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sport-talk der woche

Der Moment der Wahrheit ist gekommen

Interview. Badminton-Ass David Obernosterer steht vor einer schwierigen Entscheidung. Aufgrund einer Zyste, die auf den Hüftknochen drückt, droht dem 27-Jährigen das Karriereende.

Von Sebastian Rauch

Wie ist der Stand der Dinge Ihre Hüftverletzung betreffend?

David Obernosterer: Eigentlich sieht es nicht gut aus. Es gibt zwei Möglichkeiten, und ich werde mich in den kommenden ein bis zwei Wochen entscheiden müssen. Entweder muss ich mit dem professionellen Badminton aufhören, oder ich versuche es nochmals, dann wäre aber eine Operation fällig.

Was sagen die Ärzte genau?

Obernosterer: Die Meinungen gehen auseinander. Eine Ärztin meinte, wenn ich weiterspielen würde, bräuchte ich dann nach meiner Karriere ziemlich schnell eine künstliche Hüfte. Das möchte ich eigentlich nicht riskieren. Ein anderer Arzt meinte, ich müsste mich zuerst einer Operation unterziehen und dann könnte ich wieder spielen. Diese Entscheidung muss gut überlegt sein.

Gibt es eine Tendenz?

Obernosterer: An erster Stelle steht die Gesundheit. Ich kann jetzt schon sagen, sollte meine Gesundheit gefährdet sein, dann bin ich nicht bereit, dieses Risiko einzugehen. Das macht dann einfach keinen Sinn. Ich habe mir meinen Lebenstraum von den Olympischen Spielen erfüllt, und eine Medaille werde ich nicht mehr holen. Millionär werde ich mit Badminton auch nicht. Ich möchte später ohne Schmerzen Sport als Hobby betreiben können, und das Leben nach der aktiven Karriere ist hoffentlich noch ein langes.

Haben Sie derzeit Schmerzen?

Obernosterer: Seit Anfang des Jahres bin ich ohne Krücken und im Alltag schmerzfrei unterwegs. Ich habe Muskulatur aufgebaut und war auch schon mit dem Rad und auf Skiern unterwegs. Da war ich komplett schmerzfrei, auch als ich mich körperlich ein bisschen gepusht habe.

Sie haben sich im November einer Infusionstherapie unterzogen. Mit welchem Ergebnis?

Obernosterer: Die Verletzung hat sich gebessert und sich beruhigt. Die Hüfte war einfach überlastet. Das war ein positiver Schritt in die richtige Richtung, denn ich hatte zuvor nicht nur beim Badminton Schmerzen, sondern auch im Alltag. Zwischen den Trainings oder in der Nacht zum Beispiel, und das ist dank der Infusionstherapie komplett weg.

Sprich, Sie könnten ohne Operation Ihren Alltag schmerzfrei erleben?

Obernosterer: Genau und das ist auch die Überlegung dahinter. Wenn ich sage, ich höre mit dem Leistungssport auf, dann würde ich mich keiner Operation unterziehen. Ich würde mit einer gezielten Reha die Muskulatur stärken, und dann dürfte ich keine Beschwerden haben.

Sie sind Heeressportler. Was würde ein Karriereende für Ihre Anstellung beim Bund bedeuten?

Obernosterer: Der Vertrag läuft im November aus, ändert aber nichts an der Entscheidung, die ich treffen muss. Die ist unabhängig von meiner Anstellung beim Heer.

Ist die Verletzung typisch für Badmintonspieler?

Obernosterer: Derzeit höre ich viel von Hüftverletzungen in unserem Sport. Letztens habe ich durchgezählt, und über zehn Spieler aus den Top 100 haben Probleme mit der Hüfte oder deswegen schon aufgehört. Die Belastung ist einfach enorm durch diese Stop-and-Go-Bewegung. In meinem Fall hat die Olympia-Qualifikation mit den vielen Reisen sicher einen Teil dazu beigetragen. Ich hatte natürlich aufgrund des Budgets nicht immer einen Physiotherapeuten dabei. Irgendwann geht es dann nicht mehr. Gerade das Einzel, wo der Spieler große Ausfallschritte macht und immer mit vollem Gewicht in diesen Schritt fällt, ist für die Hüfte nicht so gesund.

Könnten Sie sich vorstellen, bei einem Karriereende in einer Funktion dem Badmintonsport in Österreich erhalten zu bleiben?

