Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

fussball-Trainerausbildung

Gerangel um die begehrten Trainerplätze

Die Abschlussklasse von 2017 ist gespickt mit ehemaligen Bundesligaspielern. Gepa

Die Abschlussklasse von 2017 ist gespickt mit ehemaligen Bundesligaspielern. Gepa

Die Ausbildung zur UEFA-Pro-Lizenz ist langwierig und bevorzugt Ex-Profi-Spieler. Mit dem höchsten Trainer-Abschluss ist dafür ein Job im Fußball-Business so gut wie sicher.

Von Johannes Emerich

Ich habe den Unterschied zwischen alter und neuer A-Lizenz nicht gekannt“. Mit diesem Satz sorgte Austria-Lustenau-Präsident Hubert Nagel in der vergangenen Woche für kollektives Kopfschütteln. Die Lustenauer haben mit Gernot Plassnegger einen Trainer verpflichtet, der in der Erste Liga nicht länger als 60 Tage sportlich Hauptverantwortlicher sein darf. Nun liegt es an Nagel und Co., eine kreative Lösung zu finden. Eine Doppelspitze, wie sie derzeit von Liefering und vor einigen Jahren von der Admira praktiziert wurde, scheint die realistischste Variante zu sein. Mit Plassnegger-Intimus und Lizenzinhaber Heinz Karner gibt es bereits einen Favoriten auf den Posten als Cheftrainer, Plassnegger würde dann als eine Art Teamchef fungieren.

ÖFB im Umbruch. Die Lustenauer hoffen, dass dieses Konstrukt spätestens im April wieder obsolet sein wird, denn etwa zu dieser Zeit werden die Teilnehmer des neuen ÖFB-Trainerkurses zur Erlangung der UEFA-Pro-Lizenz bekanntgegeben. Eine Aufnahmebestätigung ist für jeden Trainer gleichbedeutend mit einem Eintrittsticket in das Profigeschäft. Deshalb sind die 10 bis 16 Plätze, die der ÖFB in Kooperation mit der Bundessportakademie anbietet, heiß begehrt. Doch vor Beginn des neuen Kurses gibt es viele Fragezeichen. Mit der Ablöse von Sportdirektor Willi Ruttensteiner fehlt zukünftig der bisherige Hauptverantwortliche für die Ausbildung. Auf eine Anfrage bezüglich Details zum neuen Kurs reagierte der Verband deshalb nicht. Es gilt wohl noch die letzten Kompetenzen zu klären.

Professionelle Ausbildung. Ruttensteiner war es stets ein Anliegen, die Trainerausbildung in Österreich zu professionalisieren. Denn auch hier hinkte der ÖFB anderen europäischen Verbänden lange Zeit hinterher. Der aktuelle Kursteilnehmer (siehe rechts) Lassaad Chabbi beschreibt die Rolle Ruttensteiners folgendermaßen: „Er war bei jedem Modul dabei und ist auf seinem Gebiet ein absoluter Fachmann.“ Ende Oktober warten auf den Ried-Trainer und die anderen 15 Kursteilnehmer die Abschlussprüfungen des knapp zweijährigen Lehrgangs. Dass die Qualität der Ausbildung stimmt, belegen etwa die Aussagen der Teilnehmer. „Wir haben sehr viel gelernt. Zum Beispiel trafen wir in der UEFA-Zentrale in Nyon die besten Ausbilder der Welt, oder vor kurzem hielt Köln-Trainer Peter Stöger per Skype einen Vortrag“, erzählt Chabbi, der betont, dass der Pro-Lizenz-Kurs keineswegs mit der Erlangung der A- oder B-Lizenz vergleichbar sei.

Zudem ist die Teilnahme beinahe gleichbedeutend mit einer Jobgarantie. So sind 14 der 16 aktuellen Teilnehmer derzeit hauptberuflich im Fußball tätig, einzig Jochen Fallmann und Andreas Lipa wurden im September von St. Pölten beziehungsweise Lustenau beurlaubt, sie stehen aber weiter auf der Payroll ihrer Klubs.

