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Gar zum „Weltwunder“ geadelt

Hirscher siegte mit einem Vorprung von 0,88 Sekunden auf den Norweger Kristoffersen.  AP

Hirscher siegte mit einem Vorprung von 0,88 Sekunden auf den Norweger Kristoffersen.  AP

Marcel Hirscher hat einmal mehr die Ski-Welt verblüfft, wird mit Superlativen überschüttet – er ist eben ein „Wunder“.

Von Michael Schuen

An manchen Dingen scheitern auch scheinbare Übermenschen. So wie Marcel Hirscher nach seinem grandiosen Sieg im Riesentorlauf von Beaver Creek genau 108 Tage nach seinem Knöchelbruch an der Rückreise in die Heimat scheiterte. Weil der Flug von Denver nach Frankfurt gestrichen wurde und das Umbuchen über London fehlschlug, musste Hirscher – wie viele andere – noch eine Nacht länger als ge­plant in Colorado verbringen. Fast so unerwartet wie das Rennen davor, wie er grinsend nach seinem 46. Weltcuperfolg bekannt hatte: „So unerwartet wie dieser Sieg war davor noch keiner“, gab er zu.

Für unmöglich gehalten. Und: Weltcupsieg Nummer 23 im Riesentorlauf sei mit Sicherheit einer seiner größten gewesen. Einer, den er selbst für unmöglich gehalten hatte, als er am Dienstag das erste Mal auf dem US-amerikanischen Kunstschnee gefahren war.

Wie es dann möglich war, den Rückstand so schnell in einen Vorsprung zu drehen, das weiß sein Rennchef bei Atomic, Chris­tian Höflehner, der „alle verfügbaren Kräfte“ auf Hirscher konzentrierte – und das waren mit den zwei eigenen Serviceleuten Thomas Graggaber und Johann Strobl, dem Schuh-Servicemann Johannes Holzmann, dem technischen Koordinator Andreas Dudek und dem Rennchef selbst doch einige.

All das wäre aber ohne das „Rennpferd“ Hirscher zu wenig. „Der eine Punkt an ihm ist der: Er kam am Montag an, stand am Dienstag um 6 Uhr früh auf der Piste – trotz Jetlag. Der andere Punkt hat damit zu tun, dass das Fahren mit dem neuen Material all dem widerspricht, was sich die Athleten in den vergangenen vier, fünf Jahren mühsam antrainiert haben.

Denn mit dem „alten“ Riesentorlauf-Ski mit 35 Meter Radius lautete das Rezept: möglichst rund um die Stange fahren. „Das haben sich die Fahrer jahrelang eingetrichtert“, erläutert Höflehner. Jetzt aber „müssen sie genau gegen diese Regel arbeiten: Du musst voll auf die Stange zufahren, das ist gegen die Intuition des Läufers.“ Soll heißen: Der Kopf sagt dem Rennfahrer, dass sich diese Linie nicht ausgeht – aber dank des geringeren Radius der neuen Ski geht es eben doch.

Womit eben der Hirscher-Faktor ins Spiel kommt. „Die anderen“, sagt Höflehner, „haben den gesamten Sommer daran gearbeitet. Und ja, du brauchst eine gewisse Anzahl an Skitagen, um dich darauf einzustellen. Marcel hat das alles in vier, fünf Tagen geschafft.“ Selbst für diese außerordentliche Fähigkeit gibt es eine Erklärung. „Es gibt Läufer, die im Ziel den Lauf nachfahren, um sich klar zu werden, wie alles war. Marcel aber hat ein so feines Sensorium, dass er das alles schon beim Schwung erledigt. “

Zu guter Letzt ist da das „Rennpferd“. „Marcel hat diese einzigartige Eigenschaft, im Rennen immer schneller zu sein als im Training – und zwar deutlich,“ erklärt Höflehner.

Giradelli begeistert. Marc Girardelli, selbst fünfmaliger Gesamtweltcupsieger, meinte gar: „Das war der Hammerschlag für jeden Rennläufer, der sich monatelang vorbereitet hat. Da kommt einer aus der Verletzung, hat noch Schmerzen und fährt allen davon. So was habe ich noch nie erlebt. Er ist ein Weltwunder!“

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