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Am Schnabel der Welt

Das Trapezim Ghetto

von Harald petermichl

Sich am Unesco-Welttag der Städte mit einer Frage zu beschäftigen, die 24 Stunden später am Reformations- und Weltspartag längst beantwortet sein wird, ist ein gleichermaßen müßiges wie bescheuertes Unterfangen. Es wird daher an dieser Stelle garantiert nicht darüber spekuliert, wer denn nun neuer ÖFB-Teamchef wird, da dies bei Drucklegung dieser Zeilen bereits Caffè freddo sein wird. Die Spannung hält sich ohnehin in Grenzen, denn das von einer der wie Schwammerl aus dem Boden schießenden ÖFB-Taskforces formulierte Anforderungsprofil ist von derart wegweisend-messerscharfer Klarheit, dass es fast an die Qualität einer Ausschreibung herankommt, die alljährlich in Saalfelden am Steinernen Meer veröffentlicht wird. In deren Zentrum steht der Satz: „Wir suchen einen in sich ruhenden Menschen, der bereit ist zum Gespräch. Er soll sich nicht aufdrängen.“ Zwar sucht man dort keinen Fußballlehrer, sondern einen Eremiten, der für ein Jahr die mehr als 350 Jahre alte Klause am Palfen im Pinzgauer Saalachtal bewohnt, aber wer weiß: Vielleicht sind die beiden Tätigkeiten gar nicht so unterschiedlich, wie es auf den ersten Blick scheinen mag.

Jedenfalls wird man an der Meiereistraße im zweiten Wiener Gemeindebezirk nach getroffener Entscheidung endlich Muße haben, sich mit einigen gar nicht mal so unwesentlichen Zukunftsthemen zu beschäftigen. So war dieser Tage bereits einem bedeutenden Printmedium zu entnehmen, dass die Ligareform nochmal „aufs Tablett gebracht“ werden soll. Das ist zwar – mit Verlaub – hanebüchener Unsinn, weil man wichtige Themen besser aufs Tapet, worunter wiederum der Belag eines Verhandlungstisches zu verstehen ist, bringt, um sie zu diskutieren, und nicht auf ein Tablett, um sie zu den Mistkübeln zu tragen, aber es ist immer noch besser, als sie „aufs Trapez zu bringen“, was auch gerne genommen wird. Es steht, um bei häufig falsch gebrauchten Redewendungen zu bleiben, ohnehin zu vermuten, dass man bei den ÖFB-Oberen noch diverse Lösungsansätze „im Ghetto“ hat, von denen wir als blutige Laien noch gar nichts wissen können.

So dürfen wir also, nachdem man in Wien generell alles im Griff zu haben scheint, schon mal in Ruhe etwas Kreatives aus dem bunten Sortiment der überteuerten Grabgestecke für Allerheiligen erwerben und uns gleichzeitig der Vorfreude auf das freundschaftliche Ländermatch am 14. November hingeben, wenn der neue Teamchef Franco Foda gegen Uruguay erstmals auf der hoffentlich körig geheizten Bank im Ernst-Happel-Stadion Platz nehmen wird.

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