Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Sport-Talk der Woche Spezial

„Ein Kick muss da sein“

Svindal gibt in einer Schlüsselszene des Imagefilms alles. Hartinger (6)

Svindal gibt in einer Schlüsselszene des Imagefilms alles. Hartinger (6)

Interview. Skiweltcup-Superstar Aksel Lund Svindal (34) drehte am Montag für seinen Ausrüster in Lochau einen Imagefilm. In einer Drehpause nahm sich der Norweger Zeit für einen zweiteiligen Sport-Talk-Spezial.

Bei den Aufnahmen wird viel gelacht. Machen Ihnen als gefragtem Werbestar solche Drehtage immer noch Spaß?

Aksel Lund Svindal: Sehr sogar. Gerade, wenn es ein Dreh mit lauter guten Freunden wie bei Head ist. Ich bin sowohl mit allen meinem Markenkollegen sowie allen im Head-Büro gut befreundet. Also ist das hier wie ein Familientreffen. Ich finde auch, dass der Zeitpunkt für den Drehtermin gut gewählt ist. Weil im Winter ist es so stressig, dass wir es niemals schaffen würden, alle an einen Ort zusammen zu bekommen.

Sie gelten als Frühaufsteher, als jemand, der beim Wecker nie die Schlummertaste drückt. Wann sind Sie heute aufgestanden?

Svindal: Also dazu muss ich zuerst sagen, dass ich gestern ziemlich früh im Bett war. (lacht) Ich bin heute vor dem Alarm aufgestanden. Eigentlich wollte ich um 6.45 Uhr aufstehen und danach gleich die Leute zur Besprechung für die Aufnahmen treffen. Aber ich bin dann schon so gegen 6.15 Uhr wach geworden und fühlte mich ein bisschen hungrig. Ich bin dann runtergegangen frühstücken. Aber normalerweise schlafe ich schon so lange, bis der Wecker klingelt. Dass ich nicht die Schlummertaste drücke, stimmt.

Im Gegensatz zu Ihrem Zimmerkollegen Kjetil Jansrud – oder?

Svindal: Er macht das auch nicht oft, aber er drückt die Schlummertaste etwas öfter als ich. Ich finde, es macht keinen Sinn, das Aufstehen hinauszuzögern.

Wann beginnt während der Saison für gewöhnlich Ihr Tag?

Svindal: An Renntagen ist das Frühstück normalerweise für 6.30 Uhr angesetzt. An Trainingstagen teilweise früher, weil auf den Gletschern musst du trainieren, bevor es zu warm wird. Es schadet also nicht, als Skirennläufer ein Frühaufsteher zu sein. (lacht)

Sie sagen, man kann im Leben eigentlich nur erfolgreich sein, wenn man das, was man tut, jeden Tag mit Leidenschaft macht. In Ihnen lodert also, nach so vielen Jahren und all Ihren Verletzungen, immer noch das Feuer für den Skisport?

Svindal: Ja, weil ich mir bewusst bin, was für ein Glück ich habe. Ich glaube, das ist auch ein Grund, warum ich die ganzen Verletzungen so gut verkraftet habe und immer gut zurückkomme. Wobei es meiner Meinung nach nicht reicht, Spaß am Skifahren zu haben. Dass du den hast, ist eigentlich logisch als Skirennläufer. Wichtig ist, dass du die Leute, mit denen du tagtäglich zusammen bist, gerne um dich hast.

Also Erfolgsfaktor Teamspirit?

Svindal: Die Teamkollegen und Trainer sind mir in der Saison logischerweise am nächsten. Mit denen bin ich nicht nur auf der Piste zusammen. Wir essen zusammen, spielen zusammen, lachen zusammen. Das sind meine Freunde. Dieses Rundherum mit diesen Menschen macht mir Spaß. Wäre das nicht so, hättest du nur Spaß beim Fahren, und wenn alles andere traurig ist – wie willst du dann erfolgreich sein? Was das Feuer angeht, das muss natürlich in dir selbst brennen. Es ist wichtig, dass du mit jeder Herausforderung wachsen willst und jeden Tag ein bisschen besser fahren willst. Das verstehe ich unter Leidenschaft.

So positiv Ihre Rückkehr für den Sport ist: Verführt Sie Ihre Leidenschaft nicht dazu, etwas unvernünftig zu sein? Nach all ihren Verletzungen wäre es doch vernünftiger, es bleiben zu lassen?

