel Energie. Aber fast jeder Top-Athlet hat einmal ein, zwei schwierige Jahre, kommt dann meistens jedoch stärker zurück.“ Außerdem benötige es im Spitzensport bekanntlich nur ein Aha-Erlebnis, um wieder zurück auf die Erfolgsspur zu finden.

In diese könnte der sechsfache Weltmeister womöglich bereits beim heutigen Einzelspringen auf der Großschanze (17 Uhr) in Falun einbiegen. Ziel Schlierenzauers ist natürlich eine Medaille. Und klappt es nicht? „Dann geht das Leben auch weiter. Die heurige Saison ist für mich in erster Linie sehr erkenntnisreich. Diesbezüglich gefällt mir die Werbung von Audi mit Marcel Hirscher sehr gut, wo es heißt: ,Das ist kein Berg, das ist der nächste Level.‘ So ähnlich läuft es derzeit auch bei mir. Ich muss mir alle Dinge mühsam erarbeiten und das ist manchmal auch frustrierend, weil ich nicht mein ganzes Potenzial abrufen kann.“

Aber er habe ein ganz klares Ziel vor Augen und werde es auch erreichen, gibt sich Schlierenzauer kämpferisch und betont zugleich: „Mein Durst ist noch lange nicht gestillt.“

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