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Ein Baum ist stärker als Olympias Magie

Am Schauplatz. Besuch in Pyeongchang, wo in vier Monaten Olympia 2018 eröffnet wird: Biathlon findet am Golfplatz statt, der Auslauf der Skisprungschanze ist noch ein Fußballplatz. Und nach diesen Winterspielen wird Südkorea sein neues Skigebiet wieder schließen. Von Günter Sagmeister aus Pyeongchang

Am kommenden Dienstag ist es so weit, da wird im Heiligen Hain des antiken Olympia in Athen das olympische Feuer mit einem Parabolspiegel durch die Strahlen der Sonne entfacht und gleich direkt weiter nach Südkorea geflogen. Am 1. November beginnt der Fackellauf und die Flamme wird dann ab 9. Februar über Pyeongchang leuchten. Das Gerüst für die Flamme ist beim neuen Olympiastadion schon gebaut, noch ist ein weißer Sack oben drübergestülpt, so, als müsste man ein großes Geheimnis bewahren.

Das Olympiastadion für die Eröffnungs- und Schlussfeier ist fast fertig. 35.000 Zuseher werden Platz haben, im Stadioninneren werden gerade die letzten Installationen an der kreisrunden Hebebühne erledigt. Auf drei Seiten wurden Stahltribünen mit Kunststoffsitzen errichtet und schön verkleidet, damit die grauen Metallstangen nicht sichtbar sind. Auf einer Seite ist ein gemauertes Gebäude. Das wird stehen bleiben. Es wird nämlich einmal ein Olympia-Museum daraus und der ganze Stahlrest wird, wie die Koreaner betonen, nach den Spielen wieder abgebaut. Nachhaltigkeit ist das Thema. Man will ja keine Olympia-Ruinen à la Athen, Sotschi oder Rio haben.

Nachhaltigkeit ist auch bei der Biathlonstrecke ein Thema, denn diese führt über einen Golfplatz. Das 18er-Loch wird nach der künstlichen Beschneiung zur Einfahrt ins Zielstadion. Ein bisserl wurde das „Loch“ entschärft, nachdem es im Vorjahr bei der Generalprobe etliche Stürze und Waffenbrüche gab. Aber der Golfplatz hat jetzt eine Rundum-Flutlichtanlage und die Bunker werden abgedeckt, damit sich der Sand nicht mit dem Kunstschnee vermischt.

Nachhaltig wäre auch gewesen, dem Wunsch des IOC nachzukommen und eine bestehende Bob- und Rodelbahn in Japan zu benützen. Aber nix da, die Sparidee scheiterte am Nationalstolz und die Bahn schaut doch so schön aus auf dem Hügel hinter den Skisprungschanzen. Aber es kostete halt 98 Millionen Euro. Und so stehen nun weltweit 17 Eiskanäle in diversen Landschaften. Innsbruck-Igls zahlt für den Betrieb übrigens 250.000 Euro. Pro Monat. Zumindest im Auslauf der Sprungschanze wird das Thema Nachhaltigkeit ein wenig sichtbar, da ist nämlich ein Fußballplatz mit saftig grünem Rasen, Tribünen und Toren …

Rund 40 Busminuten entfernt ist das Jeongseon Alpine Center, Schauplatz der alpinen Speed-Rennen. Quasi die südkoreanische Streif. Am Berg Gariwang hat der Schweizer Ex-Rennläufer und Pistenarchitekt Bernhard Russi nach langer Suche und 30 Korea-Reisen eine geeignete Strecke gefunden. Mit farbigen Bändern hatte er auf Bäumen die Linie für die Strecke markiert. Die Holzhacker rückten an und Proteste von Umweltschützern folgten. Denn die Piste liegt in einem Naturschutzgebiet mit alten und seltenen Bäumen, die vor rund 500 Jahren zur Zeit der Joseon-Dynastie gepflanzt worden waren und vielen Koreanern heilig sind. Außerdem wurde hier exklusiv für den König Ginseng angebaut. Ein Massaker mit der Kettensäge, sagten die Umweltaktivisten. Die Strecke wurde gebaut. Russi strich zumindest die Linie für die Damen aus dem Plan und schonte so einige besonders alte Bäume. Auch den „Magic Tree“. Denn die Magie dieses Baumes half Frauen, die Mühe hatten, schwanger zu werden, wenn sie eine Nacht zu seinen Füßen schliefen. Deshalb hat auch die Abfahrtspiste jetzt eine Kurve mehr als geplant.

Erst heuer entstanden am Fuße des Berges ein Hotelkomplex, eine Appartementanlage und ein gewaltiger Speicherteich. Die österreichische Firma Doppelmayr hat drei Lifte geliefert und fertiggestellt. Einen 3,5 Kilometer langen, einen etwas kürzeren und einen Zubringerlift, damit die Zuschauer ins Zielgelände kommen. Und jetzt das fast Unglaubliche: Es gibt zwar noch Gespräche mit der koreanischen Staatsführung. Aber zu 99,9 Prozent ist fix, dass die neue Skistation nach den Spielen trotz Millionen-Investitionen wieder aufgelassen wird. Für die Lifte wird ein Zweitverwerter gesucht. Die Magie von Olympia wird zumindest auf dem Berg Gariwang nachhaltig verschwinden.

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