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Früher warwenigerLametta

Waren das noch Zeiten, als man vor dem Nicht-Flachbildschirm-Televisionsgerät, das, weil eben nicht flach, ein gefühltes Viertel des Wohnraums einnahm, gespannt die Auslosung für die bevorstehende Fußballweltmeisterschaft verfolgt hat. Allerdings war das im letzten Jahrtausend, in einer seltsam fernen Zeit, in der es noch keine 32 teilnehmenden Nationen gegeben hat. Heute nimmt man dieses Ereignis zwar zur Kenntnis, muss aber feststellen, dass jede Auslosung im VFV-Cup mehr Spannungspotenzial birgt, weil es eh nur um die langweiligen Paarungen der Gruppenphase geht, bevor dann im Achtelfinale die WM ernsthaft beginnt. Aber immerhin konnte man neben Herrn Putin auch Herrn Infantino mal wieder sehen, der sich in der letzten Zeit gar rar gemacht und wenig neue Geistesblitze geliefert hatte. Wer weiß, wofür’s gut war.

Um dieses Spannungsmanko auszugleichen, hat man der Gruppenauslosung aber ein aberwitziges Showbiz-Format verpasst, das daherkommt wie eine ins 21. Jahrhundert ge­beamte Peter-Alexander-Show mit viel Lametta; lediglich Ingeborg Hallstein hat man mit einem ihrer legendären Operettenquerschnitte vermisst oder eine Fallrückziehereinlage des ZDF-Fernsehballetts unter der Leitung von Irene Mann. Aber natürlich wurde im Sinne der Demonstration besten Einvernehmens zwischen FIFA und Russland sinnvollerweise darauf verzichtet, der Dopingkiste oder anderen Nebensächlichkeiten wie Korruption, Kostenexplosion und Zwangsarbeit beim Stadionbau irgendwelchen Raum zu geben. Nun ist die FIFA bekanntlich hart im Nehmen und rittert mit dem IOC, das heute Abend irgendeine Erklärung über die Teilnahme oder Nichtteilnahme Russlands an den Winterspielen abgeben sollte, um den Titel des Wegschauweltmeisters, was chemische Leistungssteigerung bei Leibesübungen betrifft, und so kann das noch ein spannender Kampf um diesen Titel werden, mit ungewissem Ausgang.

Aber früher war, um beim Doping zu bleiben, auch nicht alles besser. Die Tatsache, dass ein erklecklicher Teil der Helden von Bern kurz nach dem „Wir sind wieder wer“-Titelgewinn an Hepatitis erkrankt ist (es gab damals noch keine Einwegspritzen und Mannschaftsarzt Dr. Loogen musste den guten alten Glaskolben bemühen), birgt bis heute das eine oder andere Geheimnis. Ob tatsächlich nur Vitamin C als Wundermittel gegen den Puskás-Virus im Spiel war oder vielleicht doch das jahrelang in der Wehrmacht verabreichte Amphetamin Pervitin, werden wir wohl nie erfahren. Dafür kann der Herr Infantino jetzt ausnahmsweise aber mal nix.

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