Ex-Profis bevorzugt. Obwohl auch in Österreich ein Trend zu modernen, analytischen Trainertypen zu erkennen ist, spielte die Spielerkarriere bei der Aufnahme in den Pro-Lizenz-Kurs bisher eine übergeordnete Rolle. Der Blick auf die aktuellen Teilnehmer zeigt, dass mit Ausnahme der einzigen Frau, Irene Fuhrmann, alle anderen im Profi­fußball aktiv waren. Jochen Fallmann und Andreas Wieland sind zwar nie in der Bundesliga aufgelaufen, sie kommen aber gemeinsam auf knapp 400 Erste-Liga-Spiele.

Vier Kritierien mit unterschiedlicher Wertigkeit waren zuletzt für die Aufnahme ausschlaggebend. Dies waren die vorangegangene Spielerkarriere (20 Punkte), die bisherige Trainerkarriere (20 Punkte), das Abschlusszeugnis der A-Lizenz-Prüfung (20 Punkte) und die Persönlichkeit des Bewerbers (40 Punkte). Es ist anzunehmen, dass der ÖFB an diesem Schlüssel wenig ändern wird. Eine fehlende Profikarriere brachte mögliche Bewerber bereits vor Beginn des Hearings in die Defensive. Dies wurde vor knapp zwei Jahren etwa auch Werner Grabherr zum Verhängnis, denn der Altach-Co-Trainer hat lediglich elf Auftritte in der Erste Liga vorzuweisen. Das wird sich auch nicht mehr ändern. Trotzdem hofft der 32-Jährige auf die Aufnahme im kommenden Frühjahr. Während seiner interimistischen Tätigkeit als Altach-Coach in der Bundesliga ließ Grabherr mit scharfen Worten in Richtung ÖFB aufhorchen: „Ich will die Pro-Lizenz machen und bin nicht dazu gekommen, weil in Österreich ausländische Trainer diese Plätze blockieren und uns junge österreichische Trainer daran hindern, diese Ausbildung zu Ende machen zu können.“

Grabherr-Konkurrenten. Doch neben dem Bregenzerwälder haben auch schon andere Kandidaten ihr Interesse bekundet. Christian Ilzer, der noch die alte A-Lizenz gemacht hat, ist vom WAC zu Hartberg gewechselt, um seine Chancen auf den Pro-Kurs zu erhöhen. Dazu möchte Liefering-Teamchef Gerhard Struber ebenso den nächsten Schritt machen wie Kapfenberg-Trainer Stefan Rapp. Doch für keinen dürfte die Aufnahme existenziell so bedeutend sein wie für Plassnegger. Eine Absage wäre für den Steirer wohl gleichbedeutend mit dem jähen Ende seiner Tätigkeit in Lustenau, nur wenige Monate nach dem ohnehin schon holprigen Start.

<p class="caption">Gernot Plassnegger (l.) und Werner Grabherr sind zwei junge Trainer, die hoffen, Teil des nächsten ÖFB-Ausbildungskurses zu sein.</p><p class="credit"> Gepa (2)</p>

Gernot Plassnegger (l.) und Werner Grabherr sind zwei junge Trainer, die hoffen, Teil des nächsten ÖFB-Ausbildungskurses zu sein.

 Gepa (2)

<p class="caption">Andreas Herzog (l.) besitzt die höchste Lizenz ebenso wie Innsbruck-Trainer Karl Daxbacher (ganz r.). Nur Hartberg-Coach Christian Ilzer muss noch büffeln. Gepa (2)</p>

Andreas Herzog (l.) besitzt die höchste Lizenz ebenso wie Innsbruck-Trainer Karl Daxbacher (ganz r.). Nur Hartberg-Coach Christian Ilzer muss noch büffeln. Gepa (2)

UEFA-Pro-Lizenz-Kurs 2014/15

Teilnehmer

Roland Ortner (bis Juni Trainer SV Völs), Wolfgang Luisser (bis 16. August Co-Trainer Erzgebirge Aue), Gerald Baumgartner (Trainer SV Mattersburg), Oliver Glasner (Trainer LASK Linz), Harald Kondert (bis Juni Sportchef der AKA LASK Linz), Stojadin Rajkovic (Individualtrainer AKA Sturm Graz), Thomas Letsch (bis 14. August Trainer Erzgebirge Aue), Enrico Kulovits (Trainer Mettersdorf LL Steiermark), Thomas Hickersberger (Co-Trainer SCR Altach), Rolf Landerl (Trainer VfB Lübeck), Robert Ibertsberger (Co-Trainer WAC), Roman Mählich (Trainer Wiener Neustadt, Foto), Thomas Eidler (Trainer FAC)

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.