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„Populismus hat gesiegt“

IOC-Präsident Karl Stoss ist frustriert nach dem Nein der Tiroler Bevölkerung zu Olympia 2026. Er nimmt die Politik in die Verantwortung.

Von Günter Sagmeister aus Pyeongchang

Karl Stoss war in Bangkok, als er die Nachricht erhielt, dass die Tiroler Bevölkerung gegen eine Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2026 gestimmt hat. Geschockt war er, sagt er. Weil Thailand den einjährigen Todestag von König Bhumibol kollektiv betrauert, wird derzeit kein Alkohol ausgeschenkt und so schluckte er den Frust mit Wasser hinunter. Dann setzte sich der ÖOC-Präsident ins Flugzeug Richtung Pyeongchang, um zu sehen, wie die Vorbereitungen auf die Winterspiele im kommenden Februar in Südkorea laufen. Schon am Flughafen in Seoul zeichnet sich ein Bild zu diesen Spielen: Neben der großen Tafel mit den Willkommensgrüßen für Olympia-Gäste ist ein Blumenbeet mit blühenden Orchideen. Ein richtiges Wintermärchen wird man in Pyeonchang auch in vier Monaten nicht erleben, denn es fällt nur ganz wenig Schnee in der Region und das Weiß wird aus Schneekanonen stammen.

Auf der dreispurigen Autobahn geht es weiter in die Bergregion Alpensia. Die Skisprungschanze ragt über dem Städtchen auf einem Hügel – dahinter sieht man Dutzende riesige Windräder, die den Strom für die Region produzieren. Windräder dort, wo eigentlich Windstille herrschen sollte? „Hier wurde alles aus dem Boden gestampft“, sagt Stoss. Das hätte es in Tirol alles nicht gegeben, wenn man die bestehenden Anlagen genutzt und versucht hätte, Winterspiele nach der Gigantomanie der letzten Jahrzehnte in seiner ursprünglichen Form zu veranstalten. Eine Milliarde Dollar hätte das IOC zu den Tiroler Spielen dazugezahlt. Viele große Sportverbände und auch IOC-Chef Thomas Bach hätten das Konzept unterstützt. Kein einziger Steuer-Euro wäre laut Stoss geflossen: „Aber der Populismus hat klar gesiegt.“ Es genügte, dass Politiker mit Schlagworten wie „Milliardenloch“ oder „Verkehrschaos“ die Stimmung in eine andere Richtung trieben. „Es ist halt einfach, marktschreierisch zu behaupten, dass Milliarden aus dem Fenster geworfen werden, wenn man diese Zahlen nicht belegen muss. So ist es für den österreichischen Sport ein enormer Rückschlag. 50 Jahre lang haben wir vom letzten Großereignis partizipiert und profitiert, die Chance ist weg.“

Für Stoss steckt hinter der Tiroler Entscheidung aber mehr als nur das bloße Nein. Ernüchternd sei gewesen, dass die Informationsveranstaltungen von der Bevölkerung nicht angenommen wurden. Oder dass eine Stadt wie Kitzbühel, die von Großereignissen lebt, mehrheitlich gegen Olympia gestimmt hat: „Wahrscheinlich geht es ihnen zu gut. Es ist eine Wohlstandserscheinung.“

Dass die olympische Türe für Österreich nun für immer und ewig zugeschlagen ist, glaubt Stoss nicht. Für Sommerspiele wäre Österreich alleine zwar zu klein und könne sich die nötige Infrastruktur niemals leisten, aber eine gemeinsame Bewerbung beispielsweise mit Bratislava oder Budapest wäre eine Option. Und Winterspiele? „Vielleicht traut sich ja ein pionierhafter Politiker einmal über das Thema und sagt: Das können wir auch, das trauen wir uns zu. Aber da müsste man zu uns kommen und sagen: Jetzt ist die Bevölkerung reif. Dann ja, warum nicht?“

Und damit meint Stoss auch indirekt das Thema Volksabstimmung. „Paris und Los Angeles haben darauf verzichtet und jetzt eine Zustimmung von 80 bis 90 Prozent. Ich bin kein Freund von einer Volksabstimmung, das habe ich immer gesagt. Aber das ist Sache der Politik. Das muss sich jede weitere potenzielle Bewerbung klar überlegen. Sonst ist man schon im Vorhinein gescheitert.“

Die Reise nach Südkorea wird vom ÖOC unterstützt

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