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„Das gibt es sonst nirgendwo“

Vorarlbergs SBX-Asse Luca Hämmerle, Markus Schairer, Alessandro Hämmerle und Julian Lüftner. Lerch (2)

Vorarlbergs SBX-Asse Luca Hämmerle, Markus Schairer, Alessandro Hämmerle und Julian Lüftner.

 Lerch (2)

Interview. Ges­tern fand am Hochjoch die Pressekonferenz zum bevorstehenden Weltcup-Wochenende (14. bis 17. Dezember) im Montafon statt. Im Anschluss nahm sich ÖSV-Snowboardcross-Cheftrainer Tom Greil Zeit für ein Interview.

Steigt bei Ihnen schon die Vorfreude auf das Heimrennen im Montafon?

Tom Greil: Ja, ich würde am liebs­ten gleich hier bleiben. Die Bedingungen sind perfekt. Das Rennen im Montafon ist und bleibt jedes Jahr ein Highlight. Weil die Veranstaltung so groß aufgezogen wird wie sonst nirgendwo auf der Welt. Die Rennen im Montafon sind einzigartig im Weltcup. Überall sonst wird halt ein Rennen ausgetragen, hier wird die Veranstaltung zelebriert. Die Montafon-Rennen sind sozusagen die X-Games des Weltcups. (Anm.: Die X-Games sind die inoffizielle WM der Extremsportarten und finden in Aspen statt.)

Im vergangenen Jahr orientierte sich der Kurs im Montafon wie im Weltcup üblich an den Skicrossern. Dass es dieses Mal mehr Sprünge gibt, es also ein SBX-Kurs wird, dürfte nach Ihrem Geschmack sein?

Greil: Auf jeden Fall, wobei der Kursbau im Vorjahr schon auch am damaligen Schneemangel lag. Mehr Sprünge wären gar nicht möglich gewesen. Jetzt liegt hier so viel Schnee, dass der Kreativität der Kursbauer keine Grenzen gesetzt sind. Trotzdem stimmt es, dass 2016 beim Kursbau sehr viel Rücksicht auf die Skicrosser genommen wurde. Das wird dieses Jahr anders. Die Montafoner sind eben als so exzellenter Ausrichter in einer Position der Stärke, dass sie ihre eigenen Präferenzen setzen können.

Es wird im Montafon in Vierer-Heats gefahren. Das ist eine richtige Entscheidung, oder?

Greil: Ich bin ein Fan von Vierer-Heats. Weil die Vorselektion einfach größer ist. Bei Sechser-Heats sind 48 Boarder am Start, da lässt die Qualität hintenraus einfach nach. Im Umkehrschluss ist aber auch klar, dass du beim Vier-­Heat-Format schon in der Quali ein gutes Material brauchst, um es in die Top 32 zu schaffen. Da sind wir bestens aufgestellt, unsere zwei Serviceleute James Woodford und Christoph Vonbank leis­ten hervorragende Arbeit.

Ähnlich wie bei den Spielen gibt’s im Montafon dieses Mal einen Rampenstart. Ihre Meinung?

Greil: Das ist ganz in unserem Sinn. Die Rampe wird zwar nicht ganz so hoch wie bei den Spielen, dort beträgt die Fallhöhe nach dem Start sieben Meter. Aber ob es nun fünf oder sieben Meter sind, macht dann auch nicht mehr den ganz großen Unterschied. Der Rampenstart macht das Rennen im Montafon noch wertvoller, weil hier alle für die Stunde X im Februar proben können.

Stichwort Start: Das ÖSV-Team hat im Sommer mit der Griffhöhe beim Gate experimentiert. Mit dem gewünschten Effekt?

Greil: Die Läufer müssen sich noch besser an die veränderte Griffhöhe gewöhnen, so was braucht Zeit. Es gibt da noch ein bisschen was zu justieren – aber es funktioniert. Wir arbeiten generell daran, die Startposition zu verändern. Bislang sind wir immer aus einer tiefen Hocke, also von hinten, gestartet, damit die Läufer am Start den größtmöglichen Schub entwickeln konnten. Jetzt stoßen wir mit dem Board an die Klappe an, um den Weg aus dem Startgate zu verkürzen. Das werden wir nicht immer so machen, wenn es flach losgeht ist es natürlich gefragt, mit Schub aus dem Start raus zu kommen. Am Ende ist es die Entscheidung des Läufers, wie er starten will, weil er besser wie jeder andere weiß, was ihm in der jeweiligen Situation liegt. Auf jeden Fall haben wir mit dieser neuen Startvariante unsere taktischen Möglichkeiten vergrößert. Was gerade in einem Olympiawinter ein Faktor werden kann.

Inwieweit prägt das Rennen um die vier Olympiastartplätze das Teamklima?

Greil: Der Kampf um die Olympiatickets erhöht natürlich die Spannung. Jeder will dabei sein, aber in so einem starken Team wie dem unsrigen kann nun leider mal nicht jeder dabei sein. Das geht ja schon bei der Nominierung für den Weltcup los. Wir haben zehn starke Boarder, aber nur neun dürfen starten. Für Olympia können wir sogar nur vier nominieren. Das bringt es mit sich, dass am 21. Jänner, wenn wir die vier Startplätze offiziell vergeben, einige sehr enttäuscht sein werden. Diese Entscheidung zu verkünden, wird kein einfache Aufgabe für mich, gehört aber dazu.

