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Badminton

Baldauf kämpftum ihre Zukunft

Die derzeit verletzte Elisabeth Baldauf (27) wurde aufgrund ihres Umzugs von Wien nach Vorarlberg aus dem Badminton-Nationalkader gestrichen. Damit darf die einzige international konkurrenzfähige Spielerin Österreich nicht mehr bei Großereignissen vertreten.

Von Sebastian Rauch

Elisabeth Baldauf kommt in diesem Jahr einfach nicht in Tritt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Österreichs beste Badmintonspielerin leidet seit Dezember letzten Jahres an einem Knochenmarksödem am Kahnbein. Mehrfach versuchte die 27-Jährige, auf den Court zurückzukehren, jedoch ohne Erfolg. „Eigentlich ist die Verletzung gar nicht so schlimm, und daher habe ich immer wieder versucht, zu spielen. Im April startete ich bei der EM, doch die Schmerzen im Fuß kamen immer wieder“, blickt die Olympia-Teilnehmerin, die derzeit von den Fachkräften des Olympiazentrums Vorarlberg therapiert wird, zurück. „Im Moment findet sie in Vorarlberg die bessere Therapiesituation vor und hat dort das bessere private Umfeld, um gesund zu werden“, erklärt Alexander Almer, Vizepräsident Leistungssport des österreichischen Badminton-Verbands.

Umzug nach Dornbirn. Im Juli hat Baldauf ihre Zelte in Wien abgebrochen und ist gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten, dem ehemaligen Badminton-Spieler David Obernosterer, zurück nach Vorarlberg übersiedelt. Der Umzug brachte neben der örtlichen Veränderung auch sportlich eine gravierende Umstellung mit sich. So ist die Eggerin mit dem Weggang aus Wien kein Mitglied des Nationalkaders mehr. Der Status der Nationalspielerin wurde ihr aberkannt. „Es gibt ganz klare Richtlinien beim ÖBV, die besagen, dass der Nationalkader aus den Sportlern besteht, die in Wien am BLZ (Anm., Bundesleistungszentrum) trainieren. Das ist eine klare und einfache Aussage, und die Sportler wissen das“, sieht Nationaltrainer Oliver Pongratz nicht ein, warum die Studentin weiterhin Österreich bei Großereignissen vertreten sollte.

„Ich kann Turniere spielen, aber sollte es zu einer EM- oder WM-Nominierung kommen, würde der Verband mir das verweigern. Auch wenn ich das internationale Limit schaffen würde, liegt die Entscheidung, ob ich auch spielen darf, beim Verband“, sagt die Vorarlbergerin.

Ein Blick auf den Kader verrät jedoch, dass die Vorarlbergerin derzeit die einzige konkurrenzfähige heimische Badmintonspielerin ist. Die einzige, die überhaupt die Chance hat, sich im Damen-Einzel für Großereignisse zu qualifizieren. „Es gibt keine anderen Spielerinnen, die für eine WM in Frage kommen, und im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Tokio 2020 gibt es auch niemanden“, sagt die 27-jährige Sportlerin.

Nationaltrainer Pongratz kennt die Lage selbstredend, jedoch ändert das nichts an seiner Entscheidung.

„Ich bin mir der Situation, dass im Damenbereich keine große Menge an Spielerinnen vorhanden ist, völlig bewusst. Aber ich habe auch einen Weg, und den werde ich durchziehen. Ich habe weder Angst vor Namen noch sonstigen Dingen. Für mich steht das große Ganze im Vordergrund und nicht nur eine einzelne Spielerin“, erklärt der Deutsche, der seit knapp einem Jahr im Amt ist. Mit dem großen Ganzen meint der Nationaltrainer die Schaffung von Strukturen im heimischen Badmintonsport.

