Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Der Glaube kann Berge versetzen

Bernhard hat seine Karriere im Wasserball mittlerweile beendet. Stiplovsek

Bernhard hat seine Karriere im Wasserball mittlerweile beendet. Stiplovsek

Wasserballer Bernhard H. kürte sich in seiner Karriere zehn Mal zum österreichische Meister. Den größten Sieg errang der 35-Jährige aber nicht im Wasser.

Von Sebastian Rauch

Bernhard H. war etwas kurzatmig und müde, als er in Teheran aus dem Wasser stieg. Der Wasserballer war es als Leistungssportler gewohnt, bei jedem Spiel an seine körperlichen Grenzen zu gehen. Doch diesmal war etwas anders. Große Beachtung schenkte er diesem Alarmsignal seines Körpers damals nicht, waren die Gründe doch schnell gefunden. Zum einen liegt die Hauptstadt des Iran, wo er mit der österreichischen Nationalmannschaft ein großes Turnier spielte, auf fast 1200 Metern Seehöhe. Da kann es schon einmal vorkommen, dass der Körper nicht ganz so leistungsfähig ist wie in niedereren Lagen. Zum anderen zählte der ­Dornbirner mittlerweile 32 Lenze und war im Spätherbst seiner Karriere angekommen. Er schien das Alter zu spüren. Die etwas angeschwollenen Lymphknoten beunruhigten ihn ebenso wenig. Immerhin hatte er die Schwellung seit knapp einem Jahr.

In den folgenden Tagen nach der Reise in den Iran fühlte er sich weiterhin müde und schlapp. „Wir haben drei kleine Kinder. Da war die Müdigkeit sehr schnell erklärt“, sagt der Familienvater heute. Und dennoch ging er eines Tages zum Arzt. Ein Kundentermin war ausgefallen, und er nützte die freie Zeit, um sich die geschwollenen Lymphknoten untersuchen zu lassen. Als er die Praxis verließ, stieg eine Ahnung in ihm auf. Doktor Google sollte dem unguten Gefühl Abhilfe schaffen, besser machte es der Internetsuchdienst jedoch nicht.

„Aufgrund der Symptome konnten wir es auf ein paar Krankheiten herunterbrechen. Ich habe mich jedoch nicht eingelesen, sondern meine Frau. Ich kannte die Bulletpoints der verschiedenen Krankheiten, aber für mich war es keine Krankheit, solange sie nicht diagnostiziert war.“

Morbus Hodgkin. Doch die Dia­gnose und somit das Ende der Ungewissheit sollten folgen. Zwei Wochen nach seinem Besuch beim Arzt rief ebendieser auf dem Handy an: Bernhard hatte Krebs. Morbus Hodgkin. „Als ich es hörte, kannte ich aufgrund der Internetrecherche meiner Frau bereits die Eckpunkte der Krankheit. Ich wusste, dass bei dieser Art Krebs die Heilungschancen gut waren. Non-Hodgkin wäre schlimmer gewesen. Nachdem ich gehört habe, dass es Morbus Hodgkin ist, dachte ich mir: Jackpot, das Beste, was mir passieren kann. In dieser Situation, versteht sich.“

Der Arzt ordnete einen umgehenden Krankenhausaufenthalt an, um zu untersuchen, wie weit der Krebs sich bereits ausgebreitet hatte. In Bernhards Kopf drehte sich plötzlich alles nur noch um eine Frage. „Mich hat in dem Moment eigentlich nur interessiert, wie viele Unterhosen ich ins Krankenhaus mitnehmen muss. Ich wusste nicht, wie lange ich bleiben müsste. Das war für mich die wichtigste Frage. Das hat alle aus dem Konzept geworfen. Ich war verwirrt, der Arzt auch, und meine Frau ist neben mir gestanden und hat ge­weint. Wenn ich jetzt zurückdenke, war es eigentlich eine absurde Situation. Der Arzt meinte dann nur, meine Frau könne bei Bedarf Unterwäsche nachbringen. Da war die Situation für mich geklärt.“ Mittlerweile glaubt Bernhard, dass die Reaktion eine Art Abwehrmechanismus auf die schlimme Nachricht gewesen ist, denn der Kampf gegen den zehn Zentimeter großen Tumor in seiner Brust hatte eben erst begonnen. Im März 2016 startete der Familienvater mit der Chemotherapie.

