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Am Schnabel der Welt

Nach dem Walist vor dem Wal

von Harald petermichl

Die gute Nachricht vorweg: Bald wird man wieder durch die Straßen flanieren können, ohne sich alle paar Meter über grottenschlechte Plakate mit qualitativ zumindest fragwürdigen Texten aufregen zu müssen. Aber wie schon Captain Ahab (ja, genau, der aus Moby Dick) sagte: „Nach dem Wal ist vor dem Wal.“ So kommt jetzt die über die Turbulenzen der letzten Wochen fast vergessene Tatsache, dass der ÖFB auf der Suche nach einem neuen Teamchef ist, endlich wieder zu ihrem Recht. Eine schon wieder von einer Taskforce zu behandelnde Schöttel’sche Shortlist gibt es bereits, was die Hoffnung nährt, dass für diese Entscheidung keine weitere flächendeckende Plakatierung erforderlich sein wird und so manche werbewandgeplagte Grünfläche die ihr von Herzen vergönnte herbstliche Ruhe zur Regeneration finden können wird. Es reicht ja schon, dass auch hier die allgegenwärtigen Demoskopen ständig ihren Senf dazugeben; eine Umfrage, die mir kürzlich in die Hände gefallen ist, sieht übrigens Herzog (aha!) vor Tuchel (echt jetzt?), Stöger (alaaf!), Foda (mal wieder…), Hasenhüttl (so so!) Daum (na ja…) und Lagerbäck (ach!).

Irgendwie hätte es vielleicht sogar was, wäre der neue Teamchef in geheimer Wahl vom Volk zu wählen, aber es ist nun mal nicht vorgesehen und vermutlich ist das auch besser so, denn man stelle sich die nervenzerfetzende und für die anstehende Weiterentwicklung des Nationalteams nicht gerade förderliche Zeitverzögerung vor, gäbe es am 30. Oktober zwar einen siegreichen Kandidaten, der aber seinen Eid auf die Statuten des ÖFB noch nicht leisten kann, da immer noch ein paar Wahlkarten auszuzählen sind, was in Österreich bekanntlich (warum auch immer) fast eine Woche dauern kann. Zum Glück ist aber das Schöttel’sche Anforderungsprofil ohnehin so glasklar, dass die Entscheidung nicht schwerfallen dürfte, denn für ihn steht fest, dass der neue Teamchef „eine Persönlichkeit darstellen und mit dieser Mannschaft, die aus ganz eigenen Charakteren besteht, umgehen können“ muss. Und weiter: „Er muss als Trainer schon Erfolge gehabt haben, das müssen aber nicht Titel sein. Erfolg kann man auch auf anderer Ebene haben.“ Da sollte also wohl nichts anbrennen, denn mit diesen Vorgaben von fast schon poetischer Schlichtheit wird die besagte Taskforce mit ­traumwandlerischer Sicherheit den besten Kandidaten küren können, damit (um Captain Ahab am Ende nochmals zu zitieren) am Ende keiner sagen muss: „Komisch. Manch einer von uns wünschte sich, er lebe auf einer Südseeinsel.“

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