„Meine Hauptaufgabe ist es, nicht nur die Spieler besser zu machen, sondern auch Strukturen zu entwickeln, von denen wir in fünf bis acht Jahren etwas haben. Eine Badmintonkultur zu entwickeln und den Leistungssportgedanken in die Köpfe der Sportler zu bekommen.“

Unverständnis. Dabei ist es nicht so, dass Baldauf in Vorarl­berg keine Strukturen vorfinden würde. Immerhin gibt es mit Feldkirch und Wolfurt zwei Bundesligisten. Letzterer wurde zuletzt sogar zwei Mal in Serie Meister. Außerdem wurde vor kurzem mit dem Portugiesen Pedro Gomes ein neuer Landestrainer und in Götzis eine neue Halle gefunden. Das Olympiazentrum Vorarlberg könnte das körperliche Training überwachen und steuern. Argumente, die für Pongratz nicht zählen. „Ich übernehme keine Verantwortung für Spieler, die in anderen Landesverbänden trainieren, und ich über das Telefon die Trainingspläne erstelle.“

Bei der Eggerin, die in erster Linie derzeit um ihre Gesundheit bemüht ist, stößt eine solche Haltung auf Unverständnis. „Im Moment habe ich den Verletztenstatus und möchte einfach wieder fit werden. Das ist die Priorität. Aber ich tue doch niemandem weh, wenn ich dann in Vorarlberg trainiere. Ich möchte auch mit dem Verband kooperieren, denn ich brauche natürlich das Know-how des Trainers. Aber dieser ist der Meinung, dass er mich, wenn ich nicht in Wien bin, nicht steuern kann“, erzählt Baldauf. Für Pongratz ist die Sache klar, und der Deutsche vermutet auch den Vorstand des ÖBV hinter sich. „Ich wiederhole mich: Es sind die Leute im Nationalkader, die in Wien trainieren. Und das werden ihnen auch Frau Eckart (Anm., zuständig für Sportkoordination beim ÖBV) und Herr Almer (Anm., Vizepräsident Leistungssport) bestätigen“, erklärt der Nationaltrainer. Auf Nachfrage bei Letzterem stellte sich jedoch heraus, dass die Entscheidung für den Vizepräsidenten nicht ganz so endgültig ist wie für seinen Nationaltrainer. „Es wird nicht gehen, wenn sie keine Trainingszeiten in einem höheren Umfang in Wien hat. Denn die Möglichkeit, dass der Trainer den Trainingsprozess steuert, wird nicht gegeben sein. Aber wie das ablaufen kann und welche Möglichkeiten es in Wien oder in Vorarlberg gibt, ist etwas, das noch nicht im Detail ausdiskutiert wurde.“

Kein endgültiges Nein. Almer spricht sogar von der Möglichkeit, in Vorarlberg „im Leis­tungsbereich für Erwachsene etwas aufzubauen“, und möchte erst die Therapie Baldaufs abwarten. Erst wenn die Spielerin wieder fit ist und sich über ihre sportliche Ausrichtung in der Zukunft im Klaren ist, möchte der Verbandsvertreter in dieser Causa eine Entscheidung fällen.

„Der Verband ist extrem positiv, einfach auch, weil sie in den vergangenen Jahren Enormes geleistet hat. Es ist überhaupt keine Frage, dass wir versuchen werden, sie in allem zu unterstützen, was sie und den Verband weiterbringt. Wenn sie wieder gesund ist, wird es Gespräche geben. Sollte sie sich für eine weitere Profikarriere entscheiden, dann haben wir bis Tokio 2020 alle zeitlichen Optionen, das alles zu planen. Da sehe ich kein Problem“, so Almer.

Und auch wenn die Letztentscheidung nicht beim Vizepräsidenten, sondern beim Nationaltrainer liegt, bedeuten diese Aussagen für die 27-Jährige ein wenig Licht am Ende des Tunnels. Denn an ein Karriereende möchte die Eggerin trotz der langen Leidenszeit noch nicht denken. „Für mich ist das letzte Wort in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen. Ich gebe nicht auf“, gibt sich die Studentin kämpferisch und hofft, 2018 wieder in Tritt zu kommen.

<p class="caption">Seit Juli ist sie wieder in Vorarlberg und somit nicht mehr Teil des Nationalkaders.</p>

Seit Juli ist sie wieder in Vorarlberg und somit nicht mehr Teil des Nationalkaders.

<p class="caption">Elisabeth Baldauf vertrat Österreich 2016 bei den Olympischen Spielen in Rio.</p>

Elisabeth Baldauf vertrat Österreich 2016 bei den Olympischen Spielen in Rio.

„Für mich steht das große Ganze im Vordergrund und nicht nur eine einzelne ­Spielerin.“ Oliver Pongratz, Nationaltrainer Badminton

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