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Es ist Zeit, ein großes Rennen zu gewinnen

Nach zwei enttäuschenden Saisonen blickt Radprofi Matthias Brändle optimistisch nach vorne. Der Abgang von Alberto Contador könnte ihm zugute kommen.

Von Johannes Emerich

Beim Zeitfahren der Olympischen Spiele 2016 in Rio über 54,6 Kilometer rechnete sich Matthias Brändle gute Chancen auf eine Spitzenplatzierung aus, auch wenn der Kurs aufgrund einiger kurzer, aber steiler Anstiege dem Hohenemser nicht ganz auf den Leib geschneidert schien. Mit einem zweiten Platz beim Einzelzeitfahren des Giro d’Italia und einem doppelten österreichischen Meistertitel glückte die Vorbereitung auf das große Saisonziel Rio. Doch es folgte die große Enttäuschung, der Österreichische Radsportverband verzichtete auf die Dienste des Hohenemsers und nominierte stattdessen den Tiroler Stefan Denifl. Ein knappes Jahr später erlebte Brändle sein Deja-vu. Wieder hatte der 27-Jährige gute Ergebnisse vorzuweisen und hoffte auf eine Nominierung für die Tour de France. Doch erneut entschieden sich die Verantwortlichen – dieses Mal jene des Teams Trek-Segafredo – gegen die Dienste des Zeitfahrspezialisten. Und das, obwohl die Streckenführung entlang des Rheins in Düsseldorf als Auftakt der Frankreichrundfahrt wie gemalt war für den starken Rouleur Brändle.

Kleine Siege. „Auch wenn die Entscheidungsträger völlig andere waren, drängte sich zu Beginn schon der Gedanke auf: ‚Warum trifft es schon wieder mich?‘“, haderte Brändle zu Beginn mit der Nichtnominierung, aus der er seine Lehren gezogen hat: „Ich muss nächstes Jahr einfach noch besser fahren, motiviert bin ich jedenfalls. Ich werde im Dezember 28 Jahre alt, es wird Zeit, endlich ein richtig großes Rennen zu gewinnen und nicht nur bei den kleinen zu triumphieren.“

In der abgelaufenen Saison entschied der Hohenemser die Zeitfahren der Belgien-Tour und der Dänemark-Rundfahrt für sich. Zudem fuhr er bei den „Drei Tagen von De Panne“ hinter Ex-Weltmeister Philipp Gilbert auf den zweiten Gesamtrang. Schöne Erfolge, doch ein Etappensieg bei einer der großen Rundfahrten würde die Karriere Brändles krönen.

Contador fehlt. Beim Team Trek-Segafredo wird sich in der Winterpause einiges verändern. Der uneingeschränkte Leader und zweimalige Tour-de-France-Sieger Alberto Contador hat seine Karriere ebenso beendet wie Bergspezialist Haimar Zubeldia. Die Neuzugänge sind zumeist junge Fahrer, die über Potenzial verfügen. „Es fehlt jetzt natürlich ein Leader. Gianluca Brambilla ist ein guter Fahrer, der beim Giro schon das rosa Trikot getragen hat, aber natürlich kein Vergleich zu Contador“, analysiert Brändle seine neuen Teamkollegen. Dieses neue Machtvakuum könnte dem dreimaligen österreichischen Zeitfahrmeister jedoch neue Chancen eröffnen.
Die kommenden Leader bei Trek werden voraussichtlich John Degenkolb und Bauke Mollema sein. Das vermutet auch Brändle: „Es ist wichtig, dass John wieder zu seinem alten Niveau zurückfindet. Dann könnte er bei den Klassikern wie Mailand–San Remo ganz vorne mitmischen. Bauke Mollema ist ein anderer Typ als Contador. Er braucht bei der Tour de France nicht ein komplettes Team zur Unterstützung.“

Dadurch wird Brändle in der Saison häufiger auf eigene Rechnung fahren können. Schon bei seiner ersten Tourteilnahme – damals noch im Trikot der IAM-Equipe – machte Brändle mit sehr offensiver Fahrweise und zahlreichen Ausreißversuchen auf sich aufmerksam.

Da die Tour 2018 mit drei Flachetappen beginnt, würde Brändle die Teilnahme beim Giro d’Italia präferieren. Dieser startet am 4. Mai mit einem Prolog in Jerusalem: „Der Kurs ist zehn Kilometer lang, flach und hat viele Kurven, das kommt mir entgegen.“

Heim-WM. Deutlich kupierter ist die Routenführung des WM-Zeitfahrens in Innsbruck. Vor allem der vier Kilometer lange Anstieg von Fritzens nach Gnadenwald ist nicht ganz nach dem Geschmack des 27-Jährigen. „Der Anstieg sollte trotzdem machbar sein. Das Zeitfahren ist selektiv, aber nicht so hart wie das bei der heurigen WM in Norwegen. Ich werde mich so vorbereiten, dass ich in der bestmöglichen Form nach Innsbruck reise.“ Es ist eines der großen Saisonziele Brändles. Und vielleicht ist bei der Heim-WM ja die Zeit für einen großen Sieg gekommen – es wäre sogar der größtmögliche.

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