Obernosterer: Ambitionen in diese Richtung habe ich schon, aber sofort Trainer werden möchte ich nicht. Ich war so viele Jahre in Sporthallen unterwegs und möchte nicht gleich wieder in der Halle stehen. Ich werde im Sommer mit dem BWL-Bachelor fertig und werde dann wohl noch den Master machen und ins Berufsleben einsteigen. Am Anfang würde ich, was Badminton angeht, eher in die Richtung Organisation und Koordination gehen wollen. Langfristig wäre angedacht, etwas von dem Wissen, das ich angesammelt habe, weiterzugeben. Ich wäre früher froh gewesen, wenn ich jemanden mit dieser Erfahrung an meiner Seite gehabt hätte. In Österreich gibt es nicht viele, die vom Badminton Ahnung haben, und ich habe mir viel Wissen angeeignet. Ich fühle mich verpflichtet, das weiterzugeben, und möchte das auch.

Wie groß ist die mentale Belastung in Anbetracht eines möglichen Karriereendes?

Obernosterer: Das ist gar nicht einfach, aber ich habe natürlich durchgespielt, was wäre, wenn ich aufhöre. Ich bin ein sehr positiver Mensch und habe die freie Zeit für die Uni genützt. Wenn ich nur auf der Couch gesessen wäre und mir den Kopf zerbrochen hätte, dann täte ich mir bestimmt nur selber leid und wäre wohl verzweifelt. Ich habe eine neue Herausforderung mit dem Studium gesucht. Was ich ehrlich zugeben muss, ist, dass der Zeitpunkt für die Verletzung nicht besser hätte sein können. Sofern es überhaupt einen guten Zeitpunkt für eine Verletzung gibt. Dass ich mir den Traum von Olympia verwirklicht habe, nimmt mir ein wenig den Druck. Mein Herz schlägt aber für den Sport, und das wird immer so bleiben. Das ist meine große Leidenschaft.

Das Erfüllen des Olympia-Traums war also die Gefährdung Ihrer Gesundheit wert?

Obernosterer: Ich würde nicht sagen, dass ich meine Gesundheit aufs Spiel gesetzt habe, da ich bis zum Ende nicht wusste, dass ich so eine Verletzung habe und diese zum Karriereende führen kann. Die Schmerzen waren nicht groß, und ich hätte nicht gedacht, dass mich das eventuell zwingt aufzuhören. Mit dem Wissen, das ich damals hatte, würde ich alles wieder so machen. Ich kann weder mir noch einem Trainer etwas vorwerfen, denn es war nicht vorhersehbar. Das macht es für mich leichter.

Ihre Lebensgefährtin, die Badmintonspielerin Elisabeth Baldauf, hatte zuletzt mit einem Kochenmarksödem im Sprunggelenk zu kämpfen. Wie geht es ihr?

Obernosterer: Sie ist auf dem Weg der Besserung, aber das ist ein Geduldsspiel. Sie ist schmerzfrei, dann trainiert sie etwas mehr, und die Probleme kommen zurück. Da wird man vorsichtig. Aber es wird stetig besser, und ich gehe davon aus, dass sie im März wieder voll ins Training einsteigen wird. Dann kann sie Ende April oder Anfang Mai auch wieder Turniere spielen.

Für Sie beide war es sicher eine neue Erfahrung, so viel Zeit gemeinsam zu Hause zu verbringen?

Obernosterer: Ja, eine Zeit lang waren wir sogar beide auf Krücken unterwegs. Jeder ist auf einem Bein durch die Wohnung gehüpft. Zuvor waren wir eingedeckt mit Trainingseinheiten und Physiotherapie, und auf einmal sitzen wir beide auf der Couch und sollten nichts machen. Die ersten drei Wochen wären wir fast durchgedreht. Als Sportler möchtest du dich bewegen und wirst unzufrieden, weil du dich nicht bewegen kannst. Ganz eine neue Erfahrung.

Aber die Beziehung ist noch intakt?

Obernosterer: (lacht) Ja, natürlich. Gar kein Problem. Wir sind von der Olympia-Qualifikation, als wir auf sehr engem Raum zusammengewohnt haben, einiges gewohnt. Wir kennen uns so gut und sind absolut harmonisch.

Zur Person

David Obernosterer

geboren am 30. Mai 1989
in Egg

Größe: 183 cm
Gewicht 80 kg

Spitzname: Obi

Lebt in: Wien

Beruf: Badmintonprofi
(Heeressport)

Familienstand: ledig (Freundin Elisabeth Baldauf)

Hobbys: Volleyball, Skifahren, Lesen

Größter Erfolg: Teilnahme an den Olympischen Spielen 2016

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