Das Trainingsniveau im ÖSV-Team soll sehr hoch sein?

Greil: Die Truppe ist so homogen, die zehn sind fast alle auf demselben hohen Niveau. Das Außerordentliche ist, dass sich alle zehn Boarder trotz dieses wirklich schon brutalen Konkurrenzkampfs blendend verstehen. Ich könnte die zehn bedenkenlos zusammen auf Urlaub schicken.

Nach welchen Kriterien vergeben Sie die Olympiastartplätze?

Greil: Die zwei Weltcuprennen in Argentinien vom September haben natürlich Gewicht. Was bedeutet, dass Alessandro Hämmerle mit seinem zweiten und Markus Schairer mit seinem sechsten Platz einen ersten Schritt gemacht haben. Die österreichischen Meisterschaften von vergangener Woche können zum Kriterium werden, wenn die Ergebnisse im Weltcup keine Entscheidung bringen. Grundsätzlich gilt aber, dass die nächsten vier Weltcuprennen ausschlaggebend sind.

Drei dieser vier Weltcuprennen finden zwischen dem 12. und 22. Dezember statt. So wirklich glücklich wird Sie das nicht machen?

Greil: Das ist alles andere als optimal, zumal wir viele Reisestunden zurücklegen müssen in der Zeit. Nach Val Thorens, wo das erste Winterrennen stattfindet, sind es zehn Stunden Autofahrt. Am Mittwoch nach dem Rennen geht’s zurück ins Montafon, macht noch mal knapp zehn Stunden Autofahrt. Nach dem Montafon-Wochenende müssen wir sofort nach Cervina (ITA) weiter, das sind dann noch mal sieben Stunden Autofahrt. Ich bin zwar grundsätzlich froh über jedes Rennen. Aber der dichte Terminkalender beeinträchtigt die Regeneration.

Die drei Rennen sind ja darum so dicht terminisiert, weil sie zur Cross Alps Tour zählen hätten sollen. Die wurde aber abgesagt. Wie kommt diese Absage bei Ihnen an?

Greil: Ich bin kein Freund davon, Formate anderer Sportarten zu imitieren. Die Cross Alps Tour ist nichts anderes als die Vierschanzentournee. Ich finde, dieses Nachahmen hat der Snowboardcross-Sport nicht nötig. Er funktioniert, das beweisen die Zuschauerzahlen. Was wir jetzt durch die Absage der Cross Alps Tour haben, ist eine Lose-Lose-Konstellation. Die Rennserie mag aus marketingtechnischen Gründen wichtig gewesen sein – jetzt findet sie nicht statt und die Termine sind trotzdem so dicht beieinander.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Teambewerbs?

Greil: Wir beim ÖSV halten sehr viel vom Teambewerb, weil die Veranstalter dadurch die Möglichkeit haben, zwei Rennen durchzuführen. Auch sportlich überzeugt mich der Bewerb. Leider weigern sich viele veranstaltende Verbände, einen Teambewerb durchzuführen. Wir bekommen mit ach und krach drei Teamevents pro Saison zusammen und schaffen damit gerade so das Limit für eine Disziplinenwertung.

In Veysonnaz war nach dem letzten Rennen lange unklar, wer die Team-Weltcupwertung gewonnen hat. Wie kam das bei Ihnen an?

Greil: Wir haben damals sofort Protest eingelegt, scheiterten aber, weil die Regeln sehr unpräzise formuliert waren. Dadurch hat das italienische Team 1 die Kugel geholt, obwohl deren Team 1 nicht bei allen Bewerben mit derselben Besetzung gefahren ist. Damit hat die Teambezeichnung die Wertung gewonnen und nicht ein Zweierteam. Wenn wir das auch so gemacht hätten, hätten wir die Kugel klar gewonnen. Die Regeln wurden jetzt genauer ausformuliert.

 

 Interview: Hannes Mayer

Weltcup-Programm Montafon

Donnerstag, 14. Dezember

10.30 Uhr: Training Skicross; 13 Uhr: Quali Skicross

19.30 Uhr: Heat-Präsentation Skicross, Kulturbühne Schruns, anschließend Filmvorführung „The White Maze“, 21 Uhr: Party mit DJ Krazzee, Kulturbühne Schruns, Eintritt jeweils frei

Freitag, 15. Dezember

10.30 Uhr: Finale Skicross

12.15 Uhr: Training Snowboardcross

20 Uhr: Startnummernauslosung SBX

20.30 Uhr: Weltcup Warm-up-Party D’n’B Night mit Turno und Infusion, Weltcupbar Schruns, Eintritt frei

Samstag, 16. Dezember

9.30 Uhr Qualifikation SBX

12.30: Finale FIS Snowboardcross

15 Uhr: DJs Daniel Decrain und Creepy Brick, Weltcup-Partymeile Schruns

16 Uhr: DJs Weltcupbar Schruns, Einlass Konzertgelände

18 Uhr: Open-Air mit 257ers, Siegerehrung, Mando Diao

Afterparty in der Weltcupbar und Weltcup-Partymeile Schruns

20 Uhr: Weltcup-Party, LimoClubMontafon St. Gallenkirch

20 Uhr: DJ im „Heuboda“ Gaschurn

Sonntag, 17. Dezember

11.30 Uhr: Finale SBX-Teamevent

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