Die schwierigste Phase waren nach den einzelnen Bestrahlungssitzungen die „Dreckstage“, wie sie der Dornbiner selbst bezeichnet. „Tag eins bis drei bekam ich Medikamente mittels Infusionen. Tag vier und fünf sind dann gut gegangen, und von fünf bis zehn war ich immer in einem Loch. Diese fünf Tage waren die Dreckstage. Da konnte ich nicht viel machen, außer im Bett zu liegen. An guten Tagen konnte ich ein bisschen lesen. Ein simpler Spaziergang brachte mich nach 500 Metern an meine körperlichen Grenzen.“

Positives Mindset. Für den Leis­tungssportler, der sein ganzes Leben aktiv war, eine harte Prüfung. Doch wie bereits in seiner Karriere war Aufgeben für ihn keine Option. Im Gegenteil. Er besorgte sich einen Vitalmonitor, auf welchem die Herzratenvariabilität gemessen wird, um nicht über die Grenzen zu gehen, und begann während der Chemo zu trainieren. „Ich habe während der Behandlung mehr trainiert als viele meiner gesunden Freunde“, erzählt Bernhard. Heute glaubt er, dass der Sport ihm geholfen hat, wieder gesund zu werden. Er war ein wichtiger Faktor, jedoch nicht der wichtigste.

„Ich bin der Überzeugung, dass das Mindset schlussendlich mehr ausgemacht hat. Zwar sind positive Gedanken keine Garantie für eine Heilung, aber ohne sie geht es gar nicht.“ Von Beginn an hatte Bernhard seine Krankheit mit dem Sport ver­glichen. Eine Niederlage, die es zu verarbeiten galt und nach welcher er wieder auf die Siegerstraße zurückkehren müsse. Selbstmitleid oder Gedanken, warum es ausgerechnet ihn als jungen, aktiven Menschen getroffen hat, hatte er nie. „Das kam nie hoch. Ich dachte eher, es wird schon für etwas gut sein. Auch im Nachhinein habe ich mir eine solche Frage nie gestellt.“

Heute ist der Tumor besiegt, seit Oktober 2016 ist der Krebs inaktiv. Das gilt nicht für Bernhard. Nach der Krankheit stieg er wieder ins Wasser und schaffte auch hier den Weg zurück. Mit seinem Verein Paris Lodron Salzburg holte er den österreichischen Meistertitel. Es war der zehnte und auch letzte seiner Karriere, denn danach beendete der Dornbirner seine Laufbahn. Im Finale traf er auf seine ehemaligen Kollegen aus Tirol, mit welchen er die vorangegangenen neun Meisterschaften gefeiert hatte. „Es war schon fast kitschig. Besser kann man kein Drehbuch schreiben“, sagt er selbst.

Sein Kampf gegen den Krebs ist noch nicht beendet. Erst fünf Jahre nach der erfolgreichen Chemotherapie sprechen Mediziner davon, geheilt zu sein. Bis es in dreieinhalb Jahren soweit ist, muss Bernhard regelmäßig zu Kontrollen. Angst, wieder zu erkranken, hat er nicht. „Der Gedanke, dass wieder etwas sein könnte, kam mir bisher nicht.“

Ein weiteres Beispiel, dass der Familienvater den Herausforderungen des Lebens positiv entgegentritt.

<p class="caption">Bernhard stieg nach seiner Krankheit wieder ins Wasser und spielte unter anderem auch 2017 beim Militurnier in Bregenz. SAMS</p>

Bernhard stieg nach seiner Krankheit wieder ins Wasser und spielte unter anderem auch 2017 beim Militurnier in Bregenz. SAMS

Erfahrungsbericht

Blogger

Bernhard führte während seiner Chemotherapie einen Blog und berichtete über seine Erlebnisse und Erfahrungen mit dem Krebs. Unter www.baenaefit.at können die Einträge nachgelesen werden.

Mittlerweile schreibt er unter www.bernhardhengl.com über sein Leben und die Auswirkungen des positiven Mindsets.

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.