Svindal: Ich glaube, es geht noch für mich. Das mit der Vernunft ist sowieso so eine Sache: Ist es vernünftig, in Kitzbühel zu starten? Wahrscheinlich nicht. Aber so kannst du nicht denken. Es gibt im Leben viele Herausforderungen, die nicht immer alle vernünftig sind, aber Spaß machen. Und man muss schon auch leben. Man soll nicht immer alles riskieren, aber ein Kick muss da sein.

Sie zertrümmerten sich 2016 in Kitzbühel Ihr rechtes Knie, weil zuvor das Rennen bei schwierigsten Bedingungen nicht abgebrochen wurde. Ist die Show wichtiger als der Sport?

Svindal: Bei den Rennen sollten immer nur die Sicherheit und die Fairness im Vordergrund sein. Aber das Rundherum in Kitzbühel ist mittlerweile schon sehr groß – und das beeinflusst natürlich die Verantwortlichen. Es gibt kein Rennen im Jahr, bei dem es für die Zuständigen so schwer ist, abzubrechen oder abzusagen wie in Kitzbühel. Was nicht heißen soll, dass überall sonst abgebrochen worden wäre. Außerdem habe ich am Start ja gewusst, dass die Bedingungen schwierig sind, und mich dazu entschieden, zu fahren.

Sprich: Sie hätten ja auch selbst Nein sagen können?

Svindal: Genau. Auf der anderen Seite hoffe ich, dass es nie so weit kommt, dass die Athleten aufgrund der Bedingungen auf einen Start verzichten. Das würde bedeuten, dass sie kein Vertrauen mehr in die Verantwortlichen haben. Wenn dieser Tag kommt, wenn die Läufer anfangen bei der FIS nachzufragen, ob sie alles richtig einschätzen, hat dieser Sport keine Basis mehr. Ohne Vertrauen in die Entscheidungen muss ich mich ja nicht nur in Extremsituationen, sondern vor jedem Start fragen, ob die Strecke wirklich frei ist. Das geht nicht. Sagen die Zuständigen, die Strecke ist bereit, dann glaube ich das.

In Kitzbühel wäre ein Abbruch dennoch besser gewesen, oder?

Svindal: Ich fand es gut, dass die Zuständigen hinterher den Mut hatten zu sagen: Es war eine brutal schwierige Entscheidung, wir müssen schauen, was wir in Zukunft besser machen können. Dieser Mut baut Vertrauen auf, denn so war es ja auch, und es zeigt mir: Hey, das sind alles nur Menschen.

Ihre Einstellung zur Sicherheitsfrage der Spiele in Südkorea 2018?

Svindal: Da geht es auch wieder darum, Vertrauen zu haben. Wenn sie beim IOC entscheiden, es geht, musst du ihnen das glauben. Aber es ist schade, dass die Welt so ist, dass die Frage nach der Sicherheit immer öfter gestellt werden muss. In Sotschi gab es ja auch schon Bedenken.

Könnten Umstände eintreten, die Sie sagen lassen: Die Spiele werden zwar ausgetragen, aber ich gehe nicht nach Pyeongchang?

Svindal: Wenn zum Beispiel in Norwegen der Sicherheitsdienst sagt: Wir würden eine Teilnahme nicht empfehlen, werde ich mich fragen, ob es das wert ist. Aber ich hoffe und glaube, dass Ruhe einkehrt und die Spiele normal ablaufen.

 Interview: Hannes Mayer

Nächste Woche: Svindal privat.

<p class="caption">Standen beim Dreh in Lochau vor der Kamera: Alexis Pinturault, Franz Klammer, Anna Veith, Lara Gut, Tina Weirather, Aksel Lund Svindal, Kjetil Jansrud und Matthias Mayer.</p>

Standen beim Dreh in Lochau vor der Kamera: Alexis Pinturault, Franz Klammer, Anna Veith, Lara Gut, Tina Weirather, Aksel Lund Svindal, Kjetil Jansrud und Matthias Mayer.

<p class="caption">Was für eine Hetz: Franz Klammer ringt im Spot mit einem Eisbären. </p>

Was für eine Hetz: Franz Klammer ringt im Spot mit einem Eisbären. 

Zur Person

Aksel Lund Svindal

Geboren am: 26.12.1982; Skiausrüster: Head

Erfolge Olympia: Gold im Super-G, Silber in der Abfahrt, Bronze im RTL (alle 2010);

Erfolge WM: Fünffacher Weltmeister (Abfahrt 2007, 2013; RTL 2007; Superkombination 2009, 2011) Kombinationssilber (2005), Bronze Super-G (2009, 2013);

Erfolge Weltcup: Zweifacher Gesamtweltcupsieger (2006/07, 08/09); 9 Disziplinensiege; 32 Weltcupsiege;

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.